Krieg, Wut und Verrat: Wie Donald Trump seine eigene Bewegung zerreißt

(David Berger) Mit scharfen Angriffen auf frühere Verbündete verschärft der unter extremem Druck stehende Donald Trump den Streit um seine Iran-Politik – und treibt damit einen Keil tief in die eigene MAGA-Bewegung. Während Kritik aus den eigenen Reihen wächst, warnen Beobachter wie Jan A. Karon vor einer gefährlichen Entfremdung zwischen Regierung, Basis und Bevölkerung.

Mitten in der angespannten Lage rund um den Krieg mit Iran hat Präsident Donald Trump einen offenen Konflikt innerhalb seines eigenen politischen Lagers ausgelöst. In scharfen Worten attackierte er ehemalige Unterstützer aus der MAGA-Bewegung („Make America Great Again“), die seine Iran-Politik zunehmend kritisieren.

Auslöser der Eskalation ist die wachsende Skepsis gegenüber Trumps Vorgehen im Konflikt mit Teheran. Während seine Regierung den jüngst verkündeten Waffenstillstand als Erfolg darstellt, bleiben viele Fragen zu dessen Stabilität und tatsächlicher Wirkung offen. Gleichzeitig wächst im Inland – auch unter Republikanern – die Sorge über eine mögliche weitere militärische Eskalation. Besonders bemerkenswert ist, dass sich die Kritik nicht mehr nur auf politische Gegner beschränkt. Auch prominente Stimmen aus dem konservativen Lager und der eigenen Anhängerschaft äußern Zweifel am Kurs des Präsidenten. Einige werfen ihm vor, seine ursprünglich angekündigte außenpolitische Zurückhaltung aufgegeben zu haben.

Niedriger IQ und keine Chance bei den Mainstreammedien?

Trump reagierte darauf mit ungewöhnlicher Härte: Kritiker aus den eigenen Reihen bezeichnete er öffentlich als illoyal und stellte ihre Zugehörigkeit zur MAGA-Bewegung infrage. Hier ein Ausschnitt, was er bezüglich Tucker Carlson, Megyn Kelly, Candace Owens and Alex Jones schreibt:

„Sie haben eines gemeinsam: einen niedrigen IQ. Es sind dumme Leute, sie wissen es, ihre Familien wissen es, und alle anderen wissen es auch! Schaut euch ihre Vergangenheit an, schaut euch ihre Bilanz an. Sie haben nicht das Zeug dazu, und das hatten sie noch nie! Sie wurden alle aus dem Fernsehen geworfen, haben ihre Sendungen verloren und werden nicht einmal mehr ins Fernsehen eingeladen, weil sich niemand für sie interessiert – sie sind VERRÜCKTE, UNRUHESTIFTER und sagen alles, was nötig ist, um etwas ‚kostenlose‘ und billige Publicity zu bekommen. Jetzt glauben sie, sie bekämen ein paar „Klicks“, weil sie drittklassige Podcasts haben, aber niemand redet über sie, und ihre Ansichten sind das Gegenteil von MAGA – sonst hätte ich die Präsidentschaftswahl nicht mit einem ERDRUTSCHSIEG gewonnen.“

Carlson „sollte sich mal einen guten Psychiater suchen“, Owens sei „verrückt“, Jones sei jemand, der „einige der dümmsten Dinge“ sage, und Kelly habe ihn „auf unangenehme Weise“ auf seine früheren Äußerungen über die Komikerin Rosie O’Donnell angesprochen.

Vorwürfe, dies sei hier am Rande erwähnt, die genauso von Antifa-Politikern gegen die neuen Medien in Deutschland kommen könnten bzw. schon gekommen sind.

Der Konflikt entzündet sich an Trumps Vorgehen im Krieg gegen Iran, der seit Monaten internationale und innenpolitische Kontroversen auslöst. Zwar konnte zuletzt ein fragiler Waffenstillstand erreicht werden, doch dessen Bedingungen sind unklar, und beide Seiten werfen sich Verstöße vor. Zudem kritisieren Gegner – und zunehmend auch frühere Verbündete –, dass Trumps aggressive Rhetorik und militärische Entscheidungen das Risiko einer weiteren Eskalation erhöhen könnten. Bereits zuvor hatten selbst Unterstützer seine drastischen Drohungen gegen Iran als politisch und moralisch problematisch bezeichnet.

„Entkoppelt, delulu und realitätsfern“

Der renommierte Journalist und Buchautor Jan A. Karon spricht angesichts dieser Äußerungen von Trump von einer massiven Entfremdung zwischen Regierung und Bevölkerung. Er beschreibt das Vorgehen als „derart entkoppelt, delulu und realitätsfern“, dass es kaum noch nachvollziehbar sei. Besonders betont er die breite Ablehnung in westlichen Gesellschaften. Trumps Krieg werde „nicht nur massiv unbeliebt, sondern […] als regelrechter Wählerverrat und psychotischer Einzelgang wahrgenommen“, mit Zustimmungswerten, die „teilweise im Verhältnis von 7:1 abgelehnt“ würden.

Auch innerhalb der eigenen politischen Bewegung sieht Karon gravierende Folgen. Die MAGA-Anhängerschaft habe geglaubt, einem „nicht-interventionistischen Friedenspräsidenten“ zu folgen – stattdessen führe Trump nun einen „hybriden Krieg (im Sinne von Hybris)“, der zur Belastung für die Bewegung werde.

