(David Berger) Papst Leo XIV. fordert die Anerkennung der „grundlegenden Elemente der Kirche“ und warnt vor Spaltungen. Doch viele gläubige Katholiken fragen sich nun, ob diese Mahnung nur für traditionelle Randgruppen gilt – oder auch für jene Bischöfe, Kardinäle und Theologen, die seit Jahren zentrale Glaubenswahrheiten relativieren, die Lehre der Kirche infrage stellen oder zu moralischen Schlüsselthemen schweigen. Wenn die Worte des Papstes mehr sein sollen als eine fromme Formel, wird er sich an den umstrittensten Baustellen der Kirche messen lassen müssen – vom Synodalen Weg über die Dogmatik bis hin zum Lebensschutz. Denn die Zukunft der Kirche entscheidet sich nicht daran, ob sie „vorankommt“, sondern daran, ob sie der Wahrheit treu bleibt, die sie von Christus empfangen hat.
Papst Leo XIV. hat gestern festgestellt, dass Priester und Bischöfe, die „grundlegende Elemente der Kirche nicht anerkennen“, eine „Spaltung der Christen“ riskieren. Eigentlich war dieser Aufruf an eine Gemeinschaft gerichtet, die eher dazu neigt, die Katholiken zu einer Rückkehr zu eben jenen Elementen aufzufordern.
Zuvor hatte Leo mehrmals von der Notwendigkeit einer „gesunden Lehre“ gesprochen, warnte vor ideologischen Verzerrungen und betonte die katholische Identität kirchlicher Institutionen. Katholische Bildung müsse auf der Wahrheit gründen, die der Kirche anvertraut sei, und dürfe nicht dem Zeitgeist geopfert werden.
Für viele gläubige Katholiken stellt sich nun eine naheliegende Frage: Welche konkreten Folgen haben diese Worte? Denn die Krise der Kirche besteht heute nicht nur in äußeren Herausforderungen wie KI, Säkularisierung, Glaubensverlust oder demografischem Niedergang. Sie besteht auch darin, dass zentrale Glaubenswahrheiten innerhalb der Kirche selbst immer wieder relativiert, bestritten oder offen geleugnet werden.
Das Schisma ist längst da
Wer von den „grundlegenden Elementen der Kirche“ spricht, kommt an den großen Streitfragen der Gegenwart nicht vorbei. Was bedeutet die Mahnung des Papstes für den deutschen Synodalen Weg? Was bedeutet sie für Theologen, die die immerwährende Jungfräulichkeit Mariens infrage stellen? Was für Bischöfe, die angesichts millionenfacher Abtreibungen weitgehend schweigen? Und was für Kardinäle und Kirchenführer, die Positionen vertreten, die mit der bisherigen Lehre der Kirche kaum vereinbar erscheinen?
Gerade in Deutschland wird seit Jahren über Themen diskutiert, die das Lehramt bereits entschieden hat. Forderungen nach der Priesterweihe von Frauen, der Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, einer Neubewertung homosexueller Praxis oder einer weitgehenden Demokratisierung kirchlicher Leitungsstrukturen stehen im Zentrum des Synodalen Weges. Kritiker sehen darin nicht bloß pastorale Reformvorschläge, sondern einen Angriff auf die göttliche Verfassung der Kirche.
Ähnliches gilt für die Dogmatik. Seit Jahrzehnten gibt es katholische Theologen, die die Jungfrauengeburt Christi, die leibliche Auferstehung oder die Wunder Jesu und die Realpräsenz Jesu in der Eucharistie lediglich symbolisch deuten. Andere bestreiten faktisch die Einzigkeit Christi als Erlöser oder relativieren die Missionspflicht der Kirche. In vielen theologischen Fakultäten gelten Positionen als selbstverständlich, für die frühere Generationen von Theologen erhebliche kirchenrechtliche Konsequenzen zu erwarten gehabt hätten.
Auch auf höchster Ebene bleibt die Situation widersprüchlich. Der belgische Kardinal Godfried Danneels hatte bereits vor Jahren die staatliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften begrüßt. Der deutsche Kardinal Walter Kasper löste wiederholt Debatten über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen aus. Der Luxemburger Kardinal Jean-Claude Hollerich erklärte öffentlich, die kirchliche Bewertung homosexueller Beziehungen müsse überdacht werden. Solche Äußerungen werden von gläubigen Katholiken als Bruch mit der bisherigen Lehre verstanden.
Und was ist, wenn der Papst zum Irrlehrer wird?
Ja selbst sein Vorgänger im Amt nahm es mit diesen grundlegenden Elementen nicht ganz so ernst: Franziskus hat im Herbst 2024 bei einem Treffen mit Jugendlichen in Singapur die verschiedenen Religionen mit unterschiedlichen Sprachen verglichen, sie alle seien ein Weg zu Gott. Zu dieser synkretistischen Verirrung passt der Skandal, dass Franziskus im Rahmen der umstrittenen Amazonas-Synode die Göttin Pachamama verehrte, um dann in der katholischen, nahe beim Vatikan gelegenen Kirche Santa Maria in Traspontina heidnische Figuren nackter schwangerer Frauen („Göttin Pachamama“) aufzustellen. Erst ein junger katholischer Mann machte – zum Ärger des Latinopapstes – dem Götzendienst ein Ende, nahm die Figuren aus der Kirche weg und warf sie demonstrativ in den nahe gelegenen Tiber.
Besonders schmerzhaft empfinden viele Gläubige die Situation beim Lebensschutz. Während die Kirche unmissverständlich lehrt, dass menschliches Leben vom Augenblick der Empfängnis an geschützt werden muss, erleben sie vielerorts ein auffälliges Schweigen kirchlicher Verantwortungsträger zu Abtreibung, Embryonenforschung oder Sterbehilfe. Wer bei nahezu jeder politischen Frage öffentliche Stellungnahmen veröffentlicht, so fragen sie, warum dann nicht mit derselben Klarheit beim Schutz des ungeborenen Lebens?
Genau hier entscheidet sich die Glaubwürdigkeit kirchlicher Reformrhetorik. Wenn die „grundlegenden Elemente der Kirche“ mehr sein sollen als eine schöne Formel, dann müssen sie auch dort verteidigt werden, wo dies für den Heiligen Vater unbequem wird. Die Einheit der Kirche entsteht nicht durch die ständige Neuverhandlung ihrer Glaubensgrundlagen und durch Schielen nach finanzstarken Mehrheiten in der Weltkirche, sondern durch die gemeinsame Treue zu dem, was Christus und die Apostel überliefert haben.
Vorankommen – aber wohin?
Papst Leo XIV. hat mehrfach vor Spaltungen gewarnt und die Bedeutung der kirchlichen Einheit hervorgehoben. Die eigentliche Bewährungsprobe seines Pontifikates wird jedoch darin bestehen, ob er bereit ist, diese Einheit auch inhaltlich zu definieren und zu schützen. Denn eine Kirche, die ihre eigenen Grundlagen nicht mehr kennt oder nicht mehr verteidigt, verliert nicht nur ihre Identität. Sie verliert am Ende auch ihre Zukunft. „Aber wir müssen vorankommen“, ließ Leo gestern wissen. Damit hat er recht, wenn es nicht einfach um den Akt des Vorankommens geht, sondern um das Ziel: die unveränderliche Wahrheit des katholischen Glaubens!
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