Merkel erhält Caritas-Preis – Bosetti hält die Laudatio

(David Berger)  Die Caritas zeichnet Angela Merkel für „Menschlichkeit“ und „Miteinander“ aus und lässt die Laudatio von Sarah Bosetti halten, deren Blinddarm-Metapher zu den hässlichen Begleiterscheinungen der Corona-Zeit gehörte und die sich entschlossen zeigte, Merkel ins Bundeskanzleramt zurückzuholen. Zugleich gehört die Caritas zu den großen Akteuren der staatlich finanzierten Migrationsberatung und trat während der Pandemie für eine allgemeine bußgeldbewehrte Impfpflicht ein.

Der Caritasverband für die Diözese Augsburg verleiht Angela Merkel seinen nach der heiligen Elisabeth von Thüringen benannten Preis und würdigt ihre „herausragenden Verdienste“ um „Solidarität, Verantwortung und ein respektvolles Miteinander“. Die frühere Bundeskanzlerin nahm die Auszeichnung am 25. September im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses entgegen. Bischof Bertram Meier und Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa waren dabei. Ausgezeichnet werde, so die Caritas, Merkels „Haltung“. Die Laudatio hielt Sarah Bosetti.

Merkel steht allerdings nicht nur für eine persönliche „Haltung“, sondern für politische Entscheidungen, deren fatale Folgen Deutschland bis heute beschäftigen. Das gilt insbesondere für die Migrationspolitik seit 2015, die für Deutschland zunehmend zu einer humanen Katastrophe wird. Wenn ein katholischer Wohlfahrtsverband diese höchst umstrittene Politik nachträglich in die höheren Sphären von Menschlichkeit, Solidarität und christlicher Haltung erhebt, zeit das, wie tief er gesunken ist.

Ausgerechnet Sarah Bosetti

Besonders eigenartig ist die Wahl der Laudatorin. Die Caritas erklärt selbst, die heilige Elisabeth habe Menschen ihre Wertschätzung „ohne Vorbehalt und Einschränkung“ entgegengebracht. Sarah Bosetti fiel während der Corona-Zeit hingegen nicht gerade durch besondere Sensibilität gegenüber denjenigen auf, die sich der vorherrschenden Politik widersetzten. Berühmt-berüchtigt wurde ihre Blinddarm-Metapher, mit der sie Ungeimpfte als „ziemlich weit rechts und ziemlich weit unten“ beschimpfte, um sie  dann mit einem Blinddarm, der für das Überleben des Gesamtkomplexes nicht essentiell sei, zu vergleichen.

Auch die Caritas selbst hat in der Corona-Zeit alles andere als einen zur hl. Elisabeth passenden Ton angeschlagen. Der Deutsche Caritasverband erklärte die Impfung zum „Ausdruck solidarischer Nächstenliebe“, unterstützte die einrichtungsbezogene Impfpflicht und forderte im Dezember 2021, bei Nichterreichen einer Impfquote von 95 Prozent die Durchsetzung einer „allgemeinen bußgeldbewehrten Impfpflicht“ nicht länger aufzuschieben. Noch im März 2022 bezeichnete er die einrichtungsbezogene Impfpflicht ausdrücklich als „nicht ausreichend“. Ein katholischer Wohlfahrtsverband befürwortete damit staatliche Sanktionen gegen Menschen, die sich einer medizinischen Maßnahme nicht unterziehen wollten, und versah diese Position zugleich mit dem moralischen Gütesiegel der Nächstenliebe. Dass nun ausgerechnet Bosetti bei einer Caritas-Veranstaltung über Menschlichkeit und Zusammenhalt sprechen darf, passt natürlich zum dunklen Gesamtbild.

Flüchtlingsindustrie als wichtiger Gewinnfaktor

Die Migration hat einen großen Komplex aus Beratungsstellen, Projekten, Beschäftigten und enormer staatlicher Finanzierung hervorgebracht, an dem die Wohlfahrtsverbände maßgeblich beteiligt sind. Nach Angaben der Caritas stiegen allein die bundesweit verfügbaren Mittel für die Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte von 26,3 Millionen Euro im Jahr 2014 auf 77,5 Millionen Euro im Jahr 2024. Die Caritas unterhält in diesem Bereich rund 300 Standorte mit ungefähr 500 Mitarbeitern. Als Kürzungen drohten, warnte Caritas-Präsidentin Welskop-Deffaa ausdrücklich davor, dass Stellen nicht mehr finanziert werden könnten. Schon 2018 berichteten wir, dass die Caritas sich immer mehr zum Ticket-Provider für Flüchtlinge zu entwickeln scheint: So finanzierte sie damals einem der gewalttätigsten Allahu-Akbar-Terroristen das Ticket, mit dem er entkommen konnte.

Die Caritas ist zudem politischer Interessenvertreter, hetzt in diesem Zusammenhang nicht nur regelmäßig gegen die einzige Partei, die noch halbwegs katholische Werte verteidigt, sondern setzt sich auch dafür ein, die Zuständigkeit des Bundes für die Migrationsberatung stärker gesetzlich zu verankern und perspektivisch einen Anspruch darauf festzuschreiben.

Aufschlussreich war Bosettis Satz, Merkel bekomme diesen Preis für das, „wofür sie am meisten gehasst wird“. Damit wird politische Kritik beinahe unmerklich moralisiert. Wer Merkels Migrationspolitik ablehnt, hat sie offenbar nicht aufgrund politischer Argumente kritisiert, sondern „gehasst“. Dabei kann man diese Politik wegen ihrer Auswirkungen auf Kommunen, Wohnungsmarkt, Schulen, Sozialstaat, innere Sicherheit oder Integration ablehnen, ohne deshalb von Hass auf Migranten oder Angela Merkel erfüllt zu sein. Gerade ein katholischer Verband sollte sich davor hüten, politische Präferenzen mit christlicher Nächstenliebe gleichzusetzen und so das Christentum für nieder politische Interesse zu instrumenalisieren.

Den einsamen Höhepunkt des Abends aber lieferte Bosetti, als sie wissen ließ: „Wir haben es jetzt eine Weile mit einem Mann als Bundeskanzler versucht – ganz ehrlich: Hat nicht geklappt“, sagte Bosetti – und Merkel als Spitzenkandidatin für die nächste Bundestagswahl vorschlug.

Die heilige Elisabeth als Kulisse

Caritas bedeutet Liebe zum konkreten Menschen, daher eben so gar nicht nicht Zustimmung zu Merkels Migrationspolitik, nicht Unterstützung einer staatlichen Impfpflicht und schon gar nicht die Einteilung der Gesellschaft in wertvolle und vermeintlich entbehrliche Teile.  Die heilige Elisabeth brauchte weder eine staatlich festgelegte Impfquote noch die richtige politische Gesinnung, bevor sie einem Menschen half. Wer einen Preis nach ihr benennt, Angela Merkel zur Verkörperung gesellschaftlicher Menschlichkeit erhebt und Sarah Bosetti die Laudatio halten lässt, hat sich daher längst vom Christentum verabschiedet und ist zu einer linken NGO geworden, die für Geldgier, Hetze und Hass statt für echte Nächstenliebe, im lateinischen „caritas“ steht.

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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