Wer wird im Konflikt zwischen dem Papst und US-Präsident Trump siegen?

„I die the King’s good servant, but God’s first“ (Thomas Morus)

(David Berger) Im eskalierenden Streit zwischen Washington und dem Vatikan hat sich nach den Ausfälligkeiten Trumps gegen Christentum und Papst nun auch US-Vizepräsident JD Vance zu Wort gemeldet. Er forderte, die katholische Kirche und der Papst sollten sich ganz aus politischen Fragen heraushalten. Doch Papst Leo lässt sich davon nicht beeindrucken. Die Geschichte lehrt uns, für wen dieser Konflikt schlecht ausgehen wird.

Auslöser der Auseinandersetzung ist ein Friedensappell von Papst Leo XIV., der angesichts der aktuellen Konflikte im Nahen Osten ein Ende der Gewalt verlangte. In deutlichen Worten verurteilte er militärische Aktionen und betonte, dass Gläubige nicht diejenigen unterstützen könnten, die Krieg führen. Seine Botschaft: Die Welt brauche mehr Einsatz für Frieden statt weiterer Eskalation.

Die Reaktionen aus den USA ließen nicht lange auf sich warten. Präsident Donald Trump kritisierte den Papst scharf und warf ihm vor, sich einseitig zu äußern und geopolitische Realitäten zu verkennen. Besonders mit Blick auf den Iran-Konflikt sei eine solche Haltung aus seiner Sicht problematisch. Zudem provozierte er die Christen in aller Welt durch ein KI-generierteres Bild, das ihn – im Stil US-amerikanischer Sekten – als den neuen, vom Himmel gesandten Messias darstellte und das er zunächst auf seinem eigenen Kanal geteilt und später nach Protesten wieder gelöscht hatte. Er habe angenommen, dass er auf dem Bild nicht als Messias, sondern als Arzt dargestellt sie, der die ganze Welt heile, so Trump … Zuvor hatte er sich freilich durch eine protestantische Predigerin im Oval Office nicht als Arzt, sondern als „von Gott gesegneten“ neuen Messias feiern lassen (siehe Video ganz unten).

Der katholische Vizepräsident Vance, der die katholische Mentalität besser kennen müsste als sein vom sektiererisch-protestantischen Milieu geprägter Chef, schlug in dieselbe Kerbe, formulierte seine Kritik jedoch etwas zurückhaltender. Zwar sei es legitim, dass sich das Kirchenoberhaupt zu ethischen Fragen äußere, erklärte er in einem Interview. Doch politische Entscheidungen müssten letztlich bei den demokratisch gewählten Führungspersonen liegen. Der Vatikan solle daher vermeiden, direkt Einfluss auf staatliche Politik zu nehmen.

Ist Krieg keine ethische Frage?

Papst Leo XIV. zeigte sich von der Kritik unbeeindruckt. Er betonte, seine Äußerungen seien nicht politisch motiviert, sondern Ausdruck seiner moralischen Verantwortung. Als geistliches Oberhaupt sehe er sich verpflichtet, zu Krieg und Frieden Stellung zu beziehen – unabhängig von politischen Interessen. Damit steht der Papst ganz in der Tradition seiner Vorgänger bis ins 19. Jahrhundert. Pius IX., Leo XIII., Pius X., Pius XI. und besonders Pius XII. veröffentlichten Tausende von Aussagen, die fordern dass sich die Kirche zu naturrechtlichen (und damit auch völkerrechtlichen) Fragen äußern muss.

Sogar das Zweite Vatikanische Konzil, das sich von der Idee einer Staatsreligion lossagte, mahnt: „Zu allen Zeiten und an allen Orten sollte die Kirche wahre Freiheit haben, den Glauben zu predigen, ihre soziale Lehre zu lehren … und moralische Urteile zu fällen, sogar in Fragen, die mit der Politik zusammenhängen, wann immer die grundlegenden Rechte des Menschen oder das Heil der Seelen es erfordern.“ (Gaudium et Spes, 76)

