(David Berger) Während in ganz Spanien Tausende Menschen für Ceuta und gegen die Migrationspolitik der sozialistischen Regierung auf die Straße gehen, meldet sich einer der profiliertesten katholischen Oberhirten des Landes zu Wort. Der Erzbischof von Oviedo, Jesús Sanz Montes, erinnert ausgerechnet in Covadonga an die Reconquista – und fordert Spanien auf, das zurückzugewinnen, „was uns trägt und unsere Identität ausmacht“.
Spanien erlebt derzeit eine unglaublich starke Welle der Solidarität mit Ceuta. Allein in Ceuta gingen Tausende auf die Straße. Ihre unmissverständliche Parole: „Ceuta no se vende, Ceuta se defiende“ – „Ceuta wird nicht verkauft, Ceuta wird verteidigt“. Auslöser der Krise war der 30. und 31. Juli. Nach Angaben der Behörden gelangten damals innerhalb kürzester Zeit rund 72.000 Menschen aus Marokko nach Ceuta. Auch Wochen später befinden sich noch Tausende Migranten in der nur rund 80.000 Einwohner zählenden Stadt.
Besondere politische Brisanz erhält die Krise inzwischen durch einen Bericht der spanischen Nationalpolizei. Demnach soll die Masseneinreise keineswegs spontan erfolgt sein. Der Bericht bezeichnet sie vielmehr als „geplant“ und verweist auf Personen mit Verbindungen zu marokkanischen Sicherheitskräften. Uniformierte und nicht uniformierte marokkanische Kräfte sollen das Geschehen beobachtet beziehungsweise kontrolliert haben; ernsthafte Versuche, die Menschenmenge von der Grenze fernzuhalten, seien nicht festgestellt worden.
Damit erhält der ohnehin seit langem bestehende Konflikt um Ceuta eine neue Dimension. Marokko erhebt Anspruch auf die beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla; Spanien betrachtet beide Städte dagegen als unveräußerlichen Bestandteil seines Staatsgebietes. In dieser aufgeheizten Situation meldete sich nun der Franziskaner und Erzbischof von Oviedo, Jesús Sanz Montes, zu Wort. Auf X schrieb er:
„Spanien hat seine solidarische Unterstützung für Ceuta und Melilla demonstriert. Auch in Covadonga, mitten in der Novene zur Santina (in Asturien gebräuchliche liebevolle Bezeichnung für die Jungfrau von Covadonga). Ein Ort der Reconquista, der uns daran erinnert, dass wir das zurückgewinnen müssen, was wertvoll ist, was uns trägt und unsere Identität ausmacht – angesichts der marokkanischen Ansprüche und der Untätigkeit einer gescheiterten Regierung.“ (Quelle)
Ausgerechnet Covadonga
Der Ort, von dem aus der Erzbischof diese Botschaft sendet, könnte symbolträchtiger kaum sein. Covadonga gilt in der spanischen Erinnerungskultur als Ausgangspunkt der christlichen Reconquista. Der Sieg des asturischen Herrschers Pelayo über muslimische Truppen im frühen 8. Jahrhundert wurde zum Gründungsmythos des jahrhundertelangen christlichen Widerstands gegen die islamische Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel. Derzeit findet dort die traditionelle Novene zu Ehren Unserer Lieben Frau von Covadonga statt. Am 8. September, dem Festtag der „Santina“, wird Sanz Montes selbst die feierliche Eucharistie in Covadonga zelebrieren.
Dass ein spanischer Erzbischof ausgerechnet in dieser Situation den Begriff „Reconquista“ aufgreift, ist daher kaum beiläufig. Sanz Montes ruft selbstverständlich nicht zu einer militärischen Rückeroberung auf. Er verwendet das historische Motiv vielmehr ausdrücklich für die Wiedergewinnung dessen, was Spanien nach seinen Worten „trägt und identifiziert“.
Wie groß der Unterschied zur deutschen Bischofskonferenz ist, fällt dabei unweigerlich ins Auge. Während Sanz Montes die Sorgen vieler Spanier um Grenzen, nationale Identität und das christliche Erbe seines Landes aufgreift und dafür sogar das traditionsreiche Bild der „Reconquista“ bemüht, suchen zahlreiche deutsche Bischöfe die politische Nähe eher im etablierten links-liberalen Milieu. In der Migrationsfrage stehen bei ihnen regelmäßig die Rechte und Interessen der Zuwanderer im Mittelpunkt; gegenüber migrationskritischen Kräften ziehen sie dagegen scharfe politische Grenzen, ihre gleichgeschalteten Medien gehen dabei noch einen Schritt weiter, indem sie das Anliegen der Remigration und der Rettung des christlichen Abendlandes in die Nähe des Nationalsozialismus rücken.
Es gibt noch Bischöfe, denen die kirchliche Lehre wichtig ist…
Natürlich ist die Verteidigung der Menschenwürde jedes Migranten eine genuin christliche Aufgabe. Doch auffällig bleibt die unterschiedliche Gewichtung: Die Sorge vieler einheimischer Gläubiger, was Massenzuwanderung aus islamisch geprägten Ländern langfristig für die kulturelle und christliche Identität Europas bedeutet, findet im öffentlichen Auftreten des deutschen Episkopats erheblich weniger Resonanz. Damit verstoßen diese Kirchenleute permanent gegen die Lehre vom ordo amoris.
Gerade deshalb wirkt Sanz Montes’ Wort aus Covadonga aus deutscher Perspektive beinahe wie eine Stimme aus einer anderen kirchlichen Welt: Hier nimmt ein Bischof die historische und christliche Identität seines Volkes nicht als etwas Peinliches wahr, das überwunden werden müsste, sondern als ein Erbe, das bewahrt und, wo es verloren gegangen ist, zurückgewonnen werden soll. Und gerade angesichts der marokkanischen Ansprüche auf Ceuta und Melilla bekommt das Wort „Reconquista“ eine unübersehbare politische Sprengkraft. Während Spaniens sozialistische Regierung unter Pedro Sánchez um das Verhältnis zu Rabat ringt, erinnert der Erzbischof von Oviedo daran, dass es Dinge gibt, die ein Volk nicht preisgeben kann, ohne irgendwann sich selbst preiszugeben.
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