(David Berger) Die ersten Prognosen zu den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern zeigen erhebliche Verschiebungen der politischen Kräfteverhältnisse. Während in Berlin die Linke mit großem Abstand stärkste Kraft wird, liegt in Mecklenburg-Vorpommern die AfD nach den ersten Prognosen knapp vor der SPD – und gewinnt gegenüber 2021 mehr als 20 Prozentpunkte hinzu.
Es sind zunächst nur Prognosen, keine amtlichen Wahlergebnisse. Doch die um 18 Uhr veröffentlichten Zahlen von ARD/Infratest dimap und ZDF/Forschungsgruppe Wahlen zeigen bereits eine klare Tendenz: In beiden Ländern verlieren die bisherigen Regierungsparteien erheblich. Die großen Gewinner sind allerdings unterschiedliche Parteien: in Berlin die Linke, in Mecklenburg-Vorpommern die AfD. Ganz bitter die erneuten Verluste für die CDU: Friedrich Merz hat aus dem Bunker des Konrad-Adenauer-Hauses bekräftigt, dass er nicht mehr alles schlecht reden lassen will, sondern in Gedenken an Ludwig Erhard jetzt als Bundeskanzler und Parteivorsitzender erst richtig loslegen will.
Berlin: Linke triumphiert – CDU und SPD verlieren deutlich
Nach der ersten ZDF-Prognose erreicht die Linke in Berlin 26 Prozent. Dahinter folgt die CDU mit 20 Prozent. Die Grünen kommen auf 15,5 Prozent, die AfD auf 13,5 Prozent und die SPD auf nur noch 12 Prozent. Das BSW liegt bei genau 5 Prozent und damit zunächst unmittelbar auf der entscheidenden Schwelle für den Einzug ins Abgeordnetenhaus. Die ARD sieht die Linke mit 24,5 Prozent ebenfalls mit deutlichem Abstand auf Platz eins.
Damit zeichnet sich erstmals ein Sieg der Linken bei einer Berliner Abgeordnetenhauswahl ab. Noch bei der Wiederholungswahl 2023 hatte sie lediglich 12,2 Prozent erreicht. Das ZDF weist gegenüber damals einen Zuwachs von 13,8 Prozentpunkten aus.
Für die CDU ist das Ergebnis dagegen ein schwerer Rückschlag. 2023 war sie mit 28,2 Prozent noch klar stärkste Kraft geworden. Nach der ZDF-Prognose verliert sie nun 8,2 Prozentpunkte und landet bei 20 Prozent. Noch härter trifft es die SPD. Sie fällt von 18,4 Prozent im Jahr 2023 auf prognostizierte 12 Prozent. Damit würde die Partei, die über Jahrzehnte die Berliner Landespolitik geprägt hat, nur noch auf Platz fünf liegen. Die Berliner AfD mit ihrer Spitzenkandidatin Kristin Brinker legt ebenfalls zu, allerdings erheblich weniger stark als zuletzt in den Umfragen erwartet. Das ZDF sieht sie bei 13,5 Prozent und damit 4,4 Prozentpunkte über ihrem Ergebnis von 2023. Die ARD-Prognose bestätigt die Reihenfolge Linke vor CDU, Grünen und AfD.
Damit hat die AfD in Berlin zwar einen deutlichen Zuwachs erzielt, von der zwischenzeitlich in Umfragen möglichen Verdoppelung ihres Stimmenanteils ist nach den ersten Prognosen jedoch nichts geblieben. Noch zehn Tage vor der Wahl hatte Infratest dimap sie bei 18 Prozent gesehen. Dr. Christoph Berndt (AfD) dazu: „Ohne Wenn und Aber: Ein solches Ergebnis wäre für Berlin eine Katastrophe und für die AfD eine Enttäuschung.
