Beim Sommerfest der AfD am Hof Neuhaus bei Überlingen traf Stef Manzini von „Stattzeitung.net“ auf Alice Weidel. Herausgekommen ist ein knapp halbstündiges Interview, das sich wohltuend von den üblichen Auftritten der AfD-Chefin in ARD und ZDF unterscheidet: Weidel kann ausführen – und vor allem ausreden.
Und sie nutzt die Gelegenheit. „Deutschland ist pleite!“, lautet ihre drastische Diagnose zur wirtschaftlichen Lage. Noch brisanter ist ihre These mit Blick auf eine mögliche Regierungsübernahme der AfD: „Die Staatsfinanzen in Deutschland werden vorsätzlich so zerrüttet, dass man sich erhofft, dadurch eine AfD-Regierung sofort in die Grätsche zu zwingen.“
Auch beim Thema Migration spricht Weidel Klartext. Ein „Pracht-Migrantenheim wie in Überlingen“ werde es unter einer AfD-Regierung nicht geben: „Diese Leute wären gar nicht hier.“ Beim Rentensystem sieht sie die Bürger von der Politik „über den Tisch gezogen“.
Besondere Sprengkraft besitzt das Thema Corona. Weidel stellt die Frage: „Wer wurde hier von wem geschmiert?“ Eine Zusammenarbeit mit anderen Fraktionen im Europäischen Parlament zur Aufarbeitung und möglichen juristischen Verfolgung Verantwortlicher hält sie für denkbar. Ihre Prognose: „Das wird auch kommen.“
Optimistisch zeigt sich die AfD-Bundesvorsitzende mit Blick auf Sachsen-Anhalt. Die anderen Parteien würden dort vor der kommenden Landtagswahl „alles auffahren“ und „ein riesen Theater veranstalten“. Dennoch ist Weidel überzeugt: Ulrich Siegmund werde der erste AfD-Ministerpräsident Deutschlands.
Neben aller Zuversicht zeigt das Gespräch aber auch eine persönlichere Seite der Politikerin. „Nach der AfD kommt nichts mehr. Ich habe mein Leben an diese Partei gehängt“, sagt Weidel. 27 Minuten Wirtschaft, Migration, Rente, Corona und die Frage, was passieren könnte, wenn die AfD tatsächlich Regierungsverantwortung übernimmt. Das Bemerkenswerte an dem Gespräch ist dabei fast ebenso sehr die Form wie der Inhalt: keine dauernden Unterbrechungen, keine empörten Zwischenrufe, kein Moderator, der die Antworten schon nach wenigen Sekunden abwürgt.
Alice Weidel darf reden. Und der Zuschauer darf selbst entscheiden, was er davon hält. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit für politischen Journalismus – inzwischen wirkt sie beinahe revolutionär.
Hier geht es zum Interview: https://stattzeitung.net/artikel/alice-weidel-im-sommerinterview-wir-sind-die-letzte-chance-fuer-dieses-land
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