Geheimes Millionärsdinner beim Papst: Der Mann im Hintergrund war schon bei Franziskus’ Impfkampagne dabei

(David Berger) Während Leo XIV. öffentlich Kapitalismuskritik und seinen „Hunger nach Gerechtigkeit“ zelebriert, traf sich der Papst in Castel Gandolfo in wesentlich diskreterem Rahmen mit vermögenden amerikanischen Gästen. Im Zentrum des Netzwerkes steht der Chicagoer Priester Manuel Dorantes – jener Mann, der schon dabei half, Papst Franziskus für die fatale Corona-Impfkampagne des Vatikans einzuspannen.

Die Bilder passten perfekt zum sozialpolitischen Programm Leos XIV.: Noch am 11. Juli saß der Papst in Castel Gandolfo öffentlichkeitswirksam mit rund 200 Armen und Bedürftigen zu Tisch und erklärte, er sei mit einem „Hunger nach Gerechtigkeit“ gekommen. Wenige Wochen später zeigte sich hinter den Kulissen ein anderes Bild. Wie der Vatikanjournalist Hendro Munsterman im niederländischen Nederlands Dagblad berichtet, verbarg sich hinter dem öffentlich als Friedens- und Gebetsabend präsentierten „Cantico di Pace“ mit Andrea Bocelli am 29. Juli auch ein exklusives Dinner mit vermögenden, vor allem amerikanischen Förderern. Dass nach dem Konzert tatsächlich ein Dinner stattfand, ist unabhängig bestätigt; auch die Anwesenheit prominenter amerikanischer Vertreter aus Wirtschaft und Finanzwelt ist dokumentiert.

Brisant ist der Vorgang nicht zuletzt deshalb, weil Borgo Laudato si’, das vatikanische Prestigeprojekt in Castel Gandolfo, massiv auf privates Kapital angewiesen ist. In den USA existiert sogar eine eigene Organisation namens „Friends of Borgo Laudato Si“. Zu den offiziell genannten Unterstützern des Projekts gehören Unternehmen und private Mäzene. Ausgerechnet ein Papst, der die Auswüchse des Kapitalismus regelmäßig moralisch geißelt, bewegt sich damit in einem Umfeld, das auf die Großzügigkeit wohlhabender privater Förderer angewiesen ist. Der Herz-Jesu-Sozialismus für die Öffentlichkeit und das amerikanische Großkapital hinter den Kulissen ergeben zumindest ein erklärungsbedürftiges Bild.

Manuel Dorantes: Der Mann im Hintergrund

Besonders interessant ist dabei der aus Chicago stammende Priester Manuel Dorantes, der heute eine führende Funktion bei Borgo Laudato si’ innehat. Dorantes verfügt über ausgezeichnete Kontakte in die amerikanische Medien- und Wirtschaftswelt und wirbt in den Vereinigten Staaten nachweislich um Unterstützung für das vatikanische Projekt.

Doch Dorantes ist kein Unbekannter. Sein Name führt direkt zu einem der problematischsten Kapitel des Pontifikates von Franziskus: der massiven Beteiligung des Vatikans an der Corona-Impfkampagne. 2021 wurde Papst Franziskus zum prominenten Gesicht einer internationalen Impfkampagne des amerikanischen Ad Council und des COVID Collaborative. In einem weltweit verbreiteten Video erklärte Franziskus die Corona-Impfung zum „Akt der Liebe“. Damit wurde eine konkrete medizinische Entscheidung mit der moralischen Autorität des Papstamtes aufgeladen. Und Dorantes spielte dabei eine Schlüsselrolle. Der Ad Council bestätigte selbst, dass der Priester Mitglied seines „National Faith Steering Committee“ war. Mehr noch: Dorantes half nach Darstellung der Organisation dabei, die Beteiligung von Papst Franziskus an der Kampagne zu ermöglichen. Mit anderen Worten: Der Mann, der heute im Zentrum des amerikanischen Spendernetzwerks um Borgo Laudato si’ steht, half bereits damals, den Papst für eine gigantische amerikanische Impfkampagne zu gewinnen.

Die fatale Impfkampagne des Vatikans

Diese Episode wiegt bis heute schwer. Der Vatikan beschränkte sich während der Corona-Krise keineswegs darauf, Katholiken zu einer verantwortlichen Gewissensentscheidung aufzurufen. Franziskus stellte die Impfung moralisch als Akt der Nächstenliebe dar. Im Vatikan selbst wurden weitreichende Zugangs- und Arbeitsplatzregeln an den sogenannten Green Pass geknüpft. Besonders problematisch war, dass die päpstliche Autorität damit einer professionellen Kampagne zur Verfügung gestellt wurde, hinter der enorme wirtschaftliche Interessen standen. Zu den Unterstützern der Ad-Council-Initiative gehörten neben Amazon, Apple, Google, Bank of America und anderen Großkonzernen auch bedeutende Akteure des amerikanischen Gesundheitsmarktes wie CVS Health, Walgreens und die Humana Foundation. Weitere Unterstützung kam unter anderem von America’s Health Insurance Plans, der American Medical Association und Kaiser Permanente.

Dass diese Unternehmen Franziskus persönlich seine Aussagen diktiert hätten, ist nicht belegt. Belegt ist jedoch der skandalträchtige Vorgang selbst: Eine von mächtigen Wirtschafts- und Gesundheitsakteuren unterstützte Impfkampagne erhielt durch Vermittlung eines kirchlichen Netzwerkers die moralische Autorität des Papstes als gewaltigen Werbeverstärker. Die Kampagne erreichte nach Angaben des Ad Council rund 50 Millionen Menschen. Mehr als 1.100 Influencer wirkten mit. Franziskus war dabei der denkbar prominenteste moralische Multiplikator.

Und wieder tauchen NBC und Telemundo auf

Selbst die Medienverbindungen zeigen eine erstaunliche Kontinuität. Exklusive Medienpartner der damaligen päpstlichen Impfaktion waren NBC News NOW und Noticias Telemundo. Fünf Jahre später begegnen diese Namen wieder im Umfeld des von Dorantes mitverantworteten Geschehens in Castel Gandolfo. Telemundo berichtete vor Ort und interviewte Dorantes; Munsterman berichtet von besonderem Zugang für die amerikanischen Fernsehteams.

So ergibt sich ein Muster, das dringend nach Transparenz verlangt: Derselbe Priester, der half, Franziskus für eine von Großunternehmen und Akteuren des Gesundheitssektors unterstützte Impfkampagne zu gewinnen, steht heute an einer Schnittstelle zwischen Leo XIV., amerikanischen Medien und einem vatikanischen Projekt, das auf vermögende private Förderer angewiesen ist. Der Vatikan sollte deshalb offenlegen, wer beim Dinner am 29. Juli tatsächlich mit Leo XIV. am Tisch saß, welche dieser Personen Borgo Laudato si’ finanziell unterstützen und welche Summen aus den USA nach Castel Gandolfo fließen. Nach den Erfahrungen mit der fatalen Impfkampagne unter Franziskus ist die Frage nach dem Einfluss solcher Netzwerke auf die päpstliche Agenda keine Nebensache mehr.

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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