
Neue Recherchen werfen ein Schlaglicht auf die Sicherheitsmaßnahmen rund um den mutmaßlichen Attentäter des Anschlags auf den Berliner Christopher Street Day (CSD). Wie Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR übereinstimmend berichten, stand der Mann bis kurz vor der Tat unter Überwachung des Berliner Landeskriminalamtes (LKA). Eine verdeckt installierte Kamera zeichnete sogar auf, wie er seine Wohnung verließ und sich wenig später auf den Weg zum Tatort machte.
Nach den Recherchen hatten die Ermittlungsbehörden den Verdächtigen bereits seit längerer Zeit im Blick. Neben der Überwachung seiner Telekommunikation war auch eine Kamera am Hauseingang installiert worden. Diese filmte den Mann am Abend des Anschlags gegen 20.58 Uhr beim Verlassen des Gebäudes. Wenig später soll er mit seinem Fahrzeug zum CSD gefahren sein und dort den Anschlag verübt haben.
Keine Live-Auswertung der Bilder
Die Videoaufnahmen führten allerdings nicht zu einem Eingreifen der Polizei. Nach Angaben der recherchierenden Medien wurden die Bilder der Überwachungskamera nicht in Echtzeit beobachtet, sondern erst mit erheblicher zeitlicher Verzögerung ausgewertet. Das Verlassen der Wohnung wurde daher erst nach der Tat bekannt.
Bereits zuvor war die intensive persönliche Observation des Verdächtigen eingestellt worden. Beamte hatten ihn über einen Zeitraum von etwa zehn Tagen rund um die Uhr observiert. Nachdem sich dabei keine konkreten Hinweise auf unmittelbar bevorstehende Anschlagsvorbereitungen ergeben hatten, wurde diese Maßnahme beendet. Die technische Überwachung blieb jedoch bestehen.
Als Hochrisikoperson eingestuft
Besonders bemerkenswert ist ein weiterer Aspekt der Recherchen: Demnach hatte das Bundeskriminalamt den Mann mit dem Gefährdungsbewertungssystem RADAR-iTE als Hochrisikoperson der höchsten Kategorie eingestuft. Trotz dieser Bewertung sahen die Ermittler nach Abschluss der Observation offenbar keine ausreichenden Anhaltspunkte, um weitergehende Maßnahmen aufrechtzuerhalten. Eine offizielle Stellungnahme zu den Einzelheiten der verdeckten Maßnahmen liegt bislang nicht vor.
Alexander Kissler hat es auf den Punkt gebracht: „Deutschland hat entschieden, sich ans Messer liefern zu lassen. „Die Fachleute der Sicherheitsbehörden, also der Polizei und Nachrichtendienste, sollen zu dem Schluss gekommen sein, es bestünde ein erhebliches Risiko, dass Abdul B. erneut ausreisen oder einen Anschlag begehen könnte.“ Die Erkenntnis blieb folgenlos. Der Anschlag konnte stattfinden.“
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