
Ausgerechnet ein Freimaurertempel wird im amerikanischen Steubenville bald zu einem katholischen Ort des Gebets. Das College of St. Joseph the Worker übernimmt das fast hundert Jahre von Freimaurern genutzte Gebäude. Nach deren Auszug soll dort unter anderem eine katholische Kapelle entstehen.
Auf die Geschichte machte Eduard von Habsburg-Lothringen mit einem Selfie vor dem Gebäude aufmerksam: „Du hast nie gedacht, dass du mich ein Selfie vor einem Freimaurertempel posten siehst, oder?“ Die Erklärung folgte sofort: Das College habe den Tempel gekauft und werde ihn in eine katholische Kapelle und Gebetsstätte verwandeln. Der Eigentumsübergang ist zwar noch nicht vollständig abgeschlossen, aber die Freimaurer sollen im November 2026 ihre letzte Veranstaltung in dem Gebäude abhalten und anschließend ausziehen. Das College hat sich den Erwerb bereits vertraglich gesichert.
„Den Freimaurertempel für Christus zurückgewinnen“
Bemerkenswerter ist der Ton, in dem die Hochschule über das Vorhaben spricht. Von jener vorsichtigen Kirchensprache, die heute selbst bei der Eröffnung einer Kapelle gerne von „Räumen der Begegnung“ redet, ist hier wenig zu spüren. Die Kampagne heißt schlicht: „Reclaim the Freemasonic Temple for Christ“ – „Den Freimaurertempel für Christus zurückgewinnen“. Geplant sind ein Schrein mit Reliquien und einer Replik des Turiner Grabtuchs, ein Auditorium für rund 500 Menschen sowie Räume für Veranstaltungen und Gastronomie. Bei der Restaurierung werden die Studenten selbst Hand anlegen.
Das gehört zum besonderen Profil des College of St. Joseph the Worker. Hier werden katholische Bildung und klassisches Handwerk miteinander verbunden. Neben Philosophie, Theologie und den großen Werken der abendländischen Geistesgeschichte lernen die Studenten Handwerksberufe. Dass der heilige Josef dabei nicht zufällig zum Patron gewählt wurde, versteht sich von selbst. Auch die Vorgeschichte des Kaufs hat ihren eigenen Reiz. College-Präsident Jacob Imam wollte das direkt an den Campus angrenzende Gebäude schon länger erwerben. Die Freimaurer wollten zunächst nicht verkaufen. Nach Angaben des Colleges begann Imam daraufhin eine Novene und umrundete das Gebäude betend – nach dem Vorbild der Israeliten vor Jericho. Einige Wochen später meldeten sich die Eigentümer und fragten, ob das Interesse am Kauf noch bestehe.
„A Victory for Christ.“
Fast ein Jahrhundert lang traf sich an diesem Ort eine Freimaurerloge. Bald sollen dort Reliquien verehrt werden, Menschen vor dem Abbild des Turiner Grabtuchs beten und junge Katholiken Glauben, Bildung und Handwerk miteinander verbinden. Auch beim Namen des Projekts kennt man in Steubenville keine Berührungsängste. Auf der Kampagnenseite stehen drei kurze Sätze:
„Reclaim the Temple.“
„Build a Shrine.“
Und schließlich:
„A Victory for Christ.“
Ein Sieg für Christus.
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