(David Berger) Friedrich Merz ist in Kiew. Ausgerechnet jetzt. Einen Tag nachdem Moskau Ausländer und Diplomaten aufgefordert hatte, die ukrainische Hauptstadt zu verlassen und vor weiteren massiven Angriffen warnte, setzte sich der deutsche Bundeskanzler in den Sonderzug Richtung Ukraine, um weiter zu eskalieren. Im Gepäck: neue deutsche Milliardenhilfe und weitere Waffen, die Deutschland weiter in einen gefährlichen Krieg hineinziehen.
Das verdient Konsequenz. Denn Merz hat zuletzt wenig Verständnis für jene „kriegsmüden“ Deutschen erkennen lassen, die nach bald fünf Jahren Krieg nicht mehr mit derselben Begeisterung auf immer neue Milliardenpakete, Waffenlieferungen und Durchhalteparolen reagieren. In Kiew erklärte er nun erneut: Wenn Russland nicht gestoppt werde, richte sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns.
Nun gut, Herr Bundeskanzler: Dann gehen Sie voran! Warum eigentlich wieder zurück nach Berlin, wo Sie sowieso keiner mehr mag? Warum die kostbare Gelegenheit verstreichen lassen, den kriegsmüden Deutschen persönlich zu demonstrieren, wie ernst die eigenen Worte gemeint sind? In der Ukraine werden schließlich nicht nur Pressekonferenzen abgehalten. Dort sterben Menschen. Dort sitzen Soldaten in Schützengräben, dort schlagen Drohnen und Raketen ein. Sogar während des Besuchs des Kanzlers wurde in Kiew Luftalarm ausgelöst. Jetzt heißt es Heldenmut in Stahlgewittern zu zeigen!
Stahlhelm auf, Rucksack geschultert und Richtung Front!
Was für eine Gelegenheit für gelebte Solidarität! Also Schluss mit Sonderzug, Sicherheitsleuten und Regierungsmaschine. Stahlhelm auf, Rucksack geschultert und Richtung Front. Nicht weil ein deutscher Bundeskanzler Ihres Formats dort militärisch genauso wenig Nutzen hätte, wie im Bundeskanzleramt, sondern weil sich im Schützengraben schlagartig zeigen würde, wie groß der Unterschied zwischen martialischer Rhetorik und persönlichem Risiko ist. Und wenn die Granaten und Panzersperren ausgehen, rufen Sie in Brüssel an, ob die nicht Agnes Stahlhelm-Zimmermann als Waffenlieferung schicken können. Da traut sich keine russische Drohne mehr ran.
Wer von anderen Durchhaltewillen verlangt, sollte sich jedenfalls nicht wundern, wenn irgendwann die Frage gestellt wird, welchen Preis er selbst zu zahlen bereit ist. Und vor allem: Schluss mit dem Selbstmitleid und dem ewigen Rumgeheule! Keine Klagen über schlechte Umfragewerte, undankbare und faule Deutsche und mangelnde Kriegsbegeisterung. Jetzt bietet sich die Gelegenheit, mit leuchtendem Beispiel voranzugehen. Wer den Deutschen Kriegsmüdigkeit vorhält, kann ihnen schließlich zeigen, wie Kriegsbegeisterung in der Praxis aussieht.
Bleiben Sie also einfach da, Herr Bundeskanzler! Zeigen Sie uns, wie attraktiv die Kriegswirtschaft und ihre wunderbaren Produkte sind, deren weitere Finanzierung Sie den Deutschen zumuten. Demonstrieren Sie persönlich jenen Kampfgeist, den Sie in der Heimat vermissen. Und wenn es Ihnen nach einigen Tagen zwischen Drohnenalarm, Schützengraben und Einschlägen doch weniger gut gefällt als bei Selenskyj im Präsidentenpalast, könnte diese Erfahrung sogar politisch ausgesprochen lehrreich sein. Vielleicht klänge das Wort „Kriegsmüdigkeit“ danach ein wenig anders.
Also, Fritz: Schluss mit dem Gejammer – und auf in den Kampf! Die Deutschen dürfen gespannt sein, wie lange die Begeisterung anhält, wenn zwischen der eigenen Kriegsrhetorik und dem Krieg plötzlich keine gepanzerte Limousine mehr steht.
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