„K“ wie Koran? Islamisches Gebet bei Eröffnungsmesse der Katholischen Universität Löwen

0

(David Berger) An der traditionsreichen Katholischen Universität Leuven ist ein Streit um die Eröffnungsmesse des neuen akademischen Jahres ausgebrochen. Während der Eucharistiefeier erklang ein Gesang, der von belgischen Studenten und inzwischen mehreren internationalen katholischen Medien als islamisches Gebet bezeichnet wird. Das Video verbreitet sich international – und wirft eine peinliche Frage auf: Wofür steht eigentlich noch das „K“ in KU Leuven?

Eigentlich hätte alles so katholisch sein können. Am 16. September eröffnete die KU Leuven ihr akademisches Jahr 2026/27 traditionsgemäß mit einer feierlichen Messe in der Sint-Pieterskerk. Die Universität selbst bezeichnet sie ausdrücklich als „Celebratory Mass“. Professor Jacques Haers, Pfarrer der Universitätspfarrei, stand der Feier vor, Professor Martijn Steegen hielt die Homilie. Dann erklang jener Gesang, der inzwischen im Internet für Aufregung sorgt.  Der flämisch-katholische Studentenverband KVHV Leuven bezeichnet ihn als „islamitische gezangen“ und kommentiert bitter, die KU Leuven ziehe den Islam ihrer eigenen Identität vor. Auf Instagram brachte der Verband seinen Vorwurf noch hübscher auf den Punkt: „KU Leuven met de K van Koran.“ Das belgische Magazin PAL griff die Kontroverse inzwischen auf.

Auch international verbreitet sich das Video. Catholic Arena bezeichnet den Beitrag als „Muslim prayer in Arabic“, inzwischen spricht auch CatholicVote ausdrücklich von einem islamischen Gebet. Eine offizielle Transkription und Erklärung der KU Leuven steht allerdings weiterhin aus. Die Universität könnte den Streit mit wenigen Sätzen beenden: Was genau wurde gebetet, wer hat es ausgewählt – und weshalb gehörte es in eine katholische Eucharistiefeier? Der Vorgang besitzt schon jetzt seinen eigenen unfreiwilligen Witz: An einer Katholischen Universität muss inzwischen überhaupt darüber diskutiert werden, warum während der katholischen Messe ein als islamisch identifiziertes Gebet erklingt.

Wie katholisch ist diese Universität noch?

Ein aufschlussreiches Vorspiel gab es bereits beim Belgienbesuch von Papst Franziskus 2024. Ausgerechnet anlässlich des bevorstehenden 600-jährigen Jubiläums nutzte KU-Leuven-Rektor Luc Sels die Begrüßung des Papstes, um die Kirche öffentlich wegen ihrer Sexualmoral zu kritisieren und mehr Offenheit für Frauen im Weiheamt, „gender diversity“ und LGBTQIA+ zu fordern. An der französischsprachigen Schwesteruniversität UCLouvain eskalierte der Konflikt am folgenden Tag, nachdem Franziskus die Verschiedenheit von Mann und Frau betont hatte; die Universität distanzierte sich öffentlich von seinen Aussagen. Franziskus ließ sich davon nicht beeindrucken: Auf dem Rückflug bezeichnete er Abtreibung unmissverständlich als „Mord“ und Abtreibungsärzte als „Auftragskiller“. Zudem würdigte er König Baudouin, der 1990 die Unterzeichnung des belgischen Abtreibungsgesetzes verweigert hatte, und kündigte an, dessen Seligsprechungsverfahren voranzubringen.

Natürlich dürfen Muslime an einer Universität ihre Religion praktizieren. Die KU Leuven stellt ihnen dafür sogar Gebetsräume zur Verfügung; nach eigenen Unterlagen existieren außerdem ausdrücklich interreligiöse Feiern. Umso schwerer verständlich ist, warum ausgerechnet die katholische Eucharistie zum Schauplatz solcher Experimente werden muss. Die Messe ist keine interreligiöse Spielwiese. Sie ist weder religionspädagogischer Gemischtwarenladen noch akustisches Diversity-Training. Sie ist nach katholischem Verständnis Opfer und Sakrament, Gedächtnis von Tod und Auferstehung Christi und die Mitte des kirchlichen Lebens.

Zentrum katholischer Wissenschaft von internationalem Rang

Kardinal Mercier (c) Published by NY Times, Public domain, via Wikimedia Commons

Der Vorgang von Leuven ist deshalb ein Lehrstück über einen westeuropäischen Katholizismus, der vor lauter Dialogbereitschaft Gefahr läuft, die Grenzen seiner eigenen Liturgie und Identität zu verwischen. Das „K“ trägt Leuven jedenfalls noch im Namen. Vielleicht sollte man in Leuven also nicht nur nachschlagen, wofür das „K“ im eigenen Namen steht, sondern sich wieder an die große katholische Vergangenheit der Universität erinnern. Löwen gehört zu den traditionsreichsten Universitätsorten Europas; im 19. und 20. Jahrhundert wurde die katholische Universität zu einem Zentrum katholischer Wissenschaft von internationalem Rang. Hier begründete der spätere Kardinal Désiré-Joseph Mercier 1889 sein berühmtes philosophisches Institut und machte Leuven zu einer Hochburg der Erneuerung des Thomismus im Geist von Aeterni Patris. Mit Leuven verbunden waren Gelehrte wie der Thomist Maurice De Wulf, der Theologe Gérard Philips, einer der prägenden Mitarbeiter des Zweiten Vatikanischen Konzils, der Kirchenhistoriker Roger Aubert und der spätere Kardinal Godfried Danneels; auch der junge Karol Wojtyła, der spätere Johannes Paul II., stand mit dem philosophischen Milieu von Leuven in engem wissenschaftlichem Austausch. Eine Universität mit einer solchen Geschichte müsste ihre katholische Identität nichtverschämt relativieren und die Schlüssle zur Stadt ihren Feinden übergeben. Sie müsste nur wieder den Mut besitzen, sich ihrer zu erinnern.


Entdecke mehr von Philosophia Perennis

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.