Einsatzorte, Uhrzeiten, Waffen: Was Koçak über Anti-Clan-Razzien wissen wollte

Die Affäre um den Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak und seine Kontakte in die Remmo-Familie bekommt nun täglich eine neue noch skandalösere Dimension. Denn bereits als Abgeordneter im Berliner Abgeordnetenhaus interessierte sich Koçak gemeinsam mit seinem Fraktionskollegen Niklas Schrader auffallend detailliert für Polizeieinsätze gegen sogenannte Clankriminalität.

Eine schriftliche Anfrage vom 25. Februar 2022 zeigt, wie weit dieses Interesse ging. Die beiden Linken-Politiker (Schrader sitzt für seine Fraktion in den Ausschüssen für Inneres, Sicherheit, Ordnung und für Verfassungsschutz!) wollten vom Berliner Senat unter anderem wissen, an welchen Orten, an welchen Tagen und zu welchen Uhrzeiten entsprechende Polizeieinsätze stattgefunden hatten, welche Behörden und Einheiten daran beteiligt waren und wie viele Einsatzkräftestunden jeweils anfielen. Selbst die Bewaffnung der Beamten war Gegenstand der Anfrage: Gefragt wurde ausdrücklich, bei welchen Einsätzen Polizisten Maschinenpistolen oder andere Schnellfeuerwaffen offen getragen hatten und welche Gefahrenprognose dies jeweils gerechtfertigt habe. Der Senat teilte in seiner Antwort mit, dass im abgefragten Zeitraum 46 entsprechende Einsätze stattgefunden hätten.

Wie weit geht die linke Sympathie für die Clankriminalität?

Parlamentarische Anfragen gehören selbstverständlich zum Kontrollrecht von Abgeordneten. Für sich genommen beweist die Anfrage daher keinerlei unzulässiges Verhalten. Doch im Licht der jüngsten Vorgänge erhält sie eine politische Brisanz, die sich kaum wegdiskutieren lässt. Denn inzwischen wurde bekannt, dass Koçak mit einem Sohn von Issa Remmo Nachrichten ausgetauscht hatte. Koçak erklärte wenig glaubwürdig, ihm sei zunächst nicht bekannt gewesen, mit wem er kommunizierte, bezeichnete den Kontakt dann als Fehler und entschuldigte sich. Nach Bekanntwerden der Vorgänge zog er sich vorläufig aus der Öffentlichkeit zurück und nimmt bis zur Herstellung „vollumfänglicher Transparenz“ auch nicht mehr an den Sitzungen des Innenausschusses des Bundestages teil. Insider gehen davon aus, dass Koçak in typisch linker Manier einfach hofft, dass der Skandal bald vergessen ist und er sein Treiben im Bundestag mit der für ihn typischen Chuzpe fortsetzen kann.

Hinzu kommt ein krasser politischer Kontrast: Noch im Januar 2026 hatte Koçak im Bundestag den Begriff „Clankriminalität“ scharf angegriffen und erklärt, dieser kriminalisiere Menschen aufgrund ihres Nachnamens. Die Debatte darüber bezeichnete er als „hysterische Dauerdebatte“. Damit drängen sich Fragen auf, die Die Linke nun beantworten muss: Warum interessierten sich Koçak und Schrader derart detailliert für die operative Durchführung von Anti-Clan-Einsätzen? Welchem konkreten parlamentarischen Zweck dienten insbesondere die Fragen nach Einsatzorten, Uhrzeiten, beteiligten Einheiten und Bewaffnung? Und vor allem: Kann Koçak zweifelsfrei ausschließen, dass Informationen aus seinen parlamentarischen Anfragen oder den Antworten des Senats jemals Personen aus dem Umfeld einschlägiger Großfamilien zugänglich gemacht wurden?

***

Wir verzichten auf Paywall und aufdringliche Pop-Ups – Bitte vergessen Sie uns trotzdem nicht: Ohne Ihre Hilfe kann hier kein einziger Satz erscheinen:

PAYPAL (Stichwort Schenkung)

Oder per Überweisung auf

David Berger, IBAN: DE44 1001 0178 9608 9210 41 – BIC REVODEB2 – Stichwort: Schenkung

ÜBERWEISUNG (Stichwort: Schenkung)


Entdecke mehr von Philosophia Perennis

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

Trending

VERWANDTE ARTIKEL