Erschießung des CSD-Attentäters: Was wird hier vertuscht?

Vor zwei Tagen hat die Polizei hat bekannt gegeben: „Gegen 18 Uhr konnte der Tatverdächtige des gestrigen Anschlags im Großen Tiergarten in einer Kleingartenanlage in Spandau lokalisiert werden. Nach bisherigen Erkenntnissen soll er mit einer Stichwaffe auf unsere Einsatzkräfte zugelaufen sein, daraufhin kam es zum polizeilichen Schusswaffengebrauch durch unser SEK Berlin. Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen durch die Berliner Feuerwehr verstarb er noch am Einsatzort.“

Der Fall erinnert viele Beobachter an frühere islamistische Anschläge, bei denen die mutmaßlichen Täter ebenfalls starben – etwa an den Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri, der wenige Tage nach seiner Tat bei einer Polizeikontrolle in Italien erschossen wurde. Auch damals blieben trotz umfangreicher Ermittlungen zahlreiche Fragen nach Unterstützern, Behördenversagen und den Hintergründen der Radikalisierung über Jahre Gegenstand parlamentarischer Untersuchungen. Aber auch der angebliche Selbstmord des Stade-Mörders und das Abtauchen dessen Fahrerin lassen zu viele Fragen offen.

Was vertuschen die Behörden?

Wollte man bewusst vermeiden, dass unangenehme Fakten bei einem Prozess ausgesprochen werden? Irfan Peci stellt nun aber für die erwünschten Narrative unangenehme Fragen:

Was ist da genau passiert? Die Öffentlichkeit hat ein berechtigtes Interesse daran zu erfahren, ob der mutmaßliche Attentäter tatsächlich allein handelte, welche Erkenntnisse den Behörden bereits vorlagen und ob die Tat hätte verhindert werden können. Eine weitere Frage wird man deshalb stellen dürfen: Wie kann nach tödlichen Polizeieinsätzen gegen Terrorverdächtige sichergestellt werden, dass die Hintergründe einer Tat dennoch vollständig aufgeklärt werden? Und warum ist Irfan Peci fast der einzige, der hier die dringenden Fragen stellt?

Maaßen: Nicht nachvollziehbar, warum er erschossen werden musste

Inzwischen hat sich auch jemand zu Wort gemeldet, der sich wie kein anderer in der Szene auskennt. Hans-Georg Maaßen: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum der Terrorist Abdul Ballout bei seiner Festnahme von SEK-Beamten erschossen werden musste. SEK-Kräfte sind gerade für hochgefährliche Einsatzlagen besonders ausgebildet. Bei einem islamistischen Terroristen musste zudem mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass er sich einer Festnahme entziehen und seinen Tod als vermeintlicher „Märtyrer“ durch einen sogenannten „Suicide by Cop“ provozieren könnte. Warum wurde dieses vorhersehbare Szenario bei der Einsatzplanung und in der konkreten Festnahmesituation offenbar nicht hinreichend berücksichtigt? Und warum gelang es nicht, Ballout lebend festzunehmen und einen möglicherweise provozierten Tod zu verhindern?“

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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