Genosse Gewalttäter: Die „Rote Hilfe“ und ihre Unterstützer bei der Linkspartei

Schädelbruch, wochenlanges Koma, zertrümmerte Gesichtsknochen, Hammer- und Schlagstockangriffe: Die Rote Hilfe organisiert Solidarität und finanzielle Unterstützung auch für Beschuldigte und Verurteilte aus Verfahren wegen schwerer linksextremistischer Gewalt. Zugleich gehören mehrere Bundestagsabgeordnete der Linken der Organisation an – seit dem 1. Oktober auch Fraktionschef Sören Pellmann. Ein Blick auf Fälle, Opfer und die Solidaritätsarbeit der Roten Hilfe.

Die Debatte um die frühere Mitgliedschaft der Berliner Linken-Politikerin Elif Eralp in der linksextremistischen Roten Hilfe könnte den Eindruck erwecken, es gehe um einen Einzelfall. Das Gegenteil ist richtig. Mehrere Bundestagsabgeordnete der Linken gehören der Organisation an. Seit dem 1. Oktober 2026 auch Sören Pellmann, Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag. Lisa Schubert, Vinzenz Glaser und Isabelle Vandre führen ihre Mitgliedschaft in der Roten Hilfe in ihren offiziellen Bundestagsbiografien selbst auf. Pellmann bestätigte gestern seinen Beitritt und begründete ihn damit, dass auch Menschen ohne ausreichende finanzielle Mittel anwaltlichen Beistand erhalten müssten.

Das klingt zunächst nach Rechtshilfe für Bedürftige. Ein Blick auf konkrete Fälle zeigt jedoch, dass die Tätigkeit der Roten Hilfe weit darüber hinausgeht. Sie organisiert politische und finanzielle Solidarität auch für Beschuldigte und Verurteilte aus Verfahren wegen schwerer linksextremistischer Gewalt und bezeichnet deren Strafverfolgung immer wieder als politische „Repression“. Die Bundesregierung erklärte bereits 2018 in einer Antwort an den Bundestag, die Rote Hilfe verfolge „in ihrer Gesamtheit linksextremistische und mithin verfassungsfeindliche Ziele“.

Antifa Ost: Solidarität trotz schwerer Gewalttaten

Das Oberlandesgericht Dresden verurteilte Lina E. 2023 zu fünf Jahren und drei Monaten Haft. Das Gericht stellte fest, dass sich spätestens Anfang 2018 eine Vereinigung gebildet hatte, die durch „linksextremistische Überzeugungen und einen militanten Antifaschismus“ verbunden und auf entsprechende Straftaten ausgerichtet war. Auch die drei Mitangeklagten erhielten Freiheitsstrafen. Die Rote Hilfe stellte sich hinter die Verurteilten. Sie beteiligte sich an der Kampagne „Wir sind alle Antifa – Wir sind alle LinX“, warb für finanzielle Unterstützung und forderte Solidarität mit Lina E. Noch 2026 bezeichnete sie deren Beugehaft als „politische Justiz in Reinform“.

Was sich hinter diesem Komplex verbirgt, zeigen die einzelnen Angriffe. Am 8. Januar 2019 wurde der Kanalarbeiter Tobias N. während seiner Arbeit in Leipzig-Connewitz von Vermummten angegriffen. Seine Augenhöhle und sein Jochbein wurden zertrümmert. Nachdem er zu Boden gegangen war, wurde weiter auf ihn eingeschlagen.

Am 19. Januar 2019 wurden am Bahnhof Roßlau vier Personen angegriffen. Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt dokumentierte den Einsatz von Hammer, Schlagring und Totschläger. Drei Opfer mussten stationär behandelt werden, die Verletzungen waren teilweise lebensbedrohlich. Das LKA ermittelte wegen versuchten Mordes. Der Fall gehört heute zum zweiten Antifa-Ost-Verfahren; für die dort Angeklagten gilt bis zu einem Urteil die Unschuldsvermutung.

Auch die Angriffe in Eisenach 2019 werden im Zusammenhang mit diesem Komplex strafrechtlich aufgearbeitet. Die Vorwürfe umfassen unter anderem Angriffe mit Schlagwerkzeugen, eingeschlagene Autoscheiben und den Einsatz von Reizstoff. Bei Teilen dieses Komplexes laufen die Verfahren noch.