Ein zentraler Kritikpunkt ist die wirtschaftliche Auswirkung auf die US-Bevölkerung. Karon argumentiert, der Krieg „schadet der eigenen Bevölkerung und der Arbeiterschicht massiv“ und untergrabe Trumps Versprechen, den Durchschnittsamerikaner zu vertreten. Steigende Energiepreise, höhere Benzinkosten und fallende Aktienmärkte seien direkte Folgen. Zudem verweist er auf politische Spannungen im eigenen Lager: Figuren wie JD Vance würden vermeiden, Verantwortung für den Krieg zu übernehmen. Gleichzeitig kritisiert Karon Trumps Kommunikation scharf, insbesondere die Angriffe auf vermeintliche Gegner wie Candace Owens oder „Radical Left“, während die Kritik längst aus breiteren konservativen Kreisen komme.

Abschließend fällt sein Urteil vernichtend aus: Trump sei „weit mehr als nur die Karikatur eines Politikers“, sondern ein „reiner Sellout“, der seine eigene politische Legacy in kurzer Zeit massiv beschädigt habe und nun politisch geschwächt in Richtung der nächsten Wahlen gehe.

MAGA oder Trump: wer hat sich verändert?

Inzwischen hat sich auch die bekannte MAGA-Politikerin Marjorie Taylor Greene zu Wort gemeldet: „Präsident Trump ist verrückt geworden, während er Krieg gegen den Iran führt, ein gebrochenes Wahlkampfversprechen. Ich habe an der Seite von Tucker Carlson, Megyn Kelly, Candace Owens und Alex Jones gekämpft, um Trump ins Amt zu bringen. Und jetzt lässt er in einem einzigen Beitrag eine wirre Tirade gegen uns alle los. Wir haben uns nie verändert, Trump hat es getan.“

Und Milo Yiannopoulos (Foto l. bei seinem Auftritt in Berlin) mit einem Satz, den wir hier lieber gar nicht erst übersetzen, der aber zeigt, wie die derzeitige Stimmung im MAGA-Lager ist: „Alex Jones bled for that motherfucker. Lost his company. Lost everything. What a sack of shit.“ (Quelle)

Von Deutschland aus sieht Matthias Matussek die Lage freilich anders und formuliert im Anschluss an einen der wenigen verbliebenen Trumpfans bei MAGA, der Trump als „fricking genius“ feiert: „Alle verschwiemelt Woke, Linke oder andere Kleinbürger-Dachschäden hergehört, wie dumm diese anerzogene Massenantipathien gegen Donald Trump in Wahrheit ist… Sie haben ihn unterschätzt. Was thermodynamisch Sinn macht, da sie sich ständig überschätzen, also ein Ausgleich hergestellt wird.“

Ähnlich auch Tatjana Festerling, die mal OB von Dresden werden wollte: „Finally! Endlich spricht Trump ein Machtwort und weist den irren, narzisstischen Zersetzern und antisemitischen Mullah-Fans der MAGA Bewegung von Candy bis Tucker den Platz zu! Das Gleiche würde er wohl über den Großteil der AfD und ihre Wähler sagen, würde er sich noch um Germanistan scheren. Die AfD hat ihre durch Elon Musk aufgebaute gute Beziehung zu den USA und der Trump-Administration in den Wind geschossen, weil der geostrategisch unbeleckte Malermeister gern mal was sagen wollte, was seinen hart-rechten Wählern gefällt. Dümmer geht’s nimmer.“

Begeisterung bei „Antifa“ und Tichy

Auch bei den Linken führt der Ausfall Trumps gegen seine Jahre lang treu zu im haltenden Influencern zu Begeisterungsstürmen – nach dem Motto: Sehr ihr, sogar Euer absoluter Star empfiehlt euch in die Psychiatrie einzuweisen!“

Inzwischen hat die eskalierende Debatte auch die neuen („alternativen“) Medien in Deutschland erreicht. Und nur jene, die sich in dieser Landschaft nicht auskennen, wundern sich nun, dass Tichy schreibt: „Im Streit über Iran und Israel geht Donald Trump öffentlich auf Distanz zu Tucker Carlson und Candace Owens. Dieser Schnitt ist überfällig. Denn hinter dem Bruch steht mehr als ein persönlicher Konflikt: Im konservativen Lager wächst das Misstrauen gegen eine allzu auffällige außenpolitische Verschiebung früherer MAGA-Figuren.“

Bleibt für alle, der Trost, den Robert W Malone uns kurz und knapp zuruft: „Was ist die Alternative? Wir hätten Präsidentin Kamala haben können. Und vielleicht 2028 doch noch. *Schauer*…“

Wunderbar gelassen scharf hat inzwischen Tucker Carlson reagiert: „Anstatt sich an kleinlichen Beschimpfungen zu beteiligen, wollen wir dem Präsidenten etwas Nachsicht gewähren. Er steht unter einem Druckniveau, das dunkel genug ist, um ihn seine Wahlversprechen aufgeben und sich in genau den Typ Politiker verwandeln zu lassen, den er einst geschworen hat zu zerstören. Er hätte das nicht passieren lassen, es sei denn, seine persönlichen Einsätze wären wirklich hoch. Wir hoffen, dass er es überwindet.“

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Bestseller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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