
Ein Todesopfer und 29 Verletzte sind die schreckliche Bilanz des mutmaßlich islamistischen Anschlags auf den Berliner CSD. Doch statt die tatsächliche Bedrohung klar zu benennen, bedienten LSBTIQ-Funktionäre bislang lieber die altbekannten Feindbilder von rechts. Realitätsverlust oder strategisches Kalkül? Gastbeitrag von Frank W. Haubold.
Der brutale Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin forderte aktuellen Angaben zufolge ein Todesopfer und 29 teilweise Schwerverletzte. Den Opfern und ihren Angehörigen gehört unser Mitgefühl und der Wunsch nach schneller und vollständiger Genesung.
Routinehafte Reaktionen der Politik
Dies wird auch von Politikern aller Parteien zum Ausdruck gebracht, wobei sich hier bereits eine gewisse Routine eingespielt hat. Man verurteilt den Anschlag, bedauert die Opfer und gibt dabei wohlklingende Floskeln von sich wie Berlins regierender Bürgermeister Kai Wegner: „Wir lassen uns nicht einschüchtern. Berlin steht zusammen gegen Terror und Hass.“ Das hört sich gut an, hat nur nicht sehr viel mit der Realität zu tun, denn natürlich schüchtern Angriffe oder gar Mordanschläge im öffentlichen Raum die Bürger ein, weshalb sie bestimmte Gegenden schon länger vorsorglich meiden und das „Zusammenstehen“ ist eher eine Wunschvorstellung in einer Stadt, in der man als schwules Paar oder Kippaträger jederzeit mit Anfeindungen oder Schlimmeren rechnen muss.
Auch Bundeskanzler Merz meldete sich zu Wort und verurteilte den Anschlag als „abscheuliche Tat“, was zweifellos zutrifft, ebenso wie auf Dutzende andere Mordanschläge und Messerangriffe auf Landeskinder, zu denen er sich oft gar nicht oder erst nach expliziter Aufforderung äußert.
Es dürfte nicht lange dauern, sofern es nicht bereits geschehen ist, bis die ersten Politiker, Kirchenvertreter, NGO-Sprecher oder selbsternannte Vertreter der „Zivilgesellschaft“ vor einer „Instrumentalisierung des Vorfalls“ und einer drohenden „Spaltung der Gesellschaft“ insbesondere durch die Schwefelpartei AfD warnen, bevor sich nach einigen Tagen oder bestenfalls Wochen der Mantel des Schweigens über das Geschehene ausbreitet.
Den Elefanten auf dem Flur, nämlich die zunehmende Gefahr durch gewaltbereite Islamisten erwähnt wie gewohnt nur die AfD, deren Vorsitzende Alice Weidel auf X erklärte: „Der islamistische Terror erreicht jetzt auch den CSD. Das ist die bittere Realität der offenen Grenzen und des verharmlosten Islamismus.“
Die Gefahr von rechts hat Vorrang
Das sahen die CSD-Organisatoren vor dem Anschlag allerdings deutlich anders. „Das Erstarken der AfD schwebt wie ein Damoklesschwert über dem Christopher Street Day (CSD) in Berlin“, schrieb die „Frankfurter Rundschau“ am 25. Juli 2026. „Vorstandsmitglied (des Berliner CSD) Thomas Hoffmann brachte es auf den Punkt: ‚Die Positionen dieser Partei sind eindeutig und die queere Community hat Angst‘, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.“
Und Alfonso Pantisano, der umstrittene Queer-Beauftragte des Landes Berlin, warnt ebenfalls seit Langem davor, dass die Hauptgefahr für das queere Leben von der extremen Rechten ausgehe. Auch Sven Lehmann, der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, betonte im Bundestag unmissverständlich: „Queerfeindliche Hasskriminalität ist ein Angriff auf die Freiheit unserer offenen Gesellschaft. Die größte Gefahr geht dabei vom Rechtsextremismus aus, der unsere Vielfalt bekämpft und LSBTIQ* herabwürdigt.“
Wie sich nur Stunden später herausstellte, war Angst der „queeren Community“ durchaus berechtigt, nur eben nicht in Bezug auf die AfD. Denn der mutmaßliche Attentäter, der in der Nacht mit voller Absicht mit einem Kleintransporter in die Menschenmenge fuhr, hatte, wie die Polizei inzwischen mitteilte, einen islamistischen Hintergrund.