Stuttgart: Schädelbruch und wochenlanges Koma

Besonders eindeutig ist der Fall Stuttgart. Am 16. Mai 2020 griff eine Gruppe Vermummter Mitglieder der Arbeitnehmervereinigung Zentrum Automobil an. Zwei Antifaschisten wurden später zu viereinhalb beziehungsweise fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Folgen für die Opfer waren schwer: Ein Mann erlitt einen Schädelbruch und lag mehrere Wochen im Koma. Ein zweiter wurde durch Schläge gegen Kopf und Gesicht auf einem Auge nahezu blind.

Die Rote Hilfe forderte dennoch die Freilassung der Beschuldigten. Die Ermittlungen bezeichnete sie als gegen „antifaschistische Strukturen und Aktivist*innen“ gerichtete „Repressionswelle“. Nach den Verurteilungen sprach sie unter der Überschrift „Politische Justiz gegen Stuttgarter Antifas“ von abschreckenden Haftstrafen. Hier geht es also nicht um eine Demonstrantin, die eine Polizeikette nicht schnell genug verlassen hat: Ein Mensch lag nach einem politischen Angriff mit gebrochenem Schädel wochenlang im Koma, ein anderer verlor beinahe das Augenlicht. Die Rote Hilfe stellte sich öffentlich hinter die verurteilten Antifaschisten und sprach von „politischer Justiz“.

Maja T.: Rote Hilfe weit über die Linkspartei hinaus

Im Februar 2023 wurden in Budapest mehrere Personen angegriffen, die von ihren Angreifern der rechten Szene zugerechnet wurden. Nach Darstellung der Bundesanwaltschaft wurden bei einem Angriff drei Opfer mit Schlagstöcken und anderen Schlagwerkzeugen attackiert. Sie erlitten unter anderem Knochenbrüche. Bei einem weiteren Angriff wurde ein Mann bewusstlos geschlagen. Obwohl er bereits am Boden lag, wurde weiter mit einem Schlagwerkzeug gegen Kopf und Körper geschlagen. Er erlitt multiple Gesichts- und Schädelfrakturen. Die Rote Hilfe beschränkte sich nicht auf allgemeine Kritik an den Haftbedingungen. Bereits im März 2023 veröffentlichte ihre Berliner Gliederung einen Spendenaufruf für die Beschuldigten. Wenig später wurde ausdrücklich dazu aufgerufen: „Spendet Geld, verbreitet diesen Aufruf und informiert Euch und andere über das Verfahren!“ Als Konto wurde das der Rote Hilfe e. V. angegeben, Stichwort „Budapest“. Die Bundesanwaltschaft verfolgt einige Beschuldigte wegen versuchten Mordes.

(c) Screenshot YT

Besonders intensiv engagierte sich die Rote Hilfe für „Maja T.“ Sie forderte Freiheit für Maja, erklärte ihre Solidarität und bezeichnete das Verfahren in Budapest als „politische Justiz“ und „Schauprozess“. In ihrer Sonderausgabe zum „Tag der politischen Gefangenen“ vom März 2026 wurde Maja gemeinsam mit anderen ausdrücklich in die Solidarität der Organisation einbezogen: „Für Mumia, für Daniela, für Mehmet, für Emmi, für Maja und für alle anderen.“ Am 30. September 2026 wurde das Urteil gegen Maja T. in der Berufung rechtskräftig. Das Gericht reduzierte die erstinstanzliche Strafe von acht auf sieben Jahre. Es wertete Maja bei einem Anklagepunkt als Gehilfen statt als Haupttäter und sah eine Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation nicht als erwiesen an. Die Verurteilung wegen der Beteiligung an den Angriffen blieb jedoch bestehen. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft hatten die Angreifer ihre Opfer mit Gegenständen attackiert, die geeignet waren, tödliche Verletzungen hervorzurufen.

