Penzberg: Wenn Kirchenglocken und Muezzinruf offiziell gleichgestellt werden

(David Berger) Mit einem bundesweit wohl einmaligen Hinweisschild stellt die Stadt Penzberg nahe München katholische und evangelische Gottesdienste auf eine Ebene mit dem muslimischen Freitagsgebet. Was als „Zeichen des Miteinanders“ gefeiert wird, ist Zeichen eines selbstvergessenen, toxischen Islam-Appeasements.

In Penzberg in Oberbayern wurde erstmals ein offizielles Hinweisschild aufgestellt, das neben den Gottesdienstzeiten der katholischen und evangelischen Kirche auch auf das muslimische Freitagsgebet in der örtlichen Moschee verweist. Gemeinsam enthüllt wurde das Schild von Bürgermeister Thomas Kopf, dem katholischen Pfarrer Bernhard Holz, dem evangelischen Pfarrer Julian Lademann und dem Imam Benjamin Idriz. Die beteiligten Kirchenvertreter sprechen von einem „Zeichen des Miteinanders“. Doch genau darin liegt das Problem.

Denn das Schild vermittelt den Eindruck, als handle es sich bei Christentum und Islam um gleichartige religiöse Ausdrucksformen, die lediglich unterschiedliche Wege zu demselben Ziel darstellen. Aus christlicher Sicht ist eine solche Gleichsetzung ohnehin höchst problematisch. Der Islam lehnt zentrale Glaubenswahrheiten des Christentums ausdrücklich ab: die Gottessohnschaft Jesu Christi, seine Kreuzigung und Auferstehung sowie die Lehre von der Dreifaltigkeit.

Unkritische Symbolpolitik fehl am Platz

Hinzu kommt eine gesellschaftspolitische Dimension, die in den offiziellen Verlautbarungen kaum zur Sprache kommt. Das Freitagsgebet ist im Islam nicht nur eine religiöse Feier, sondern besitzt traditionell auch eine gemeinschaftliche und – je nach Ausrichtung der Moschee – politische Bedeutung. Dies ist praktisch auch gar nicht zu vermeiden, da der Islam keine Trennung von Staat bzw. Politik und Religion kennt. Gerade deshalb beobachten Verfassungsschutzbehörden in Deutschland seit Jahren einzelne Moscheevereine und islamistische Netzwerke mit besonderer Aufmerksamkeit. Daraus folgt selbstverständlich nicht, dass jede Moschee extremistisch wäre. Wohl aber, dass eine unkritische Symbolpolitik fehl am Platz ist.

Constantin Schreiber kam nach seinen Besuchen zahlreicher Freitagsgebete schon vor Jahren zu dem alarmierenden Befund, dass in einem sehr großen Teil deutscher Moscheen nicht Integration, sondern Abschottung gepredigt werde. Statt zur Eingliederung in die deutsche Gesellschaft würden Gläubige teilweise dazu angehalten, sich von Nichtmuslimen abzugrenzen und islamische Gebote über die Werte des demokratischen Rechtsstaates zu stellen. Schreiber warnte deshalb vor einer Entwicklung, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt nachhaltig gefährden könne.

Bemerkenswert ist zudem die Asymmetrie. Während in Deutschland immer neue Zeichen der Anerkennung islamischer Einrichtungen gesetzt werden, genießen Christen in zahlreichen islamisch geprägten Staaten keine vergleichbare Freiheit. In Saudi-Arabien sind öffentliche christliche Gottesdienste weiterhin verboten. In Afghanistan, Iran oder Teilen Nigerias leben Christen unter erheblichem Druck oder werden sogar verfolgt. Von Hinweisschildern auf christliche Gottesdienste an Ortseingängen kann dort keine Rede sein.

Geschichte, Kultur und Rechtsordnung Deutschlands ohne Christentum undenkbar

Was immer mehr in Vergessenheit gerät: Nicht jede Form religiöser Präsenz im öffentlichen Raum muss zwangsläufig gleich behandelt werden. Das Christentum aufgrund seiner prägenden Rolle für die Geschichte, Kultur und Rechtsordnung Deutschlands einen besonderen Stellenwert. Und das noch mehr in Bayern, dessen Hymne ein christliches Gebet ist und in dessen ursprünglichem geographischen Mittelpunt eine goldene Statue der Muttergottes steht.

Daher ist das Penzberger Schild kein harmloses Zeichen des Dialogs. Vielmehr steht es exemplarisch für eine Entwicklung, in der das christliche Fundament unseres Landes zunehmend relativiert wird. Aus einer historisch gewachsenen christlichen Kultur soll eine religiös neutrale Beliebigkeit werden – und gerade diese Beliebigkeit gefährdet am Ende die Identität dessen, was Deutschland über Jahrhunderte geprägt hat. Dass Christen Andersgläubigen mit Respekt begegnen sollen, steht außer Frage. Respekt bedeutet jedoch nicht Selbstverleugnung. Echter Dialog setzt ein klares eigenes Profil voraus. Wer die Unterschiede zwischen Christentum und Islam aus falsch verstandenem Harmoniebedürfnis verwischt, dient weder der Wahrheit noch einem dauerhaften friedlichen Zusammenleben. Gerade weil Dialog wichtig ist, darf er nicht auf Kosten der eigenen religiösen Identität geführt werden.

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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