Während Deutschland mit enormen Nachteilen für die Wirtschaft weiterhin auf russisches Pipelinegas verzichtet, sondieren Washington und Moskau offenbar bereits neue Energiegeschäfte. Ausgerechnet amerikanische Investoren könnten künftig an russischen Gaslieferungen nach Europa verdienen. Die Bundesregierung lehnt eine Wiederinbetriebnahme von Nord Stream dagegen weiterhin ab.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, haben hochrangige Vertreter der USA und Russlands über eine mögliche Beteiligung amerikanischer Investoren an den Nord-Stream-Pipelines gesprochen. Beteiligt sein sollen unter anderem Donald Trumps Vertrauter Jared Kushner und der russische Präsidentenberater Kirill Dmitrijew. Im Mittelpunkt steht die Überlegung, wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland zu einem Bestandteil einer künftigen Friedensordnung zu machen.
Die politische Brisanz ist kaum zu übersehen: Während Deutschland unter hohen Energiepreisen leidet und Teile seiner Industrie um ihre Wettbewerbsfähigkeit kämpfen, könnten künftig Amerikaner und Russen gemeinsam an Gaslieferungen nach Europa verdienen. Allerdings sind die Gespräche noch weit von einer konkreten Vereinbarung entfernt. Ein Vertreter des Weißen Hauses bestritt sogar, dass es zuletzt Gespräche speziell über Nord Stream gegeben habe. Zudem stehen einer Wiederinbetriebnahme erhebliche rechtliche und politische Hindernisse entgegen.
Besonders bemerkenswert ist die Haltung Berlins. Die Bundesregierung lehnt eine Rückkehr zu russischem Pipelinegas weiterhin ab. Auch Polen und die baltischen Staaten stellen sich gegen entsprechende Pläne. Die AfD dagegen fordert seit Langem eine Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen. Sollte es tatsächlich zu einem amerikanisch-russischen Energieabkommen kommen, wäre das eine bemerkenswerte Pointe der europäischen Sanktionspolitik: Washington und Moskau würden neue wirtschaftliche Möglichkeiten erschließen, während Deutschland weiterhin auf eine Energiequelle verzichtet, die einst wesentlich zur Wettbewerbsfähigkeit seiner Industrie beitrug.
Und es bleibt bizarr: Es könnte tatsächlich sein, dass Deutschland am Ende ausgerechnet von den USA russisches Gas beziehen und dafür auch noch einen amerikanischen Aufschlag bezahlen muss.
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