Portugal zieht die Reißleine: Burka-Verbot und schärferes Einwanderungsrecht beschlossen

(David Berger) Während Deutschland und zahlreiche andere westeuropäische Staaten weiterhin darüber streiten, wie weit sie die Islamisierung tolerieren wollen, setzt Portugal ein deutliches Signal. Das Parlament in Lissabon hat ein Verbot der islamischen Vollverschleierung im öffentlichen Raum beschlossen und zugleich das Einwanderungsrecht deutlich verschärft.

Der von der rechten Partei Chega eingebrachte Gesetzentwurf erhielt auch Unterstützung aus dem konservativen Lager. Künftig sollen Burka und andere Formen der vollständigen Gesichtsverschleierung in öffentlich zugänglichen Bereichen grundsätzlich verboten sein.

Wer gegen das Verbot verstößt, muss mit empfindlichen Sanktionen rechnen. Bei fahrlässigen Verstößen sind Geldbußen zwischen 200 und 2.000 Euro vorgesehen, bei vorsätzlichem Handeln sogar zwischen 400 und 4.000 Euro. Ausnahmen gelten lediglich in eng begrenzten Fällen, etwa aus medizinischen oder beruflichen Gründen sowie in Flugzeugen, diplomatischen Vertretungen oder Gotteshäusern.

„Wer unsere Kultur hasst, kann zurückgehen“

Chega-Vorsitzender André Ventura begründete das Vorhaben mit ungewöhnlicher Deutlichkeit: „Wer unsere Kultur hasst, kann auch in sein Land zurückgehen.“ Ursprünglich hatte seine Partei sogar Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren gefordert. Im parlamentarischen Verfahren einigte man sich schließlich auf Geldstrafen.

Das Burka-Verbot ist allerdings nur ein Teil eines umfassenderen politischen Kurswechsels. Gleichzeitig beschloss das Parlament eine deutliche Verschärfung des Einwanderungsrechts. Auch die bislang vergleichsweise liberalen Vorschriften zur Änderung des Geschlechtseintrags sollen eingeschränkt werden.

Symbol einer Parallelgesellschaft

Die Burka ist weit mehr als ein religiöses Kleidungsstück. Sie steht für ein Frauenbild, das mit den Grundüberzeugungen Europas kaum vereinbar ist. Wo das Gesicht eines Menschen vollständig aus dem öffentlichen Raum verschwindet, wird nicht nur Kommunikation erschwert, sondern auch Integration praktisch unmöglich gemacht. Die Vollverschleierung ist deshalb für viele Europäer zum sichtbaren Symbol islamischer Parallelgesellschaften geworden. Mehrere europäische Staaten haben daraus bereits Konsequenzen gezogen. Frankreich, Belgien, Österreich, Dänemark und weitere Länder kennen seit Jahren entsprechende Einschränkungen oder Verbote. Portugal reiht sich nun in diese Entwicklung ein.

Ganz abgeschlossen ist das Gesetzgebungsverfahren allerdings noch nicht. Der Entwurf muss dem sozialistischen Präsidenten José Seguro vorgelegt werden. Dieser kann das Gesetz unterzeichnen, sein Veto einlegen oder das Verfassungsgericht anrufen. Sollte der Präsident jedoch ein Veto einlegen, könnte das Parlament dieses mit absoluter Mehrheit überstimmen. In diesem Fall wäre Seguro verpflichtet, das Gesetz dennoch zu unterzeichnen.

Europa beginnt umzudenken

Die Entscheidung aus Portugal zeigt einmal mehr, dass sich in Europa der politische Wind verändert. Nach Jahren einer nahezu grenzenlosen Migrationspolitik und einer oft erstaunlichen Nachsicht gegenüber Symbolen islamischer Parallelgesellschaften wächst in immer mehr Ländern der Wille, die eigene kulturelle Identität und öffentliche Ordnung wieder entschiedener zu verteidigen.

Während in Deutschland noch häufig darüber diskutiert wird, ob entsprechende Maßnahmen überhaupt zulässig oder politisch opportun seien, schafft Portugal Fakten. Ob dieser Kurs Bestand haben wird, hängt nun auch von der Entscheidung des Präsidenten ab. Doch bereits heute ist die Botschaft des Parlaments unmissverständlich: Wer dauerhaft in Portugal leben will, soll die grundlegenden Regeln und kulturellen Grundlagen des Landes respektieren.

Reconquista und Remigration

Dass ausgerechnet Portugal nun einen solchen Kurs einschlägt, ist auch historisch spannend. Große Teile des Landes standen seit dem frühen 8. Jahrhundert unter islamischer Herrschaft; besonders im Süden prägte Al-Andalus über Jahrhunderte Städte, Landwirtschaft und Handel. Zugleich entstand das portugiesische Königtum wesentlich im Zuge der Reconquista. Mit der Einnahme der Algarve im Jahr 1249 war die muslimische Herrschaft auf portugiesischem Boden beendet – deutlich früher als im benachbarten Spanien. Die Rückeroberung gehört damit nicht nur zur mittelalterlichen Geschichte des Landes, sondern zu den Fundamenten seines nationalen Selbstverständnisses.

 

Domingos Sequeira, Schlacht von Ourique am 25. Juli 1139

Auch danach blieb Portugal über Jahrhunderte mit muslimischen Mächten Nordafrikas konfrontiert – durch Piraterie, Küstenüberfälle, Versklavung und militärische Auseinandersetzungen. Die portugiesische Identität formte sich daher in enger Verbindung mit dem katholischen Glauben und der Vorstellung, Teil des christlichen Abendlandes zu sein. Vor diesem Hintergrund wirkt das Burka-Verbot nicht lediglich wie eine aktuelle integrationspolitische Maßnahme. Es berührt eine tiefere historische Erinnerung: die Frage, ob Portugal seine kulturelle Eigenart selbstbewusst bewahren oder islamischen Parallelstrukturen erneut Raum geben will.

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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