Leo XIV. predigt grenzenlose Aufnahme – wie viele Flüchtlinge nahm er mit nach Castel Gandolfo?

„Überall derselbe Appell, die Türen zu öffnen und sie hereinzulassen – sogar vom Papst, dieser schwachen Stimme der kranken Christenheit. Ich aber sage euch: Um Himmels willen, schließt eure Türen! Verriegelt sie! Wenn es dafür nicht schon zu spät ist.“ (Jean Raspail, Heerlager der Heiligen)

(David Berger) Mit seiner symbolträchtigen Reise nach Lampedusa knüpft Papst Leo XIV. demonstrativ an die Migrationspolitik seines Vorgängers Franziskus an. Doch während er Europa erneut zur Aufnahme weiterer Migranten aufruft, bleibt eine naheliegende Frage unbeantwortet: Warum hat er keinen einzigen Flüchtling mit nach Castel Gandolfo genommen?

Am 4. Juli 2026 besuchte Papst Leo XIV. Lampedusa. Es war die erste Papstreise auf die Mittelmeerinsel seit dem historischen Besuch von Franziskus am 8. Juli 2013 und wurde vom Vatikan ausdrücklich als Fortführung von dessen migrationspolitischem Vermächtnis verstanden. Schon der Ablauf der Reise war eine einzige symbolisch Inszenierung des von Franziskus geerbten „Herz-Jesu-Sozialismus“: Leo XIV. betete auf dem Friedhof an den Gräbern ertrunkener Migranten, legte Blumen nieder, besuchte das Denkmal „Porta d’Europa“ („Tor Europas“), segnete eine Gedenktafel am neu benannten „Papst-Franziskus-Pier“, traf Migranten und Flüchtlinge und feierte schließlich eine große Freiluftmesse. 20 Migranten, die soeben in Europa angekommen waren,  hieß er persönlich mit einem Händedruck willkommen. Wer den Eindruck gewinnen sollte, hier gehe es weniger um Seelsorge als um eine perfekt choreographierte PR-Wallfahrt, dürfte damit kaum falschliegen.

In seiner Predigt erklärte der Papst: „Die Toten in diesem Meer sind Opfer sowohl getroffener als auch versäumter Entscheidungen.“ Zugleich appellierte er an Europa, die Migration „geordnet anzugehen, indem es Migranten aufnimmt, schützt, fördert und integriert“. An anderer Stelle sagte er: „Jeder von uns ist aufgerufen zu wählen zwischen der Logik der Gewalt und der Logik des Friedens.“ Spätestens mit diesem Besuch machte Leo XIV. unmissverständlich deutlich, dass die Migrationsfrage nicht nur zu den pastoralen, sondern zu den politischen Leitmotiven seines Pontifikats gehören soll.

Lobrede auf die Islamisierung Europas?

Kaum hatte der Papst wenige Tage zuvor eine traditionsverbundene, streng katholische Gemeinschaft mit äußerster Härte sanktionieren lassen, folgte auf Lampedusa der nächste medienwirksame Auftritt. Die Botschaft war eindeutig: Gegenüber traditionsverbundenen Katholiken zeigt Rom eiserne Konsequenz, gegenüber der Migrationsagenda herzliche Umarmung. Das ist eine Prioritätensetzung, die Bände spricht.

Migration ist keine bloß humanitäre Frage. Sie betrifft die staatliche Souveränität, die innere Sicherheit, die kulturelle Identität Europas und die Integrationsfähigkeit der aufnehmenden Gesellschaften. Die Masseneinwanderung ist untrennbar verbunden mit der Ausbreitung des politischen Islam, einer zunehmenden gesellschaftlichen Fragmentierung und einer erheblich gestiegenen Zahl schwerer Gewaltverbrechen, an denen Migranten beteiligt sind. Genau dieser Teil der Realität scheint im vatikanischen Blickfeld zuverlässig außerhalb des Kamerawinkels zu liegen.

Während Leo XIV. den im Mittelmeer ums Leben gekommenen Migranten nahezu liturgische Aufmerksamkeit widmet, sucht man vergleichbare Gesten für die Opfer islamistischen Terrors, für Frauen, die Opfer brutaler Vergewaltigungen durch Migranten wurden, oder für Christen, die in Europa Einschüchterung und Gewalt durch islamistische Täter erleiden, vergeblich. Das Mitgefühl des Pontifex wirkt erschreckend selektiv. Manche Opfer scheinen in Rom näher am Herzen Gottes zu liegen als andere.

Sentimentaler Universalismus

Dabei müsste Leo XIV. die Antwort gar nicht erst suchen. Sie steht seit anderthalb Jahrtausenden in der eigenen theologischen Tradition. Sein Ordensvater Augustinus lehrt mit dem ordo amoris, dass wahre Liebe nicht darin besteht, alles unterschiedslos zu lieben, sondern jedem das ihm gebührende Maß der Liebe zukommen zu lassen. Gott steht an erster Stelle, dann das Heil der eigenen Seele, sodann die Verantwortung für diejenigen, die einem anvertraut sind. Thomas von Aquin führt diesen Gedanken fort: Der Mensch schuldet zuerst seiner Familie Fürsorge, dann Verwandten, Freunden und Mitbürgern und erst danach der übrigen Menschheit. Deshalb wäre es nach katholischer Moral selbstverständlich richtig, im Ernstfall zuerst das eigene Kind und nicht einen Fremden zu retten, wenn nur eines von beiden gerettet werden kann. Genau darin besteht der ordo amoris. Wer ihn durch eine grenzenlose, unterschiedslose Humanität ersetzt, predigt nicht mehr katholische Soziallehre, sondern sentimentalen Universalismus.

Hinzu kommt, dass Leo XIV. Europa ausdrücklich dazu aufforderte, Migranten aufzunehmen, zu schützen, zu fördern und zu integrieren. Damit überschreitet er die Grenze zwischen moralischer Orientierung und konkreter politischer Positionierung. Über Einwanderungspolitik entscheiden in demokratischen Staaten Parlamente und Regierungen – nicht der Heilige Stuhl. Je häufiger sich der Papst in dieser Frage als politischer Akteur inszeniert, desto mehr beschädigt er die überparteiliche Autorität des Petrusamtes. Dass konservative Katholiken ihn inzwischen in sozialen Medien mit einem „Antifa-Aktivisten im weißen Talar“ vergleichen, ist Ausdruck dieser Entwicklung – und zugleich ein Alarmsignal dafür, wie tief das Vertrauen vieler Gläubiger inzwischen erschüttert ist. Ein Papst ist nicht berufen, den politischen Zeitgeist sakral zu überhöhen, sondern den Glauben der Kirche treu zu bewahren.

Direkt von Lampedusa reiste Leo XIV. in seine Sommerresidenz Castel Gandolfo (Foto l.) weiter. Dort erinnert derzeit eine Ausstellung daran, wie Papst Pius XII. während des Zweiten Weltkriegs nahezu alle Räume des Apostolischen Palastes für Flüchtlinge öffnete und selbst mit wenigen Privatgemächern vorliebnahm. Das wirft eine ebenso einfache wie unbequeme Frage auf: Wie viele Flüchtlinge hat Leo XIV. von Lampedusa nach Castel Gandolfo mitgenommen?

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Bestseller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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