Sorge um Deutschlands Kreditwürdigkeit wächst

62

Deutschland galt über Jahrzehnte als Inbegriff solider Staatsfinanzen. Wer dem deutschen Staat Geld lieh, musste sich um sein Geld kaum Sorgen machen. Doch selbst dieser Vertrauensvorschuss scheint zu bröckeln. Nach Informationen des Handelsblatts wächst innerhalb der Bundesregierung die Sorge, Deutschland könne seine Spitzenbonität verlieren. Die Folgen wären erheblich: Höhere Zinsen auf Staatsanleihen würden den Bundeshaushalt Jahr für Jahr mit zusätzlichen Milliarden belasten.

Damit zeichnet sich ab, wovor finanzpolitische Kritiker seit Langem warnen. Ein Staat kann seine Schulden nicht beliebig ausweiten und zugleich darauf vertrauen, dass die Finanzmärkte dies dauerhaft gelassen hinnehmen. Irgendwann verlangen Investoren einen höheren Risikoaufschlag – und genau das könnte Deutschland nun bevorstehen.

Umso erstaunlicher ist diese Entwicklung vor dem Hintergrund der politischen Versprechen der vergangenen Jahre. Während vor den Wahlen Haushaltsdisziplin und wirtschaftliche Vernunft beschworen wurden, folgten danach milliardenschwere Sondervermögen, neue Kreditaufnahmen und immer weitere Ausgabenprogramme. Am heftigsten ausgerechnet unter BlackRock-Mann Friedrich Merz. Bezahlen müssen das am Ende nicht die politischen Entscheidungsträger, sondern die Bürger.

Schwächephase der deutschen Wirtschaft eskaliert immer mehr

Jeder zusätzliche Euro, der künftig für Zinsen aufgewendet werden muss, fehlt an anderer Stelle – bei Investitionen in Straßen und Brücken, in Schulen, die innere Sicherheit oder bei einer spürbaren Entlastung der Steuerzahler. Ein Staat, der immer größere Teile seines Haushalts für den Schuldendienst aufbringen muss, verliert zwangsläufig finanziellen Spielraum.

Dabei kommt die drohende Herabstufung keineswegs aus heiterem Himmel. Deutschlands Wirtschaft steckt seit Jahren in einer hartnäckigen Schwächephase. Hohe Energiepreise, zunehmende Bürokratie, eine stockende Industrieproduktion und stetig steigende Sozialausgaben belasten die Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig wächst die Verschuldung in einem Tempo, das vor wenigen Jahren noch als unvorstellbar gegolten hätte.

Sollte Deutschland tatsächlich seine Spitzenbonität verlieren, wäre das weit mehr als ein Imageschaden. Es wäre ein Misstrauensvotum der internationalen Finanzmärkte gegenüber der Finanzpolitik der Bundesregierung. Ein Land, das jahrzehntelang als Stabilitätsanker Europas galt, würde damit einen Teil seines wichtigsten wirtschaftlichen Kapitals verspielen: das Vertrauen. Noch ist eine Herabstufung nicht erfolgt. Dass eine solche Möglichkeit inzwischen selbst innerhalb der Bundesregierung ernsthaft diskutiert wird, sollte jedoch aufhorchen lassen. Wer dauerhaft über seine Verhältnisse lebt, darf sich nicht wundern, wenn irgendwann auch die Kreditgeber genauer hinsehen.