Klimafasten ja – Leihmutterschaft nein? Das dröhnende Schweigen der deutschen Bischöfe

(David Berger) Leihmutterschaft verletzt nach der Lehre der katholischen Kirche die Würde von Frau und Kind, berührt eine Grundfrage des christlichen Menschenbildes – dennoch blieb die Deutsche Bischofskonferenz im Fall Jens Spahn nahezu stumm. Warum schweigen die Bischöfe gerade dann, wenn das christliche Menschenbild selbst auf dem Spiel steht?

Es gibt offenbar Themen, bei denen die Deutsche Bischofskonferenz kaum zu bremsen ist. Klimafasten, Nachhaltigkeit, Energiewende, Lieferketten, Diversität, Demokratieinitiativen oder gesellschaftspolitische Appelle „gegen die AfD“ – kaum vergeht eine Woche, ohne dass Bischöfe oder ihre Gremien mit Pressemitteilungen, Erklärungen oder gemeinsamen Stellungnahmen an die Öffentlichkeit treten. Und sich zu Dingen äußern, von denen sie in der Regel so gut wie keine Ahnung haben, aber mit denen sie vor der linksgrünen Politik auf die Knie gehen können.

Nun aber steht plötzlich eine Frage im Raum, die nicht den Randbereich kirchlicher Sozialethik betrifft, sondern das Fundament des christlichen Menschenbildes: die Leihmutterschaft. Und ausgerechnet jetzt herrscht Schweigen. Dieses Schweigen ist inzwischen so auffällig, dass sogar das kircheneigene DOMRADIO die Frage stellt: „Warum schweigen die Bischöfe in der Spahn-Debatte?“ Eine bemerkenswerte Entwicklung. Denn wenn selbst innerkirchliche Medien den deutschen Episkopat öffentlich zum Reden auffordern, zeigt das, wie gravierend die Sprachlosigkeit inzwischen geworden ist.

Kernbestand der katholischen Anthropologie

Dabei handelt es sich keineswegs um eine moralische Nebensache. Die Ablehnung der Leihmutterschaft gehört zum Kernbestand der katholischen Anthropologie. Sie ergibt sich unmittelbar aus dem Naturrecht und aus der unveräußerlichen Würde des Menschen. Der menschliche Körper darf nicht kommerzialisiert werden. Eine Frau darf nicht zum Mittel fremder Kinderwünsche werden. Und ein Kind darf niemals Gegenstand eines Vertrages oder eines finanziellen Geschäfts sein. Gerade deshalb hätte man erwarten dürfen, dass die Deutsche Bischofskonferenz ihre Stimme erhebt, nachdem bekannt geworden war, dass der CDU-Politiker Jens Spahn und sein Ehemann durch eine Leihmutter in den USA Eltern geworden sind.

Doch von einer gemeinsamen Erklärung fehlt jede Spur. Kein Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz trat vor die Öffentlichkeit. Kein gemeinsames Wort erinnerte daran, warum die Kirche Leihmutterschaft seit Jahrzehnten entschieden ablehnt. Kein Bischof – mit einer wichtigen Ausnahme – machte den Versuch, der Öffentlichkeit die naturrechtlichen Gründe dieser Position zu erläutern.

Diese Ausnahme heißt Stefan Oster

Der Passauer Bischof bezeichnete das Vorgehen Spahns als „einen echten Skandal“. Er kritisierte nicht dessen persönliche Lebensgeschichte, sondern den fundamentalen Widerspruch zwischen öffentlicher politischer Haltung und privatem Handeln sowie die Tatsache, dass Leihmutterschaft die Menschenwürde verletze. Gerade weil Spahn sich öffentlich zum katholischen Glauben bekenne, könne die Kirche diesen Schritt niemals gutheißen.

Umso bedrückender ist, dass Oster bislang nahezu allein geblieben ist.

Dabei drängt sich eine unbequeme Frage auf: Weshalb finden deutsche Bischöfe zu nahezu jeder klima- oder gesellschaftspolitischen Debatte rasch gemeinsame Worte, während sie bei einer Frage verstummen, die unmittelbar den Kern der katholischen Lehre über Ehe, Familie, Menschenwürde und Naturrecht berührt? Man gewinnt den Eindruck einer Verschiebung kirchlicher Prioritäten. Wo gesellschaftliche Zustimmung zu erwarten ist, wird mit großem Engagement gesprochen. Wo dagegen Konflikte mit dem politischen oder medialen Mainstream drohen, scheint man lieber zu schweigen. Doch gerade darin besteht nicht der Auftrag der Kirche.

Die Kirche ist keine moralische Begleitagentur des Zeitgeistes. Sie hat den Auftrag, Zeugnis für die Wahrheit über den Menschen abzulegen – auch dann, wenn diese Wahrheit unbequem ist. Die katholische Soziallehre beginnt nicht beim Klima. Sie beginnt beim Menschen. Und genau deshalb wäre jetzt die Stunde der deutschen Bischöfe gewesen. Ähnlich wie beim Komplettversagen der deutschen Bischöfe in der Corona-Zeit hat sie – mit einer rühmlichen Ausnahme – kaum jemand genutzt.

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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