Herr Wegner, wenn Sie etwas für Homosexuelle tun wollen, dann feuern Sie endlich Pantisano!

(David Berger) Der tödliche islamistische Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day hätte für viele Politiker der Moment sein müssen, ihre bisherigen Gewissheiten zu hinterfragen. Jahrelang wurde der Öffentlichkeit eingeredet, die größte Gefahr für homosexuelle Menschen gehe von konservativen oder rechten Kräften aus. Nun zeigt ein grausamer Terrorakt, dass diese Erzählung falsch und gefährlich ist. Doch anstatt daraus Konsequenzen zu ziehen, halten manche Verantwortliche unbeirrt an ihren ideologischen Deutungsmustern fest.

Besonders deutlich wird dies beim Berliner Queer-Beauftragten Alfonso Pantisano. Noch kurz vor dem CSD erklärte er, die größte politische Bedrohung für Schwule und Lesben gehe von rechten und konservativen Kräften aus. Nach dem Anschlag erhielt er Gelegenheit, diese Einschätzung zu korrigieren. Doch stattdessen erklärte er auf bauernschlaue Weise (die Italiener nennen solche Menschen passenderweise paraculi), unter den Begriff „konservativ“ fasse er sämtliche religiösen Gruppen, die Homosexualität ablehnten – ausdrücklich auch Islamisten.

Diese Aussage offenbart ein grundlegendes Problem: Wer demokratische Konservative und islamistische Extremisten begrifflich gleichsetzt, dem fehlt jeden Fähigkeit, politische Wirklichkeit präzise zu beschreiben. Der Konservatismus ist eine demokratische politische Strömung. Der Islamismus ist eine totalitäre Ideologie, die Gewalt als Mittel religiöser Herrschaft legitimiert. Zwischen beiden liegen Welten. Bemerkenswert ist, dass diese Kritik an Pantisano keineswegs nur aus konservativen Kreisen kommt. Selbst der „Zeit“-Journalist Jörg Lau sprach von einer „zur Schau getragenen Dummheit und Ahnungslosigkeit“. Treffender lässt sich kaum beschreiben, was geschieht, wenn ideologische Reflexe wichtiger werden als die nüchterne Analyse von Tatsachen.

Dabei fügt sich Pantisanos Reaktion in ein bekanntes Muster ein. Immer wieder hat er diejenigen attackiert, die auf den ausgeprägten Homosexuellenhass in Teilen islamisch geprägter Milieus hingewiesen haben. Dem damaligen SPD-Politiker Kevin Kühnert warf er Rassismus vor, weil dieser genau dieses Problem angesprochen hatte. Bereits 2023 relativierte Pantisano, der am 7.Oktober schon mal mit Pali-Tuch in den sozialen Netzwerken auftritt, den besonderen Stellenwert islamisch motivierter Homophobie mit dem Hinweis, Homosexualität gelte schließlich auch in der katholischen Kirche als Sünde.

Was der linksdrehende Vorzeigequeere nicht kapiert: Zwischen einer religiösen Morallehre – über die man streiten kann – und einer Ideologie, die Andersdenkende verfolgt, misshandelt oder sogar ermordet, besteht ein fundamentaler Unterschied. Wer diesen Unterschied verwischt, verharmlost letztlich den islamistischen Extremismus. Und fällt damit schon wieder den Leuten in den Rücken, für die er eigentlich sprechen sollte.

Stefan Peter in der BZ: „Der Regierende Bürgermeister sollte Pantisano endlich feuern. Der hätte mit seinen kruden Ansichten vermutlich anderswo schnell eine neue politische Heimat – bei den Linken. Bundesvorsitzender dort ist sein Bruder Luigi Pantisano.“

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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