Volle Hallen, gute Gespräche: Ein Samstag auf der Buchmesse „SeitenWechsel“

Lange Schlangen vor dem Eingang, ein interessiertes Publikum an den Ständen und viel Zuspruch für Gespräche und Livesendungen: Die zweite Buchmesse „SeitenWechsel“ in Halle zeigte am Samstag, wie groß das Interesse an einem Buchangebot jenseits des etablierten Literaturbetriebs ist. Ich war selbst vor Ort – auch beim Kopp-Verlag, bei dem im Januar mein neues Buch erscheint.

Wer am Samstag zur Buchmesse „SeitenWechsel“ nach Halle kam, musste zunächst Geduld mitbringen. Vor dem Eingang warteten zahlreiche Besucher auf Einlass. Das Lokalportal „Du bist Halle“ berichtete von Wartezeiten bis zu eineinhalb Stunden. Erst die Öffnung eines zweiten Eingangs habe die Lage entspannt. Ein Auftakt, der deutlich machte: Das Interesse an der zweiten Ausgabe dieser Messe war erheblich. Bereits am Samstag sprachen Insider vor Ort von rund 5.000 Besuchern. Eine vorläufige Angabe, keine abschließende offizielle Zählung – aber sie passte zum sichtbaren Andrang. Die Berliner Zeitung meldete zudem 10.000 verkaufte Tickets für das gesamte Wochenende sowie eine zusätzliche Halle gegenüber der Premiere.

Hinter der Messe steht das Dresdner BuchHaus Loschwitz von Susanne Dagen und Michael Bormann. Ihr erklärtes Anliegen ist es, kritischen Stimmen, freiheitlichen Gedanken und oppositionell konservativen Positionen eine Bühne zu geben. Am Samstag ließ sich erleben, dass dafür ein Publikum vorhanden ist, das die unmittelbare Begegnung mit Autoren und Verlegern sucht. Denn eine Buchmesse lebt von dem, was zwischen den angekündigten Veranstaltungen geschieht: vom Gespräch am Stand, vom Blättern in einer Neuerscheinung, von einer Nachfrage beim Autor. Gerade diese Möglichkeit, sich selbst ein Bild zu machen, gehört zum Reiz von „SeitenWechsel“. Bücher, über die andernorts häufig vor allem geurteilt wird, liegen hier auf dem Tisch und können gelesen, diskutiert und gekauft werden.

Zu den Höhepunkten meines Samstags gehörte ein Talk mit Raymund Unger. Die große Halle war voll belegt, wer zu spät kam, konnte kaum mehr einen Blick auf das Podium erheischen. Hier ein kurzer Einblick:

Solche Begegnungen machen den besonderen Wert einer Publikumsmesse aus: Ein Autor wird als Gesprächspartner erlebbar, seine Gedanken können über den Buchdeckel hinaus wirken. Ein weiterer Höhepunkt waren die Livesendungen des Kontrafunks. Das Radio war unmittelbar auf der Messe präsent und verband das Geschehen vor Ort mit seinem Publikum. Für die Besucher bot sich die Gelegenheit, vertraute Stimmen einmal bei ihrer Arbeit zu erleben. Zusammen mit den Gesprächen und Buchvorstellungen trugen die Sendungen zum lebendigen Charakter des Messetages bei.

Für mich hatte der Rundgang außerdem einen persönlichen Anlaufpunkt: den Stand des Kopp-Verlags. Dort erscheint im Januar mein neues Buch. Der Besuch war deshalb auch eine Begegnung mit dem Verlag, mit dem mich demnächst ein eigenes publizistisches Projekt verbindet.

Vor dem Gelände gab es auch Protest und die obligatorischen Fotografen aus der linksradikalen Szene. Die Gruppe der „Omas gegen Rechts“, die ich am Samstag vor Ort sah, bestand aus nicht einmal zehn etwas armselig, weil nicht beachteten Personen, die schamvoll ihre Schilder vors Gesicht hielten, als ich ein Foto mit ihnen macjhte.

Mein Eindruck dieses Samstags: „SeitenWechsel“ hat ein Publikum erreicht, das Bücher entdecken, Autoren begegnen und miteinander diskutieren will. Wie groß der Erfolg der zweiten Ausgabe insgesamt ausfällt, wird die Schlussbilanz zeigen. Der Samstag lieferte dafür bereits ein deutliches Zeichen: Die Menschen kamen in Massen– und sie brachten Interesse an Büchern und alternativen Medien in einer Größenordnung mit, die die Angst der etablierten Medien vor dem Ende ihrer Narrative sehr gut verständlich macht. Mit ihrer zweiten Ausgabe dürfte sich die Buchmesse „SeitenWechsel“ fest etabliert haben und aus der Messe- und Publikationslandschaft kaum noch wegzudenken sein.

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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