(David Berger) Mit Hermann-Josef Merting (1962-2026) verliert die AfD einen ihrer ungewöhnlichsten und zugleich glaubensfestesten Mitstreiter. Ich kannte ihn seit 2012 als einen Mann, der sich unbeirrt als Katholik, Homosexueller und Patriot verstand – und der trotz persönlicher Kämpfe und innerer Verletzungen bis zuletzt an seinem Glauben festhielt. Eine sehr persönliche Erinnerung an einen Menschen mit Ecken, Kanten und unerschütterlicher Überzeugung.
Ich erinnere mich noch genau an meine erste Begegnung mit Hermann-Josef Merting um das Jahr 2012. Ich arbeitete damals bei einem Lifestylemagazin und war beruflich auf dem bizarren Folsom-Straßenfest unterwegs – ebenso wie Hermann-Josef, den ich dort traf und der sich mir als „Katholik und AfD-Politiker“ vorstellte. Er verteilte an diesem ungewöhnlichen Ort Werbeflyer für die AfD, womit er sich nicht nur sehr früh als Politiker der AfD, sondern zugleich auch als homosexuell outete.
Ersteres war an diesem Ort ein äußerst mutiges Unterfangen. Weniger sein Homosexuellsein als vielmehr sein immer wieder betontes, ganz eigenes´, starkes Katholischsein verlangte umgekehrt innerhalb der AfD einen gewissen Mut und wurde von manchen mit einem Lächeln abgetan. Doch obwohl ihn dieses Belächeltwerden innerlich immer wieder verletzte, ließ er sich über viele Jahre nicht davon beirren. Oft hörte ich aus seinem Mund die Worte: „Ich bin zuerst katholisch, dann Mitglied einer Partei.“
Ein Original mit Ecken und Kanten
Merting, der in jungen Jahren den Weg zum Priestertum eingeschlagen hatte, war ein Überzeugungstäter, ein ungewöhnlicher Mensch mit Kanten und Ecken. Vermutlich gerade deshalb war er für das Priestertum in einer immer stärker gleichgeschalteten Kirche ungeeignet – noch ungeeigneter allerdings für eine politische Karriere. Dafür wirkte er als Urgestein der AfD an zahllosen Stellen im Hintergrund mit: Kaum jemand in der Partei, der zumindest seinen Namen nicht kannte. Vielleicht war er gerade deshalb so wichtig für eine Partei, die gerade ihren Weg in die Öffentlichkeit angetreten hatte und im echten Sinne des Wortes „alternativ“ sein wollte.
Vor etwa zwei Jahren traf ich Merting dann zum letzten Mal persönlich zu einem langen gespräch – bei einem Abendessen in unserer Wohnung. Unglaublich glücklich wirkte er angesichts der Tatsache, dass er unter der AfD-Politikerin Nicole Höchst zum Kirchenbeauftragten der AfD ernannt worden war. Seither war seine Loyalität ihr gegenüber stark ausgeprägt. Eine Anfrage meinerseits, ob er einen Artikel für PP verfassen könne, beantwortete er mit dem Vorbehalt, dafür zunächst Höchst um Erlaubnis bitten zu müssen. Eine Loyalität, die schließlich auch dazu führte, dass mich Merting hart anging, als ich Höchst wegen ihres aus meiner Sicht zu überschwänglichen Nachrufs auf Papst Franziskus kritisiert hatte.
Die letzten fünfzehn Monate schien Hermann-Josef dann immer mehr in die Dunkelheit gehen zu müssen. Und er ließ die Öffentlichkeit über Facebook an seinem Leiden teilnehmen: Ein letztes großes Geschenk für alle, die den Mut haben sich auf die Suche nach dem tieferen Sinn von Leiden und Krankheit zu machen. Schon lange zuvor hatte er mir erzählt, dass er kaum noch Schlaf finden könne. In dieser Zeit taten alte Weggefährten und Freunde alles in ihrer Macht Stehende, um ihn irgendwie aufzumuntern. Aber der Herr über Leben und Tod, der besser als wir selbst weiß, was gut für uns ist, wollte es anders. Möge Er ihm nun jene Fülle des Glücks schenken, die diese Welt uns niemals gewähren kann.
Nicole Höchst: „Ein katholischer Fels in der Brandung“
Das letzte Wort, so hätte es Hermann-Josef gefallen, soll Nicole Höchst haben:
In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von unserem langjährigen Mitstreiter und lieben Freund Hermann-Josef Merting, der zu früh von uns gegangen ist.
Hermann war über viele Jahre ein geschätzter Kollege, verlässlicher Mitstreiter und vor allem Freund. Wer ihn kannte, wusste: Auf ihn war Verlass. Er erfüllte seine Bestimmung gewissenhaft und war ein katholischer Fels in der Brandung.
Sein äußeres Erscheinungsbild – der elegante Anzug, der charakteristische Hut und sein warmes Lächeln – spiegelte wider, was ihn ausmachte: eine gewisse Gelassenheit und Lebensfreude, die er trotz aller Herausforderungen bewahrte.
Als Christ wusste Hermann um die Vergänglichkeit dieses Lebens. Er lebte im Vertrauen auf Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen. In Zeiten der Not und der Freude suchte er Halt im Gebet und in Gottes Wort. Wir dürfen in der Gewissheit Abschied nehmen, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Wie es in der Heiligen Schrift heißt:
„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ (Johannes 11,25)
Wir glauben und hoffen, dass Hermann nun zu Hause ist beim Herrn, frei von Leid und Sorgen, und dass er das ewige Leben empfangen hat, das Christus allen verheißen hat, die an ihn glauben.
Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Angehörigen und allen, die ihn vermissen. Möge Gott ihnen in dieser schweren Zeit Trost und Kraft schenken.
Wir danken Gott für die Zeit, die wir mit Hermann teilen durften, und behalten ihn in dankbarer Erinnerung.
Ruhe in Frieden, Hermann.
Bis wir uns wiedersehen – in der Herrlichkeit Gottes.
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