Griechische EU-Abgeordnete rechnet mit von der Leyen ab: „Sie haben uns ruiniert!“

(David Berger) Mit einer ungewöhnlich scharfen Rede hat die griechische Europaabgeordnete Afroditi Latinopoulou EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen frontal angegriffen. Migration, Bürokratie, Green Deal, Woke-Politik und die Pfizer-Affäre: In kaum mehr als einer Minute formulierte die konservative Politikerin eine Generalabrechnung mit der Politik der EU-Kommission. Ihr Schlusssatz: „Frau von der Leyen, Sie haben uns ruiniert!“

Es war eine jener Reden im Europäischen Parlament, bei denen die diplomatischen Floskeln gar nicht erst bemüht werden. Afroditi Latinopoulou, Vorsitzende der griechischen Partei Foní Loyikís („Stimme der Vernunft“) und Mitglied der Fraktion Patrioten für Europa, wandte sich am 16. September direkt an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Ihre Rede fand im Zusammenhang mit der Debatte über die Lage der Europäischen Union statt.

Latinopoulou ist seit 2024 Mitglied des Europäischen Parlaments. Ihre Partei vertritt einen dezidiert konservativen Kurs und setzt Schwerpunkte bei Migration, Familie und gesellschaftspolitischen Fragen. Im Europäischen Parlament gehört Latinopoulou inzwischen auch dem Vorstand der Fraktion Patrioten für Europa an.

„Sie haben uns mit illegalen Migranten gefüllt“

Schon der erste Satz ließ keinen Zweifel daran, dass Latinopoulou nicht zu einer gewöhnlichen parlamentarischen Wortmeldung angetreten war. Sie warf von der Leyen vor, die Interessen der europäischen Bevölkerung zu missachten, und bezeichnete sie deshalb als „Rassistin gegenüber den Europäern“.

Danach folgte eine schnelle Abrechnung mit zentralen Politikfeldern der vergangenen Jahre. Die Kommissionspräsidentin habe Europa mit illegalen Migranten „gefüllt“ und die Bürger mit Steuern und Bürokratie belastet. Bauern, Viehzüchter und Fischer seien unter Druck geraten, europäische Fabriken würden geschlossen und Arbeitsplätze gingen verloren. Auch die traditionelle Familie sieht Latinopoulou durch die Politik der EU geschwächt.

Besonders scharf wurde die Griechin beim gesellschaftspolitischen Kurs der Europäischen Union. Sie warf von der Leyen vor, Europa eine „grüne Verrücktheit“, eine „Woke-Agenda“ und die „Islamisierung Europas“ aufzuzwingen. In ihrer Kritik an der Migrationspolitik verband Latinopoulou Migration außerdem pauschal mit schweren Straftaten. Dabei handelt es sich um die politische Darstellung der Abgeordneten, nicht um eine durch die Rede selbst belegte statistische Aussage.

Dann folgte einer der pointiertesten Sätze ihrer Rede. Während Europa nach ihrer Darstellung mit fundamentalen Problemen konfrontiert sei, habe die EU ihren Bürgern vor allem eines beschert:

„Aber … Sie haben uns Papierstrohhalme, befestigte Flaschendeckel und Gay Pride gegeben!“

Der Spott zielte auf eine EU-Politik, die nach Auffassung Latinopoulous Nebensächlichkeiten bis ins Detail reguliere, während sie bei Migration, Wirtschaft und gesellschaftlichem Zusammenhalt versage.

„Sie haben Merkel übertroffen“

Auch Angela Merkel bekam ihr Fett weg. Von der Leyen sei nicht lediglich deren „beste Schülerin“, erklärte Latinopoulou: „Sie haben sie übertroffen.“

Anschließend wandte sie sich der sogenannten Pfizer-Affäre zu. Latinopoulou sprach von „Pfizergate“, verschwundenen Nachrichten und mangelnder Kontrolle und erhob gegen von der Leyen schwere Vorwürfe. Hier ist allerdings eine sachliche Unterscheidung notwendig: Die Transparenz des Umgangs der Kommission mit den Textnachrichten zwischen von der Leyen und Pfizer-Chef Albert Bourla war Gegenstand institutioneller und gerichtlicher Auseinandersetzungen. Daraus folgt jedoch nicht automatisch ein Nachweis persönlicher Korruption der Kommissionspräsidentin. Die weitergehende Bewertung ist Latinopoulous politischer Vorwurf.

Zum Schluss stellte die griechische Abgeordnete die Frage nach der demokratischen Legitimation der Machtfülle der Kommissionspräsidentin. Von der Leyen werde nicht unmittelbar von den europäischen Bürgern zur Kommissionspräsidentin gewählt. Latinopoulou verwies stattdessen auf die politischen Mehrheiten im Europäischen Parlament und insbesondere auf die Unterstützung durch Sozialdemokraten und EVP-Chef Manfred Weber.

Dann fiel der Satz, der die gesamte Rede zusammenfasste:

„Frau von der Leyen, Sie haben uns ruiniert!“

Im griechischen Original lautet die Formulierung „μας ρημάξατε“ (mas rimáxate). Man könnte sie je nach Tonlage auch kräftiger mit „Sie haben uns verwüstet“ oder „Sie haben uns zugrunde gerichtet“ wiedergeben. Gerade diese Schärfe entspricht dem Ton der gesamten Rede. Mehrere griechische Medien dokumentierten die Wortmeldung und ihren Wortlaut.

Latinopoulous Auftritt zeigt damit vor allem, wie grundsätzlich inzwischen Teile der europäischen Rechten die Politik der Kommission angreifen. Statt über einzelne Richtlinien oder Detailfragen zu streiten, stellte die griechische Abgeordnete Migration, Green Deal, Gesellschaftspolitik, Wirtschaft und demokratische Legitimation in einen gemeinsamen politischen Zusammenhang.

Ob man ihre Diagnose teilt oder nicht: An Deutlichkeit ließ Latinopoulou an diesem Tag jedenfalls nichts fehlen.

*

Hier die Rede in deutscher Übersetzung:

„Frau von der Leyen,

es gibt niemanden, der rassistischer gegenüber den Europäern ist als Sie – und dafür gibt es Beweise.

Sie haben uns mit illegalen Migranten überschwemmt. Sie haben uns mit Steuern und Bürokratie erdrückt. Sie haben unsere Bauern, Viehzüchter und Fischer zugrunde gerichtet. Sie schließen Europas Fabriken, und Hunderttausende Arbeitsplätze gehen verloren.

Sie haben die traditionelle Familie zerstört. Sie zwingen uns die Woke-Agenda, den grünen Wahnsinn und die Islamisierung Europas auf.

Aus unseren eigenen Taschen finanzieren Sie Millionen illegaler Migranten, die unsere Stadtviertel zerstört haben. Sie vergewaltigen, belästigen und morden – und am Ende geben Sie ihnen auch noch Papiere, damit sie wählen können.

Aber dafür haben Sie uns Papierstrohhalme, fest verbundene Flaschendeckel und Gay Pride gegeben.

Sie sind nicht einfach nur Merkels beste Schülerin. Sie haben Merkel übertroffen, Frau von der Leyen.

Sie stecken tief in Skandalen, bei denen begründete Verdachtsmomente auf Korruption bestehen: Pfizergate, verschwundene Nachrichten und Ihre Weigerung, sich einer Kontrolle zu unterziehen.

Und all das ohne die Legitimation durch die Stimmen der europäischen Bürger – allein mit der Rückendeckung der Sozialisten und Webers.

Frau von der Leyen, Sie haben uns ruiniert.“

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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