(David Berger) Nach dem tödlichen Schusswaffenangriff in Krakau richten sich die Fragen zunehmend auf die Biografie und die politische Orientierung des Tatverdächtigen. In sozialen Medien und einzelnen Veröffentlichungen wird behauptet, der 24-jährige Pole habe auf ukrainischer Seite gekämpft und kommunistische beziehungsweise „Antifa“-nahe Positionen vertreten. Belastbare Nachweise dafür liegen bislang nicht vor. Um hier die Deutungshoheit zu behalten, tischt das Tusk-Lager eine ganz andere Version auf. Die Behauptungen werden öffentlich verbreitet und prägen bereits die Diskussion über den Anschlag.
Die polnischsprachige Publikation Goniec greift ausdrücklich Hinweise darauf auf, dass der Tatverdächtige „als Söldner in der Internationalen Legion in der Ukraine gedient“ hat – so die deutsche Übersetzung der betreffenden Passage. Der Bericht dokumentiert damit einen konkrete Hinweis über seine mögliche militärische Vergangenheit. Unter mehreren Hinweisen auf kommunistische Sympathien bzw. eine nähe zur Tarnorganisation „Antifa“ findet sich ein konkretes Fundstück: Ein im Netz verbreiteter Screenshot zeugt einen unter dem Namen des Tatverdächtigen veröffentlichten Kommentar. Auf eine Anspielung auf das „rote Licht des Kommunismus“ folgt dort die Antwort „przekaz podprogowy XD“, auf Deutsch etwa „unterschwellige Botschaft XD“.
Antifa, Neonazis und die Ukraine

Tusks linker Innenminister Marcin Kierwiński brachte seinerseits eine andere politische Einordnung ins Spiel, die sofort in den sozialen Netzwerken verbreitet wurde: Erste Erkenntnisse deuteten angeblich darauf hin, dass der Tatverdächtige von rechtsextremen Ideologien fasziniert gewesen sein könnte, was seinen Einsatz für die Ukraine erklären könnte und zu der Antifa-Nähe nicht unbedingt einen Widerspruch darstellt. Auch die „Antifa“ in Deutschland tritt gegen Pazifistendemos immer als Sympathisant der von Neonazis unterwanderten Ukraine und des Krieges gegen Russland auf (siehe Foto l.). Zugleich betonte der Minister, dieser Ermittlungsansatz müsse eingehend überprüft werden. Auch diese Einschätzung ist somit vorläufig.
Gesichert ist, dass bei dem Angriff am 7. November im Zentrum Krakaus sechs Menschen getötet und nach Angaben der Stadt 15 verletzt wurden. Der Angreifer wurde von Polizisten angeschossen und festgenommen. Welche Überzeugungen ihn tatsächlich antrieben und ob er über militärische Erfahrungen verfügte, bleibt Gegenstand der Ermittlungen.
Ein Mahnmal gegen die Kriegstreiber?
Vielleicht liegt auch eine Antwort auf das, was hier geschehen ist, auf einer ganz anderen Ebene: Sollte sich bestätigen, dass der junge Mann in der Ukraine gekämpft und die Schrecken dieses Krieges erlebt hat, stellt sich auch die Frage nach möglichen seelischen Verwundungen. Ob solche Traumata dazu beitrugen, dass er auf fremde Menschen und seine eigene Familie schoss, ist bislang ungeklärt. Eine Erklärung wäre keine Entschuldigung, könnte aber helfen, den Weg in diese entsetzliche Gewalt zu verstehen. Kriege hinterlassen Wunden, die weit über die Front hinausreichen. An die politisch Mächtigen, gerade auch in Polen, richtet sich deshalb der dringende Appell, mit aller Kraft auf ein Ende des Schlachtens und einen möglichst raschen Friedensschluss hinzuwirken.
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