Wie aber kommt es zu den genannten Aussagen, die angesichts der Kriminalstatistiken wenig bis nichts mit der Realität zu tun haben, aber dennoch zu den Standarddogmen der queeren Funktionärseliten gehören?
Realitätsverlust durch ideologisches Feindbild
So wie das menschliche Auge einen blinden Fleck hat, den man selbst gar nicht bewusst wahrnimmt, haben auch die medienaffinen LSBTIQ-Aktivisten einen blinden Fleck, den sie im Übrigen mit anderen Lobbygruppen, den „modernen“ Feministinnen zum Beispiel, teilen. Dieser blinde Fleck lautet: Gewalt gegen queere Personen und Frauen durch Zuwanderer insbesondere aus muslimisch geprägten arabischen und afrikanischen Herkunftsländern.
Eigentlich sollte man meinen, dass der massive Anstieg von Sexual- und Gewaltdelikten durch die genannte Klientel insbesondere seit 2015 LSBTIQ-Aktivisten und Frauenrechtlerinnen zutiefst beunruhigen und entsprechend energischen öffentlichen Protest hervorrufen müsste, doch weit gefehlt. Das Thema wird totgeschwiegen und relativiert mit kaum einer Handvoll löblicher Ausnahmen. Der Grund ist einfach: Die inzwischen auch in öffentlich zugänglichen Polizeistatistiken manifesten Tatsachen passen nicht zum ideologisch determinierten Weltbild der Lobbyisten, nach dem die angeblich frauen- und schwulenfeindliche AfD und deren Wählerschaft der Gegner ist und nicht etwa der edle Fremde, der vom gleichen Feind diskriminiert und ausgegrenzt wird. Diese ideologische Prägung ist unverrückbar und wer das Problem beim Namen nennt, wird niedergeschrien und diffamiert wie Alice Schwarzer oder der unermüdliche David Berger, dem die einschlägigen Aktivisten inzwischen nicht nur Rassismus, sondern sogar „Homophobie“ unterstellen.
Auch Fördermittel stehen auf dem Spiel
Angesichts einer früher oder später drohenden Regierungsbeteiligung der AfD gibt es allerdings noch einen anderen Aspekt, der die Protagonisten beunruhigt, nämlich die Furcht vor dem Verlust von staatlichen Zuwendungen. So stehen im Landeshaushalt der Stadt Berlin für die Umsetzung der Maßnahmen des Aktionsplans IGSV (Initiative „Gleichgeschlechtliche Lebensweisen schützen, Vielfalt fördern“) jährlich rund 5,2 Millionen Euro zur Verfügung. Damit ist das finanziell klamme Bundesland Berlin absoluter Spitzenreiter in der Bundesrepublik. Deutschlandweit werden die direkten öffentlichen Fördermittel für LSBTIQ-Zwecke von Bund, Ländern und Kommunen auf etwa 35 bis 50 Millionen Euro pro Jahr geschätzt. Hinzu kommt ein geschätzter Anteil von etwa 5 bis 10 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ (unmittelbarer LSBTIQ-Bezug). Insgesamt ergibt sich damit eine Größenordnung von etwa 40 bis 60 Millionen Euro jährlich.
Obwohl der Posten im Vergleich zum Bundeshaushalt eher marginal ist, könnte eine Regierung mit AfD-Beteiligung angesichts knapper Kassen durchaus den Rotstift ansetzen – ein Horrorszenario für die bisherigen Nutznießer, was deren besondere Abneigung gegen die AfD erklärt.
Skepsis angebracht
Ob der Anschlag von Berlin zu einem Umdenken der Protagonisten führt, die sich bislang standhaft weigerten, die islamistische Gefahr für ihre Klientel zur Kenntnis zu nehmen, bleibt abzuwarten. Die Erfahrung (zum Beispiel nach dem Mord von Dresden) rät allerdings zur Skepsis.
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