(David Berger) Es gibt Bischöfe, deren Wirken sich vor allem an ihrer medialen Präsenz misst. Und es gibt jene, deren Bedeutung sich erst im Licht der Treue erschließt. Zu Letzteren gehört ohne Zweifel Erzbischof em. Wolfgang Haas, der heute seinen 78. Geburtstag begeht.
Für unzählige gläubige Katholiken ist sein Name seit Jahrzehnten ein Synonym für Standhaftigkeit, Glaubenstreue und den Mut, auch gegen den Strom an der unveränderlichen Lehre der Kirche festzuhalten. Wolfgang Haas verstand das Bischofsamt niemals als politisches oder gesellschaftliches Leitungsamt. Er verstand sich vielmehr als Nachfolger der Apostel, dessen erste Aufgabe darin besteht, den überlieferten Glauben unverfälscht weiterzugeben. Damit folgte er jenem Ideal, das Papst Johannes Paul II. in seinem Nachsynodalen Schreiben Pastores gregis so formulierte: „Der Bischof ist vor allem Zeuge der Hoffnung, weil er Zeuge Christi ist.“ Diese Hoffnung gründet nicht auf wechselnden Mehrheiten oder gesellschaftlichen Trends, sondern auf der Wahrheit des Evangeliums.
Ein Hirte gegen den Zeitgeist
Die Jahrzehnte seines bischöflichen Wirkens fielen in eine Zeit tiefgreifender Umbrüche innerhalb der Kirche. Viele forderten eine Anpassung des katholischen Glaubens an die Vorstellungen der modernen Gesellschaft. Wolfgang Haas wählte den entgegengesetzten Weg: Nicht die Kirche sollte sich der Welt angleichen, sondern der Mensch sich immer neu an Christus ausrichten. Papst Benedikt XVI. warnte mehrfach vor einer „Diktatur des Relativismus“, die keine endgültige Wahrheit mehr anerkennen wolle. Gerade vor diesem Hintergrund erscheint das Lebenszeugnis von Wolfgang Haas besonders bemerkenswert. Er gehörte zu jenen Hirten, die den Glauben nicht als verhandelbares Produkt verstanden, sondern als kostbaren Schatz, der unverfälscht bewahrt werden muss.
Mit der Errichtung des Erzbistums Vaduz durch Papst Johannes Paul II. im Jahr 1997 erhielt Wolfgang Haas die Aufgabe, eine junge Ortskirche aufzubauen. Er nutzte diese Gelegenheit, um konsequent jene Schwerpunkte zu setzen, die seit jeher das Leben der Kirche tragen: eine würdige Liturgie, eine solide Priesterausbildung, treue Verkündigung, katholische Katechese und die Förderung geistlicher Berufungen. Dabei ging es ihm nie um spektakuläre Reformprojekte, sondern um die Überzeugung, dass die Erneuerung der Kirche immer aus der Heiligkeit ihrer Glieder erwächst.
Ein stiller Diener der Kirche
Bemerkenswert war stets auch seine persönliche Bescheidenheit. Wolfgang Haas suchte nie den Applaus der Öffentlichkeit. Er gehörte nicht zu jenen Kirchenmännern, die ihre Popularität pflegen oder den Beifall der Medien suchen. Sein Wirken vollzog sich weitgehend in der Stille eines Hirten, der seinen Auftrag ernst nahm. Gerade diese Zurückhaltung verleiht seinem Lebenswerk heute eine besondere Glaubwürdigkeit. In einer Zeit, in der öffentliche Aufmerksamkeit häufig wichtiger erscheint als geistliche Substanz, erinnert sein Beispiel daran, dass das eigentliche Maß kirchlichen Erfolges nicht in Schlagzeilen besteht, sondern in der Treue zum Auftrag Christi.
Zahlreiche Priester und Laien fanden in Wolfgang Haas über Jahrzehnte einen Bischof, der Orientierung gab, weil seine Verkündigung eindeutig war. Wer ihn erlebte, wusste, woran er war. Diese Klarheit mag nicht überall Zustimmung gefunden haben; sie hat jedoch vielen Gläubigen Halt gegeben. Der heilige Paulus mahnt seinen Schüler Timotheus: „Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne in unermüdlicher und geduldiger Belehrung.“ (2 Tim 4,2) Viele Weggefährten sehen gerade hierin eine treffende Beschreibung des bischöflichen Dienstes von Wolfgang Haas.
Maria als Führerin zu Christus
Heute ist nicht der Tag für kirchenpolitische Debatten. Heute ist der Tag, einem Bischof Dank zu sagen, der sein Leben in den Dienst Christi und seiner Kirche gestellt hat. Möge Gott ihm Gesundheit, Kraft und den Frieden schenken, den nur der Herr geben kann. Möge er den reichen Lohn empfangen für viele Jahrzehnte treuen priesterlichen und bischöflichen Dienstes. Im Namen vieler treuer Katholiken, die regelmäßige Leser von „Philosophia Perennis“ sind, gratulieren wir Erzbischof Wolfgang Haas herzlich zu seinem 78. Geburtstag und wünschen ihm von Herzen den Segen Gottes und seiner unbefleckten Mutter, der Mittlerin aller Gnaden: MARIA DUCE OBVIAM CHRISTO – Unter der Führung Mariens Christus entgegen!








