Gastbeitrag von Frank Steinkron
Die Hauptstadtpresse jubelt. Verteidigungsminister Pistorius ruft am 7. Oktober auf dem Bebelplatz zur Rettung der Demokratie und zum Widerstand gegen das „Vierte Reich“ auf. Um ihn hat sich die SPD-Fraktion geschart – angetreten zum letzten Gefecht.
Ein Mann schwingt sich auf zum Denkmal der Freiheit, berauscht sich an der Vorstellung, er sei die Stimme des Weltgewissens in wahrhaft historischer Stunde. Doch der Sockel des Denkmals ist so wackelig wie die Bierkiste, auf der er steht. Denn in Wahrheit ist alles nur Mummenschanz.
Dieselben Leute, die jetzt die Nationalhymne anstimmen, haben in Plauen Demonstranten, die dasselbe taten, von der Polizei einkesseln lassen.
Diejenigen, die jetzt so tapfer das Grundgesetz umklammern, haben in der Corona-Zeit jene abführen lassen, die öffentlich die Grundrechtsartikel über Menschenrechte und Meinungsfreiheit zitierten.
Diejenigen, die für ihren Auftritt den Platz der Bücherverbrennung von 1933 gewählt haben, sperren unliebsame Verlage und Autoren von der Frankfurter Buchmesse aus, lassen aus den Stadtbibliotheken nicht genehme Bücher entfernen und schicken kritischen Publizisten in den frühen Morgenstunden das Rollkommando ins Haus. Der eine oder andere hat sich auch schon einmal dazu hinreißen lassen, öffentlichkeitswirksam ein Buch zu verbrennen – wenn es beispielsweise aus der Feder Akif Pirinçcis stammt.
Und diejenigen, die jetzt vor der Verbrennung von Menschen warnen, verbünden sich mit islamistischen Terroristen, die Häuser samt ihren Bewohnern angezündet haben.
Noch spukhafter wird die Szene, als die Fernsehkameras leicht nach oben schwenken. Während Pistorius die Brandmauer als neuen antifaschistischen Schutzwall beschwört, scheint im Hintergrund ein hell erleuchtetes Glasfenster auf. Es zeigt Lenin, der gleichfalls einen Rede hält. Eine höchst symbolträchtige Koinzidenz: 1946 verschmolz die Sozialdemokratie in Berlin mit der KPD zur SED. Nun hat sie sich erneut dem Kommunismus unterworfen.
Nur eines fehlte: Statt des Deutschlandliedes hätten die Versammelten die Internationale anstimmen müssen: „Es rettet uns kein höh’res Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun.“
Denn bei Gott, diesen Leuten ist nicht mehr zu helfen!
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