AfD erstmals stärkste Kraft in Berlin – Politisches Erdbeben in der einstigen linken Hochburg

(David Berger) Noch vor wenigen Jahren galt Berlin als uneinnehmbare Bastion der politischen Linken. Nun zeichnet eine aktuelle INSA-Umfrage ein völlig anderes Bild: Erstmals liegt die AfD in der Hauptstadt auf Platz eins – vor CDU, Linken, Grünen und SPD. Sollte sich dieser Trend bei der Wahl bestätigen, wäre dies weit mehr als ein gewöhnlicher Stimmungswechsel. Es wäre ein politisches Signal mit bundesweiter Strahlkraft.

Nach der im Auftrag von NIUS erhobenen und von Apollo News veröffentlichten INSA-Erhebung erreicht die AfD 19 Prozent der Stimmen. Dahinter folgen CDU und Linke mit jeweils 18 Prozent. Die Grünen kommen auf 16 Prozent, während die SPD mit nur noch 13 Prozent weiter abstürzt. FDP und BSW würden mit jeweils vier Prozent den Einzug ins Abgeordnetenhaus verfehlen.

Einstiges Symbol einer links dominierten Politik

Besonders bemerkenswert ist dabei nicht nur die Platzierung der AfD, sondern der Ort dieses Erfolges. Berlin galt jahrzehntelang als politisches Zentrum rot-grüner Mehrheiten. Die Hauptstadt war Symbol einer links dominierten Politik, in der Themen wie Migration, Klima, Diversity oder Genderpolitik den öffentlichen Diskurs prägten. Dass ausgerechnet hier nun die AfD erstmals an der Spitze einer Umfrage steht, unterstreicht die Dynamik, mit der sich derzeit die politische Landschaft verändert.

Die Zahlen zeigen zugleich den dramatischen Niedergang der bisherigen Volksparteien. Während die Wegner/Evers-CDU gegenüber der vorherigen INSA-Erhebung zwei Prozentpunkte verliert, büßt die SPD sogar drei Punkte ein und rutscht auf einen historischen Tiefstand ab. Profitieren können neben der AfD vor allem die Linken, die sich ebenfalls verbessern.

Für die Regierungsbildung würde das Ergebnis allerdings kaum einfache Lösungen bieten. Da sämtliche etablierten Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD weiterhin ausschließen, blieben rechnerisch erneut komplizierte Mehrparteienbündnisse notwendig. Gerade diese Konstellation dürfte jedoch den Eindruck vieler Wähler verstärken, dass Wahlergebnisse zunehmend hinter parteipolitischen Abgrenzungsbeschlüssen zurücktreten.

Erstmals Sprung an die Spitze

Die Entwicklung fügt sich zugleich in einen längerfristigen Trend ein. Bereits Anfang des Jahres hatte die AfD in Berliner Umfragen erstmals den zweiten Platz erreicht. Nun gelingt ihr erstmals der Sprung an die Spitze. Allerdings mahnt ein Blick auf andere aktuelle Erhebungen zur Vorsicht. Eine erst vor wenigen Tagen veröffentlichte Infratest-dimap-Umfrage für den RBB sah dagegen die Linke mit 22 Prozent vor der CDU (20 Prozent), während die AfD dort auf 16 Prozent kam. Die Unterschiede verdeutlichen, dass der Wahlkampf weiterhin offen ist und verschiedene Institute derzeit zu unterschiedlichen Ergebnissen gelangen.

Dennoch dürfte das psychologische Moment kaum zu unterschätzen sein. Erstmals kann die AfD in Berlin für sich reklamieren, in einer repräsentativen Umfrage stärkste Kraft zu sein. Aus einer Partei, die in der Hauptstadt lange als politischer Außenseiter galt, ist unter der Leitung der weit über die Parteigrenzen hinaus beliebten und für ihre Fachkompetenz anerkannten Kristin Brinker innerhalb weniger Jahre ein ernsthafter Anwärter auf die Spitzenposition geworden.

Konsequente, sachbezogene Oppositionsarbeit

Brinker dazu in einer ersten Stellungnahme: „Streitereien im Senat, fehlender Kompass bei den Regierungsparteien: Die Berliner haben genug von ständigen politischen Eskapaden und Versprechungen. 19% für die AfD zeigen: Konsequente, sachbezogene Oppositionsarbeit zahlt sich aus. Wir bleiben der verlässliche Ansprechpartner für unsere Stadt – ohne politisches Theater, sondern mit Blick auf die Realität.“

Ob sich dieser Trend bis zur Wahl verstetigt oder lediglich eine Momentaufnahme bleibt, werden die kommenden Wochen zeigen. Schon jetzt aber ist klar: Die politische Statik Berlins gerät zunehmend ins Wanken. Eine Stadt, die lange als Fremdschäm-Schaufenster tragischer linker Politik galt, ist heute offener denn je für einen grundlegenden politischen Richtungswechsel.

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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