Als der damalige Prinz Charles bereits in den 1990er Jahren erklärte, er sehe sich lieber als Defender of Faith denn als Defender of the Faith, hielten viele dies für eine unbedachte Formulierung eines Mannes, der für interreligiösen Dialog schwärmte. Nun hat der britische König diesen Gedanken offenbar in die Praxis umgesetzt – und damit einen jahrhundertealten christlichen Anspruch der britischen Krone faktisch preisgegeben.
Im aktuellen Rechenschaftsbericht des Königshauses taucht der traditionelle Titel „Defender of the Faith“ („Verteidiger des Glaubens“) nicht mehr in seiner bisherigen Bedeutung auf. Stattdessen wird Charles als „Beschützer des Raums für Glauben innerhalb einer multireligiösen Nation“ beschrieben. Aus dem Verteidiger des christlichen Glaubens wird ein Garant religiöser Beliebigkeit. Dabei geht es keineswegs um eine bloße sprachliche Nuance. Worte schaffen Wirklichkeit – insbesondere dann, wenn sie den offiziellen Auftrag eines Monarchen beschreiben. Und religiöse Beliebigkeit, verbunden mit dem Agnostizismus, schafft ein Vakuum, in das derzeit am erfolgreichsten der Islam einströmt.
Von Papst Leo X. 1521 verliehen
Der Titel Fidei Defensor besitzt eine lange und bemerkenswerte Geschichte. Papst Leo X. verlieh ihn 1521 König Heinrich VIII. für dessen Verteidigung der sieben Sakramente gegen Martin Luther. Nach Heinrichs Bruch mit Rom entzog der Papst den Titel zwar wieder, doch das englische Parlament verlieh ihn der Krone anschließend neu – nun als Ausdruck der Verantwortung des Monarchen für den anglikanischen Glauben. Seit Jahrhunderten gehört dieser Titel untrennbar zum Selbstverständnis der britischen Monarchie.
Charles scheint mit dieser Verpflichtung jedoch nie wirklich glücklich gewesen zu sein. Seine Sympathien für einen religiösen Pluralismus sind seit Jahrzehnten bekannt. Bereits lange vor seiner Thronbesteigung sprach er davon, lieber Verteidiger aller Glaubensrichtungen, hier besonders des in England immer weiter zunehmenden Islam, sein zu wollen.
Bruch mit dem Geist des Krönungseides
Dass dies auf heftige Kritik stößt, überrascht nicht. Ein ehemaliger Hofkaplan von Königin Elizabeth II. sprach sogar von einem „Verrat am Amt“ und einem Bruch mit dem Geist des Krönungseides. Der Monarch sei schließlich nicht dazu berufen, jede Religion gleichermaßen zu fördern, sondern stehe kraft seines Amtes an der Spitze der Church of England.
Man muss nicht einmal Katholik sein, um die Tragweite dieser Entwicklung zu erkennen. Denn der Titel „Verteidiger des Glaubens“ bedeutete nie, Andersgläubige zu verfolgen oder ihnen ihre Religionsfreiheit abzusprechen. Er bedeutete vielmehr, dass der Staat sich seiner geistigen Grundlage bewusst war. Ein Gemeinwesen, das weiß, worauf es gegründet ist, kann anderen mit Respekt begegnen, ohne seine eigene Identität aufzugeben.
Charles hingegen scheint genau diesen letzten Schritt zu vollziehen: Nicht mehr das Christentum bildet den normativen Bezugspunkt, sondern die Gleichrangigkeit sämtlicher Religionen. Aus einer Wahrheit wird ein Angebot unter vielen. Gerade hierin zeigt sich der eigentliche Geist unserer Zeit. Der moderne Westen glaubt nicht mehr an den Vorrang einer Wahrheit. Alles soll gleich gültig sein, solange niemand den Anspruch erhebt, dass eine Religion wahrer sein könnte als eine andere. Der Relativismus wird zur neuen Staatsphilosophie.
Sieg für die Islamisierung
Ironischerweise verliert dadurch ausgerechnet der Begriff der Toleranz seinen Sinn. Denn echte Toleranz setzt voraus, dass man selbst eine Überzeugung besitzt, die man anderen nicht aufzwingt. Wer dagegen überhaupt keine verbindliche Wahrheit mehr kennt, muss auch nichts mehr tolerieren – weil letztlich alles gleichgültig geworden ist. Für Christen ist diese Entwicklung besonders weitreichend. Christus hat nie erklärt: „Ich bin ein Weg unter vielen.“ Seine Worte lauten vielmehr: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Zwischen diesem Wahrheitsanspruch und einem staatlich geförderten religiösen Pluralismus besteht ein unübersehbarer Gegensatz.
Dass ausgerechnet der Oberste Gouverneur der Church of England diesen Unterschied nun verwischt, besitzt daher weit mehr als symbolische Bedeutung. Es dokumentiert den geistigen Zustand eines Landes, das seine christlichen Wurzeln zwar museal pflegt, sie aber immer weniger als Fundament seiner eigenen Identität versteht. Nicht der Titel wurde geändert. Geändert hat sich das Verständnis davon, was Wahrheit überhaupt noch bedeutet. Und wo die Wahrheit ihren Vorrang verliert, wird schließlich auch der Glaube selbst zu einer kulturellen Folklore – respektiert, geschützt, aber nicht mehr bekannt. Und auf absehbare Zeit wird das Christentum dann abgelöst von einer Religion, die ihre Wahrheit vor allem mit Gewalt und ohne jeden Skrupel auszubreiten gewohnt ist.
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