Ceuta: Wurde Europas Grenzsturm lange vorbereitet?

(David Berger) Neue Veröffentlichungen aus Israel und den USA zeichnen ein Szenario, das den aktuellen Ereignissen in der spanischen Exklave auf erstaunliche Weise vorausging. Der außenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Prof. Matthias Moosdorf, fordert deshalb, die Vorgänge nicht allein als Folge linker Migrationspolitik zu betrachten. Wird Migration längst als geopolitische Waffe gegen Europa eingesetzt?

Bis zu 60.000 Menschen drangen innerhalb eines Tages in die spanische Exklave Ceuta ein. Die Bilder gingen um die Welt: Tausende junge Männer überwanden nahezu ungehindert die Grenzanlagen, Sicherheitskräfte waren zeitweise hoffnungslos überfordert.

Während viele Politiker den Vorgang ausschließlich als Folge einer verfehlten spanischen Migrationspolitik interpretieren, verweist der außenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Prof. Matthias Moosdorf, auf eine bislang kaum beachtete geopolitische Dimension: „Man kann natürlich reflexhaft auf die linke Politik Spaniens einprügeln. Aber was hier gerade versagt, sind doch nicht nur Grenzsicherungen.“

Eine erstaunliche Blaupause

Tatsächlich lohnt sich ein genauer Blick auf die Vorgeschichte. Bereits im März veröffentlichte der amerikanische Nahostexperte Michael Rubin einen Beitrag, in dem er Marokko empfahl, Ceuta und Melilla nicht militärisch, sondern durch einen neuen „Grünen Marsch“ unter Druck zu setzen. Vorbild sollte die Massenmobilisierung von 1975 sein, mit der Marokko Ansprüche auf die Westsahara untermauerte.

Rubin argumentierte, dass die spanischen Exklaven besonders verwundbar seien, weil ihre Grenzanlagen ohnehin regelmäßig von Migranten überwunden würden. Anstelle eines militärischen Angriffs könnten Tausende unbewaffnete Zivilisten die Grenzsicherung schlicht überrollen.

Nur wenige Wochen später erschien in der israelischen Zeitung Ynet ein Gastbeitrag des marokkanischen Journalisten Amine Ayoub. Unter der Überschrift „How Israel can help Morocco reclaim its north“ warb er dafür, Israel solle Marokkos Ansprüche auf Ceuta und Melilla diplomatisch unterstützen.

Als Begründung führte Ayoub die enge militärische Zusammenarbeit zwischen Israel und Marokko seit den Abraham-Abkommen an. Gleichzeitig verwies er auf die Spannungen zwischen Spanien und den USA sowie auf Madrids Nahostpolitik. Nicht Panzer oder Raketen seien erforderlich, sondern anhaltender demographischer und diplomatischer Druck, um Spanien langfristig zum Nachgeben zu bewegen.

Plötzlich wird Theorie zur Wirklichkeit

Vor diesem Hintergrund erscheinen die jüngsten Ereignisse in Ceuta in einem neuen Licht: Innerhalb kürzester Zeit strömten Zehntausende Menschen in die spanische Exklave. Die Bilder zeigten nahezu ungehinderte Grenzdurchbrüche, überforderte Sicherheitskräfte und massive Ausschreitungen. Niemand kann derzeit beweisen, dass dieser Massenansturm nach einem zuvor entworfenen geopolitischen Drehbuch erfolgte. Ebenso wenig lässt sich jedoch übersehen, dass genau ein solches Szenario wenige Monate zuvor öffentlich beschrieben und diskutiert worden war.

Prof. Moosdorf zieht daraus eine weitergehende Schlussfolgerung. Die eigentliche Frage sei nicht allein, ob Spaniens linke Regierung versagt habe. Vielmehr müsse Europa endlich erkennen, dass Migration längst Teil geopolitischer Machtpolitik geworden sein könnte. Diese Überlegung ist keineswegs neu. Bereits 2021 setzte Marokko im diplomatischen Streit mit Spanien Migrationsbewegungen gezielt als Druckmittel ein. Auch Belarus gegenüber Polen oder die Türkei gegenüber der Europäischen Union haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass Migrationsströme als Mittel hybrider Einflussnahme eingesetzt werden können. Auch deshalb sollte man Moosdorfs Hinweis nicht einfach vom Tisch wischen. Denn wer die Vorgänge ausschließlich unter innenpolitischen Gesichtspunkten betrachtet, könnte eine strategische Dimension übersehen.

Menschenmassen statt Panzern

Mihrationsfreundliche Gesellschaften geraten an ihre Grenzen, wenn Migration nicht mehr nur als humanitäres Phänomen auftritt, sondern bewusst zur politischen Destabilisierung eingesetzt wird. Nicht Panzer, sondern Menschenmassen können in einem solchen Szenario den entscheidenden Druck entfalten. Ob sich die Vorgänge von Ceuta tatsächlich als Teil einer langfristigen geopolitischen Strategie erweisen, werden erst weitere Erkenntnisse zeigen. Diese Frage darf nicht tabuisiert werden, auch wenn Israel in diesen Überlegungen eine wenig würdige Rolle spielt.

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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