
Noch bevor das Motiv des mutmaßlichen Täters von Krakau geklärt war, stellte Polens Innenminister Marcin Kierwiński einen rechtsextremen Hintergrund öffentlich in den Raum. Die politische Zuschreibung war damit gesetzt, wurde begierig von interessierten Kreisen aufgenommen. Nun berichtet die polnische Tageszeitung „Rzeczpospolita“ über Hinweise aus Polizeikreisen, die in eine andere Richtung weisen.
In ihrem am Sonntagnachmittag aktualisierten Bericht schreiben die Journalistinnen Izabela Kacprzak und Grażyna Zawadka, ein Polizist habe Spuren gefunden, die auf ultralinke Ansichten des Verdächtigen hindeuteten. Dabei gehe es um Aufnahmen, auf denen er mit Fahnen posiere. Dabei geht es vermutlich um die Regenbogen- und Antifa-Fahnen. Die Zeitung beruft sich auf Gespräche innerhalb der Krakauer Polizei. Damit stammen Hinweise auf einen möglichen linksradikalen Hintergrund inzwischen auch aus Polizeikreisen. Die Recherche der renommierten „Rzeczpospolita“ verleiht dieser Spur zusätzliches Gewicht.
Der Innenminister muss sich nun fragen lassen, weshalb er einen rechtsextremen Hintergrund so früh öffentlich hervorhob – und welche konkreten Erkenntnisse dafür vorlagen. Ein politisches Etikett ist schnell vergeben. Die Öffentlichkeit hat Anspruch auf die Belege.
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