Man kann eben nicht den Schöpfer anbeten und gleichzeitig die Würde des Menschen, den er nach seinem Ebenbild erschuf, in den Staub treten. Mit Erfolg, denn der „Ultramontanismus“ ist dem Katholiken sozusagen in seine Genetik geschrieben. Auch einem US-Katholiken steht in der Regel der Papst näher als sein Präsident, so sehr er gleichzeitig sein Parteigänger sein mag. So verwundert es kaum, dass sich derzeit Tausende an katholischen Trump-Anhängern empört von diesem abwenden und selbst der bekannte Medienbischof Barron, der sich noch vor wenigen Tagen mit Trump traf, forderte diesen auf, schleunigst beim Papst um Vergebung zu bitten. Katholiken ist eben stets klar, was der Kirchenvater Augustinus, aus dessen Orden der heutige Papst stammt, bereits wusste: dass die civitas Dei („Gottesstaat“), die Gemeinschaft derer, die nach Gott ausgerichtet sind weit über der civitas terrena („irdischer Staat“), der Gemeinschaft derer, die sich selbst und weltliche Güter über alles stellen, steht.

Selbst Meloni distanziert sich nun von Trump

Was der bekannte katholische Publizist und Republikaner Shane Schaetzel dazu schreibt, dürfte die Stimmungslage der katholischen Trumpanhänger gut wiedergeben: „Was Trump gestern Abend mit Papst Leo XIV getan hat, war nicht anti-katholisch. Nein. Es war dumm und aufgeblasen. Es zeigte eine Schwäche in seinem Charakter, die den Wunsch offenbarte, jeden zu zerstören, der ihn kritisiert, sogar den Papst, der dies aus legitimen Gründen tut, die mit der katholischen Lehre zum Gerechten Krieg zusammenhängen. Und Trump war nicht der Einzige, der ins Visier genommen wurde. Der Papst forderte alle Weltführer auf, einen Schritt zurückzutreten und ihren Handlungsweg zu überdenken. Ich bin keiner, dem päpstliche Kritik fremd ist. Ich habe Papst Franziskus selbst heftig kritisiert, und jedes Mal ging es um seinen Kompromiss bei der katholischen Lehre und seine kleinlichen Angriffe auf treue Katholiken (die übrigens auf Latein beten). Allerdings habe ich mich im Allgemeinen davon zurückgehalten, die Politik des Papstes zu kritisieren, insbesondere wenn sie mit der Lehre der Kirche übereinstimmte, selbst wenn ich mit der Art und Weise, wie er sie anwandte, nicht einverstanden war. Donald Trump war nicht der erste Weltführer, der vom Papst kritisiert wurde, und er wird nicht der letzte sein. Er sollte das wissen, und er hätte darüber hinauswachsen sollen. Stattdessen entschied er sich, den Papst anzugreifen, und tat damit jedem Katholiken auf Erden einen Affront an, insbesondere den amerikanischen Katholiken in seiner politischen Basis. Viele von uns fühlen sich von diesem Verrat in den Rücken getroffen, und wir werden das nicht tolerieren, weder von ihm noch von irgendjemand anderem.“

Inzwischen hat sich auch die Gemeinschaft alles US-Bischöfe ähnlich geäußert. Denn das haben Trump und der Papst immerhin beide erreicht: Von extrem liberal bis traditionalistisch stehen nun die sonst zum Teil stark zerstrittenen Katholiken geschlossen zusammen und auf. Und zwar gegen Trump. Und auch Trumps derzeit wichtigste Verbündete, Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni weist die verbalen Attacken von US-Präsident Donald Trump gegen Papst Leo XIV. scharf zurück: „Ich halte die Äußerungen von Präsident Trump über den Heiligen Vater für inakzeptabel“.

Zeit für Canossa?

Die Geschichte lehrt uns: Wann immer sich die weltlich Mächtigen mit dem Katholizismus, besonders dem Papst angelegt haben, ging das schlecht für sie und ihren Machtbereich aus.

Die Spannungen zwischen geistlicher und weltlicher Macht gehören zu den Konstanten der europäischen Geschichte. Seit dem frühen Mittelalter gerieten Päpste immer wieder mit Kaisern, Königen und später auch modernen Staaten in Konflikt. Auffällig ist dabei ein wiederkehrendes Muster: Selbst wenn das Papsttum zeitweise geschwächt wurde, überdauerte es die Auseinandersetzungen – oft gestärkt oder zumindest in seiner Rolle bestätigt.

Ein frühes und prägendes Beispiel ist der Investiturstreit im 11. Jahrhundert zwischen Papst Gregor VII. und Heinrich IV.. Der Kaiser beanspruchte das Recht, Bischöfe einzusetzen, während der Papst auf der Unabhängigkeit der Kirche bestand. Der Konflikt eskalierte, als Gregor VII. den Kaiser exkommunizierte. Heinrich IV. musste schließlich 1077 den berühmten Gang nach Canossa antreten, um die Aufhebung des Kirchenbanns zu erbitten – ein symbolischer Triumph der päpstlichen Autorität. Zwar blieb der Machtkampf noch lange bestehen, doch das Papsttum hatte seine Eigenständigkeit nachhaltig behauptet.

