
(David Berger) In einem Interview mit dem amerikanischen Journalisten Michael J. Matt in Rom am 24. Oktober 2026 erhebt Weihbischof Athanasius Schneider schwere Vorwürfe gegen die europäische Migrationspolitik und die Haltung des Vatikans zur Islamisierung Europas. Politische Eliten hätten die Masseneinwanderung über Jahrzehnte gezielt gefördert, während kirchliche Verantwortliche diesen Prozess religiös legitimierten, statt Muslime zu evangelisieren. Auch die Zurückweisung traditionsverbundener Pilger am Petersdom bezeichnet Schneider als „pastorale Grausamkeit“.
Mit ungewöhnlicher Schärfe hat Weihbischof Athanasius Schneider die europäische Migrationspolitik und die Haltung führender Kirchenvertreter gegenüber dem Islam kritisiert. In einem am Samstagabend in Rom geführten Interview mit Michael J. Matt, dem Herausgeber der traditionskatholischen Zeitung The Remnant, sprach der aus Kasachstan stammende Bischof von einer seit Jahrzehnten betriebenen Islamisierung Europas, für die er die politischen Eliten verantwortlich machte.
Auch den Vatikan nahm er von seiner Kritik nicht aus. Dessen Verantwortliche hätten sich den politischen Zielsetzungen europäischer Regierungen angenähert und dabei den eigentlichen Auftrag der Kirche, die Verkündigung Jesu Christi, vernachlässigt. Das Gespräch fand am Rande der internationalen Wallfahrt „Summorum Pontificum“ statt, deren Teilnehmer in diesem Jahr nicht wie gewohnt gemeinsam in den Petersdom einziehen durften.
„Wenn der Kaiser nackt ist, braucht man keine Beweise“
Ausgangspunkt war eine Frage Matts nach dem zunehmenden Einfluss des Islam in Europa. Der Journalist erinnerte an die Warnung eines Trappistenpaters aus den 1970er-Jahren, der den Aufstieg des Islam als mögliche göttliche Züchtigung für das vom Glauben abgefallene Abendland vorausgesagt habe. Schneider erklärte, die gewaltsamen Ausschreitungen in europäischen Ländern zeigten, wie weit die Islamisierung bereits fortgeschritten sei. Die politische Führung Europas habe diese Entwicklung über Jahrzehnte gezielt gefördert, indem sie insbesondere die Einwanderung aus islamisch geprägten Ländern begünstigt habe. Auf den Einwand, dass solche Behauptungen regelmäßig als Verschwörungstheorien zurückgewiesen würden, reagierte Schneider mit einer provokanten Formulierung: „Wenn der Kaiser nackt ist, braucht man keine Beweise. Haltet uns nicht für Narren!“ Konkrete Nachweise für eine koordinierte Strategie europäischer Regierungen führte er im Gespräch nicht an.
Noch weiter ging Schneider bei seiner Einschätzung gewaltsamer Ausschreitungen. Er äußerte den Verdacht, dass einzelne Regierungen solche Vorgänge zumindest teilweise duldeten, obwohl sie über ausreichende Mittel verfügten, um sie zu unterbinden. Die dadurch entstehende Unsicherheit könne dazu dienen, die einheimische Bevölkerung und insbesondere Christen einzuschüchtern. Auch diese Vermutung blieb unbelegt. Schneider forderte strengere Gesetze zum Schutz der Bevölkerung und eine deutliche Begrenzung der Einwanderung. Seine Bewertung fasste er in einem Satz zusammen: „Das ist keine Einwanderung, das ist eine Invasion.“ Zugleich rief er zu friedlichem Widerstand gegen Einschüchterung und Gewalt auf.
Schneider wirft dem Vatikan Zusammenarbeit mit linken politischen Eliten vor
Besonders schwer wiegen Schneiders Vorwürfe gegen führende Verantwortliche im Vatikan. Er vermute eine Zusammenarbeit zwischen vatikanischen Stellen und europäischen politischen Eliten, die der Migration höchste Priorität einräumten. Diese benötigten die moralische Autorität der Kirche, um ihre Politik religiös zu legitimieren. Der Vatikan liefere ihnen die entsprechende Unterstützung, indem er vor allem auf Nächstenliebe und die Verpflichtung zur Aufnahme von Bedürftigen verweise, ohne die langfristigen Folgen für die christliche Prägung Europas ausreichend zu berücksichtigen.
Schneider sprach von einem Missbrauch christlicher Begriffe. „Auch der Teufel kennt die Heilige Schrift sehr gut“, erinnerte er und verwies darauf, dass selbst biblische Worte zur Rechtfertigung fragwürdiger Entscheidungen herangezogen werden könnten. Manche Verantwortliche im Vatikan ließen sich nach seiner Einschätzung täuschen, andere unterstützten die Entwicklung zumindest teilweise. Dadurch begünstige der Heilige Stuhl einen Prozess, der die christliche Präsenz in Europa langfristig schwächen werde. Seine Vorwürfe formulierte Schneider als persönliche Einschätzung; Belege für eine bewusste politische Zusammenarbeit legte er nicht vor.
Die eigentliche Aufgabe des Vatikans bestehe allerdings nicht darin, die Migrationspolitik europäischer Regierungen zu bestimmen. Vielmehr müsse die Kirche ihren Missionsauftrag wieder ernst nehmen. Die Anwesenheit zahlreicher Muslime in Europa stelle eine Herausforderung zur Evangelisierung dar, der sich die Bischöfe nicht entziehen dürften.
