Realsatire: Baerbock wird Professorin an Eliteuniversität

(David Berger) Es gibt Nachrichten, bei denen man zunächst das Datum kontrolliert. Dann schaut man nach, ob vielleicht der „Postillon“ dahintersteckt. Und schließlich liest man die Meldung ein zweites Mal, weil man immer noch nicht glauben möchte, dass sie ernst gemeint ist. Diese gehört dazu: Annalena Baerbock soll Professorin für „Global Leadership“ an der Columbia University in New York werden.

Nein, das ist keine Satire. Wie DIE ZEIT unter Berufung auf dpa und Table.Briefings berichtet, soll die ehemalige deutsche Außenministerin nach dem Ende ihrer Amtszeit als Präsidentin der UN-Generalversammlung im September vorerst nicht nach Deutschland zurückkehren. Ab Herbst soll sie für zunächst drei Jahre an der Columbia University lehren – als Professorin für „Global Leadership“ und Co-Direktorin des entsprechenden Masterprogramms. Man muss es tatsächlich zweimal lesen: Annalena Baerbock – Professorin für globale Führung.

Ausgerechnet „Global Leadership“

Natürlich handelt es sich nicht um eine klassische Forschungsprofessur. Niemand erwartet von Baerbock plötzlich eine Habilitation oder bahnbrechende wissenschaftliche Veröffentlichungen. Die Stelle ist ausdrücklich praxisorientiert. Nur macht das die Sache nicht besser. Im Gegenteil. Denn wenn die politische Praxis Baerbocks Qualifikation sein soll, stellt sich erst recht die Frage, was ihre Studenten eigentlich von ihr lernen sollen.

Ihre Jahre als Außenministerin waren geprägt von einer „wertegeleiteten Außenpolitik“, die moralische Selbstgewissheit allzu oft an die Stelle klassischer Diplomatie setzte. Deutsche Interessen traten hinter dem Anspruch zurück, anderen Ländern zu erklären, wie eine richtige Außen-, Klima- oder Gesellschaftspolitik auszusehen habe. Hinzu kamen jene sprachlichen Fehlleistungen, die Baerbock zu einer der meistparodierten deutschen Politikerinnen machten. Der legendäre „360-Grad“-Satz ist nur das bekannteste Beispiel. Was in Deutschland für Kopfschütteln, Spott und Fremdscham sorgte, wird in New York nun offenbar zum Lehrstoff.

Von den Grünen über die UN nach Columbia

Nach ihrem Ausscheiden aus der Bundesregierung ging Baerbocks Karriere nahtlos weiter. Im Juni 2025 wurde sie zur Präsidentin der UN-Generalversammlung gewählt. Ihre einjährige Amtszeit endet am 8. September 2026. Bei den Vereinten Nationen beschäftigte sie sich weiter mit ihren bekannten Themen: Klimaschutz, Frauenrechte, nachhaltige Entwicklung, künstliche Intelligenz und UN-Reformen. Nun folgt Columbia.

Regierung, Vereinte Nationen, Eliteuniversität: Man könnte auf den Gedanken kommen, hier funktioniere ein internationales Karrierenetzwerk, in dem politische Bilanz und öffentliche Kritik wenig zählen, solange Haltung, Kontakte und die richtigen Schlagworte stimmen. Und genau deshalb ist die Berufung Baerbocks auch ein trauriges Zeugnis für den Zustand des desolaten akademischen Betriebs. Früher verband man eine Professur mit wissenschaftlicher Leistung, Forschung und herausragender Fachkenntnis. Heute genügt an einer Eliteuniversität offenbar bisweilen die richtige politische Biographie, um „Global Leadership“ zu lehren.

Silke Schröder dazu: „Die Nachricht, dass Annalena Baerbock ‚Professorin‘ an der traditionsreichen Columbia University in NY wird, passt in diese Zeit. Wie kaum eine andere verkörpert die zukünftige ‚Prof. of Professional Practice’ das Gegenteil von Renommee, Kompetenz und Bildung im Feld der internationalen Beziehungen, in dem sie unterrichten soll. Eine Frau, die weder Englisch noch ihre Muttersprache eloquent beherrscht, die in Interviews durch geopolitisches Nichtwissen (Grönland!), falsche Zahlen und blumiges Haltungsgeschwurbel (feministische Außenpolitik) und diplomatische Affronts am laufenden Meter auffiel, soll akademischem Elitenachwuchs, der dafür an die €70.000,00 Studiengebühren pro Jahr zahlt, internationale Beziehungen erklären. Die Vita Annalena Baerbocks ist der Beleg für die globale Kleptokratie, in der wir uns befinden. In der Politiker keine Posten aus eigener Kompetenz mehr erreichen, sondern von einer außenstehenden Elite platziert werden. Um deren Interessen durchzusetzen und Themen zu verkörpern, mit denen der eigentliche, tiefe Staat sein Geld macht. Es ist abstoßend, dass grade deutsche Politiker sich dafür besonders zu eignen scheinen.“

Wenn die Realsatire Vorlesungen hält

Eine der Pointen besteht darin, dass Baerbock nicht irgendein Fach unterrichten soll. Ausgerechnet Führung ist ihr Thema. Was genau wird dort gelehrt? Wie man Außenpolitik mit moralischen Großbegriffen überzieht? Wie man Diplomatie durch demonstrative Haltung ersetzt? Wie man deutsche Interessen einer vermeintlich höheren globalen Moral unterordnet? Dass ausgerechnet Baerbocks politische Praxis zur Empfehlung für eine solche Professur wird, sagt am Ende weniger über sie als über die Institution aus, die sie beruft.

Eine ehemalige grüne Außenministerin geht zu den Vereinten Nationen und von dort an eine amerikanische Eliteuniversität. Aus politischer Prominenz wird akademische Autorität, aus einer höchst umstrittenen Amtsbilanz „Leadership Experience“. Vielleicht könnte Baerbocks erste Vorlesung heißen: „Global Leadership – 360 Grad und immer geradeaus.“ Annalena Baerbock wird Professorin. An der Columbia University. Für „Global Leadership“. Nein, der „Postillon“ hat damit nichts zu tun. Dass diese Meldung tatsächlich ernst gemeint ist, wirft vielmehr ein grelles Schlaglicht auf den katastrophalen Zustand der etablierten Wissenschaft.

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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