Die Reaktion der Roten Hilfe auf das rechtskräftige Urteil fiel eindeutig aus. Sie sprach am selben Tag von einem „Schauprozess“, behauptete, es sei um die „Abstrafung antifaschistischer Haltung“ gegangen, und erklärte: „Wir stehen solidarisch an der Seite von Maja“. Zugleich forderte sie Majas Rückführung nach Deutschland. Die politische Solidarität mit Maja reichte allerdings weit über die Rote Hilfe und die Linkspartei hinaus. Die Grünen-Politikerin und frühere Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt besuchte Maja im Gefängnis. Auch Vertreter von SPD und Linken kritisierten das Verfahren beziehungsweise forderten eine Rücküberstellung nach Deutschland. Dabei gerieten die eigentlichen Opfer der Angriffe aus dem Blick: Menschen wurden mit Schlagwerkzeugen attackiert, bewusstlos geschlagen und erlitten Knochenbrüche sowie multiple Gesichts- und Schädelfrakturen. Maja T. ist inzwischen wegen der Beteiligung an solchen Angriffen rechtskräftig zu milden sieben Jahren Haft verurteilt.

Selbst beim ehemaligen RAF-Mitglied Daniela Klette zeigt sich dieses Muster. Nach ihrer Festnahme 2024 sprach die Rote Hilfe von „jahrzehntelanger Verfolgungswut“ und einem „staatlichen Rachebedürfnis gegen ehemalige Mitglieder der Stadtguerilla-Gruppen“. Als Klette 2026 wegen der späteren Raubüberfälle zu 13 Jahren Haft verurteilt wurde, bezeichnete die Organisation das Urteil als „Racheurteil“ und das Verfahren als „politischen Schauprozess“.

Und die Linkspartei?

Gerade deshalb ist die Mitgliedschaft führender Politiker der Linken keine belanglose Vereinsangelegenheit. Lisa Schubert, Isabelle Vandre und Vinzenz Glaser nennen ihre Mitgliedschaft selbst gegenüber dem Bundestag. Elif Eralp war bis 2025 Mitglied. Und seit dem 1. Oktober 2026 gehört mit Sören Pellmann sogar der Vorsitzende der Linksfraktion im Deutschen Bundestag der Roten Hilfe an. Pellmann verweist auf das Recht jedes Beschuldigten auf anwaltlichen Beistand. Dieses Recht steht außer Frage. Doch die Rote Hilfe beschränkt sich nach ihren eigenen Veröffentlichungen nicht auf die Finanzierung rechtsstaatlicher Verteidigung. Pellmann bestätigte seinen Beitritt am 1. Oktober; der Berliner Verfassungsschutz führt die Rote Hilfe als größte linksextremistische Organisation der Stadt.

Sie nennt Strafverfahren „Repression“, spricht nach mehrjährigen Haftstrafen für schwere Körperverletzungen von „politischer Justiz“, sammelt Geld für Beschuldigte des Budapest-Komplexes und erklärt ihre Solidarität mit verurteilten militanten Antifaschisten. Man muss dazu nichts erfinden und nichts übertreiben. Schädelbruch. Wochenlanges Koma. Ein beinahe verlorenes Auge. Zertrümmerte Augenhöhle und Jochbein. Knochenbrüche. Multiple Gesichts- und Schädelfrakturen. Angriffe auf bereits am Boden liegende Opfer. Das sind keine politischen Schlagworte, sondern dokumentierte Folgen von Gewalttaten aus den hier dargestellten Komplexen. Und die Organisation, die Beschuldigte oder Verurteilte aus diesen Verfahren politisch und teilweise finanziell unterstützt, zählt mehrere Bundestagsabgeordnete der Linken zu ihren Mitgliedern – seit dem 1. Oktober 2026 auch den Vorsitzenden ihrer Bundestagsfraktion.

Klüngeln mit Schwerkriminellen, Hass auf Polizei

Wir haben es hier mit einem weiteren Puzzlestein in einem Mosaik zu tun, das immer deutlicher hervortritt: die enge Verzahnung von Teilen der politischen Linken mit Milieus, in denen Extremismus und schwere Kriminalität keineswegs Fremdwörter sind – von gewalttätigen Linksextremisten über Islamisten und Terrorunterstützer bis hinein in das Umfeld arabischer Clans. Auffällig ist dabei ein gemeinsamer Nenner, der diese auf den ersten Blick höchst unterschiedlichen Milieus immer wieder zusammenführt: die Feindschaft gegen Polizei, Sicherheitsbehörden und jene Institutionen des Rechtsstaates, die ihrem Treiben Grenzen setzen sollen.

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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