Schneider forderte die europäischen Bischöfe ausdrücklich dazu auf, Muslime zum katholischen Glauben einzuladen. Eine solche Evangelisierung müsse selbstverständlich ohne Zwang oder Gewalt geschehen, sondern aus christlicher Liebe. Die Kirche habe den Auftrag, allen Menschen Jesus Christus als den einzigen Weg des Heils zu verkünden. Scharf kritisierte er kirchliche Vertreter, die den Islam lediglich als eine weitere monotheistische Religion würdigten und dabei den Eindruck erweckten, eine Bekehrung zum christlichen Glauben sei nicht notwendig.
„Jesus Christus hat nicht gesagt: Geht hinaus, verkündet das Evangelium und tauft alle Völker – außer den Juden und den zukünftigen Muslimen.“ Wer auf die Verkündigung Christi gegenüber Nichtchristen verzichte, versäume nach Schneiders Überzeugung eine zentrale Pflicht seines bischöflichen Amtes. Seine Warnung fiel entsprechend ernst aus: „Diese Hierarchen werden sich beim Gericht des Herrn sehr ernsthaft für diesen Verrat am Evangelium verantworten müssen.“
„Eine pastorale Grausamkeit“ gegenüber traditionsverbundenen Katholiken
Neben der Islamisierung Europas stand die internationale Wallfahrt „Summorum Pontificum“ im Mittelpunkt des Gesprächs. Schneider hatte zuvor in der überfüllten Basilika Santa Maria Maggiore eine Pontifikalmesse im überlieferten römischen Ritus gefeiert. Dass den zahlreichen Pilgern, darunter viele junge Menschen und Familien, der gemeinsame Einzug in den Petersdom verwehrt worden war, obwohl sie dort lediglich beten und das Credo singen wollten, empörte den Weihbischof zutiefst.
„Das ist eine unerhörte Grausamkeit, eine pastorale Grausamkeit – mitten in einer solchen Inflation von Worten über Synodalität und die Inklusion aller.“ Ausgerechnet Katholiken, die ihre Liebe zum Papst und zur Kirche ausdrücklich bekundeten, würden behandelt, „als wären sie Aussätzige, als wären sie gefährlich“. Schneider sah darin den Höhepunkt einer Entwicklung, die mit dem Motu proprio Traditionis custodes von Papst Franziskus begonnen habe. Die dort verfügten Einschränkungen zielten nach seiner Interpretation langfristig auf das Verschwinden der überlieferten Liturgie: „Das bedeutet mit anderen Worten: Die traditionelle lateinische Messe muss sterben und ausgelöscht werden.“
Papst Leo XIV. wollte Schneider für die Ereignisse nicht persönlich verantwortlich machen. Auf Matts entsprechende Frage erklärte er: „Ich würde sagen, dass es nicht der Papst war, der dies verhindert hat. Mein Eindruck ist, dass er es nicht getan hat, sondern offensichtlich der vatikanische Apparat.“ Schneider wünschte sich deshalb, dass Leo XIV. die traditionsverbundenen Gläubigen persönlich empfange und ihnen seine väterliche Verbundenheit zeige.
„Wenn unsere Mutter leidet, verlassen die Kinder nicht das Haus“
Zum Abschluss sprach Matt die Enttäuschung vieler traditionsverbundener Katholiken an, die sich angesichts der kirchlichen Entwicklungen zunehmend von Rom entfremdet fühlten. Schneider warnte davor, sich aus Bitterkeit vom Papsttum oder gar von der Kirche abzuwenden. Gerade in einer schweren Krise müsse die Treue zur Kirche Bestand haben, auch wenn ihre menschlichen Repräsentanten versagten. „Wenn eine Mutter in Schwierigkeiten und Bedrängnis ist, wenn die Hände unserer Mutter gefesselt sind, dann verlassen die Kinder nicht das Haus.“ Stattdessen müssten die Gläubigen bleiben, beten und Opfer bringen, bis Gott selbst eingreife.
Schneider erinnerte an das biblische Bild vom Sturm auf dem See Genezareth. Auch heute scheine Christus bisweilen im Schiff der Kirche zu schlafen, doch er sei gegenwärtig und werde sich eines Tages erheben, um dem Sturm Einhalt zu gebieten. Die Gläubigen sollten deshalb ihre Liebe zur römisch-katholischen Kirche, zum Papsttum und zu Leo XIV. erneuern, ohne dabei zu vergessen, dass die Kirche nicht das Eigentum ihrer jeweiligen Amtsträger sei. „Die Päpste sind nur sehr kurzzeitige Stellvertretergestalten. Ich betone es: Der Wichtigste ist Jesus Christus.“
So verband Schneider seine Kritik an der europäischen Migrationspolitik und am Umgang mit dem Islam mit einer grundsätzlichen Forderung nach einer Rückbesinnung der Kirche auf ihren Missionsauftrag. Nicht die Anpassung an politische Programme, sondern die Verkündigung Christi müsse wieder im Mittelpunkt stehen. Seine letzten Worte brachten diese Haltung auf den Punkt: „Das ist die Lösung. Wir halten uns an ihn. Der Herr ist mit uns. Er ist im Boot. Er ist in unserem Herzen. Er ist in der Kirche.“
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