Mecklenburg-Vorpommern: AfD erstmals vor der SPD
Ganz anders stellt sich das Bild in Mecklenburg-Vorpommern dar. Hier liegt die AfD nach den ersten Prognosen knapp vor der seit Jahren dominierenden SPD. Sowohl ARD als auch ZDF sehen ein enges Rennen mit einem Vorsprung der AfD. Die ZDF-Prognose der Forschungsgruppe Wahlen sieht die AfD bei 38 Prozent, die SPD bei 36,5 Prozent. Mit weitem Abstand folgen die Linke mit 6 Prozent, die Grünen mit 5,5 Prozent und die CDU mit gerade einmal 5 Prozent. Das BSW liegt mit 4,8 Prozent knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde, die FDP erreicht nur noch 1 Prozent.
Für die AfD ist das ein gewaltiger Sprung. Bei der Landtagswahl 2021 hatte sie 16,7 Prozent erreicht. Nach der ZDF-Prognose gewinnt sie nun 21,3 Prozentpunkte hinzu und kommt auf mehr als das Doppelte ihres damaligen Stimmenanteils.
Die Partei war mit Leif-Erik Holm und Enrico Schult als Spitzenduo in den Wahlkampf gezogen. Holm forderte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig zudem direkt in deren Schweriner Wahlkreis heraus. Schon in den letzten Wochen hatte sich abgezeichnet, dass aus dem Abstand zwischen SPD und AfD von fast 23 Prozentpunkten bei der Wahl 2021 ein Kopf-an-Kopf-Rennen werden könnte.
Nun liegt nach den ersten Prognosen tatsächlich die AfD vorn. Ob dieser knappe Vorsprung die kommenden Hochrechnungen und die Briefwahlergebnisse übersteht, ist allerdings völlig offen.
CDU in Mecklenburg-Vorpommern am Abgrund
Mindestens ebenso einschneidend ist das Ergebnis der CDU. Sie hatte bereits 2021 mit 13,3 Prozent ihr bis dahin schlechtestes Resultat in Mecklenburg-Vorpommern erzielt. Das ZDF sieht sie nun bei nur noch 5 Prozent – ein Verlust von 8,3 Prozentpunkten.
Damit muss die CDU nach der ersten Prognose sogar um ihren Einzug in den Schweriner Landtag bangen. Bereits vor der Wahl hatten die Umfragen sie nur noch bei sechs bis sieben Prozent gesehen.
Auch die SPD verliert trotz ihrer Aufholjagd während der letzten Wahlkampfwochen. Von den 39,6 Prozent des Jahres 2021 bleiben nach der ZDF-Prognose 36,5 Prozent. Das entspricht einem Minus von 3,1 Prozentpunkten. Angesichts des zwischenzeitlich erheblichen Rückstands auf die AfD fällt ihr Verlust allerdings deutlich geringer aus als noch vor einigen Wochen erwartet worden war.
Zwei Wahlen verändern die politische Landschaft
Die beiden Wahlen liefern damit sehr unterschiedliche Bilder. In Berlin ist die Linke nach den ersten Prognosen der große Gewinner. CDU und SPD verlieren deutlich, während die AfD zwar gegenüber 2023 zulegt, aber hinter ihren letzten Umfragewerten zurückbleibt.
In Mecklenburg-Vorpommern dagegen steht die AfD im Mittelpunkt des Wahlabends. Von 16,7 auf prognostizierte 38 Prozent innerhalb einer einzigen Wahlperiode ist ein Zuwachs von 21,3 Prozentpunkten. Gleichzeitig fällt die CDU nach der ZDF-Prognose bis auf die Fünf-Prozent-Marke zurück.
Welche Regierungen daraus entstehen können, ist zu diesem frühen Zeitpunkt offen. In Mecklenburg-Vorpommern haben die anderen Parteien eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen. In Berlin ergeben sich je nach endgültigem Einzug des BSW verschiedene rechnerische Mehrheiten.
Vor allem aber gilt: Dies sind die ersten Prognosen von 18 Uhr. Die Hochrechnungen können die Zahlen im Laufe des Abends noch erheblich verschieben. Bei einem Abstand von nur eineinhalb Prozentpunkten zwischen AfD und SPD in Mecklenburg-Vorpommern sowie CDU und BSW unmittelbar an der Fünf-Prozent-Hürde ist dort noch nichts endgültig entschieden.
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