(Pietro Aldi, Bußgang nach Canossa, 1883© Sailko, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons)

Auch im Spätmittelalter kam es zu erbitterten Auseinandersetzungen, etwa zwischen Papst Bonifatius VIII. und Philipp IV.. Der französische König versuchte, die Kirche stärker unter staatliche Kontrolle zu bringen. Bonifatius VIII. reagierte mit scharfen Gegenmaßnahmen, wurde jedoch schließlich gefangen genommen. Kurzfristig schien der Papst zu unterliegen, doch auch hier zeigte sich langfristig ein anderes Bild: Das Papsttum überstand die Krise, während die französische Monarchie Jahrhunderte später unterging.

Luthers Fürsten verschwanden, das Papsttum blüht

Die Reformation stellte eine der größten Herausforderungen dar. Teile Europas sagten sich von Rom los, und die Autorität des Papstes wurde massiv infrage gestellt. Dennoch gelang es der katholischen Kirche im Zuge der Gegenreformation, ihre Strukturen zu festigen und weltweit sogar auszubauen. Während viele der damaligen Fürstentümer und politischen Konstellationen verschwanden, blieb das Papsttum als Institution bestehen.

Selbst in der Neuzeit, als Nationalstaaten und Ideologien an Bedeutung gewannen, setzte sich dieses Muster fort. Während der Kulturkampf im 19. Jahrhundert versuchte Otto von Bismarck, den Einfluss der katholischen Kirche zurückzudrängen. Doch viele seiner Maßnahmen wurden später zurückgenommen, und die Kirche blieb ein prägender gesellschaftlicher Faktor.

Im 20. Jahrhundert sah sich der Vatikan totalitären Regimen gegenüber, etwa im Konflikt mit Adolf Hitler oder mit kommunistischen Regierungen in Osteuropa. Auch hier wurde die Kirche bedrängt, eingeschränkt und verfolgt. Doch nach dem Zusammenbruch dieser Systeme existierte das Papsttum weiterhin – während viele der politischen Gegner von der historischen Bühne verschwanden.

Am Ende hat immer der Papst gesiegt

Diese historische Linie beweist, dass das Papsttum eine außergewöhnliche institutionelle Kontinuität besitzt. Während weltliche Herrscher an Macht gewinnen und sie wieder verlieren, während Staaten entstehen und zerfallen, hat die katholische Kirche über Jahrhunderte hinweg ihre Struktur und ihren Einfluss bewahrt: In den großen Konflikten zwischen Papst und weltlicher Macht hat nicht immer der Papst am Ende gesiegt – aber langfristig hat das Papsttum überlebt, oft länger als seine jeweiligen Gegner.

Apostolischer Protonotar Msgr. Imkamp – Foto: (c) Screenshot youtube/Maria Vesperbild

Hinter dieser geschichtlichen Entwicklung steht das Dogma von der Indefektibilität der Kirche (von lateinisch indefectibilitas), das der großartige Theologe Wilhelm Imkamp in seiner römischen Promotion in erhellender Weise aufgearbeitet und dargestellt hat: Dieser Begriff besagt, dass die Kirche in ihrem Wesen und ihrer Sendung niemals untergehen oder vollständig vom Glauben abfallen kann. Grundlage ist unter anderem die Bibelstelle aus dem Matthäusevangelium („Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen“). Eng verbunden ist das mit der Vorstellung, dass die Kirche – trotz Krisen, Fehlern und historischen Umbrüchen – dauerhaft bestehen bleibt. Diese Lehre ist Teil der katholischen Ekklesiologie und steht im Zusammenhang mit anderen Glaubensaussagen wie der apostolischen Sukzession und der göttlichen Stiftung der Kirche.

Für Christen ist damit der Konflikt zwischen Trump & Co und dem Stellvertreter Christi längst entschieden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das endgültig sichtbar wird.

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🇻🇦I am Catholic. Practicing my faith includes following Pope Leo XIV.
You obey President Trump whose spiritual advisor is Paula White.
We are not the same.pic.twitter.com/j4KS2TYNzy

— The Honey Badger (@Nance726) April 13, 2026

 


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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Bestseller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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