(David Berger) Jüngst hat eine Konversion für Aufmerksamkeit in der angelsächsischen Theologie gesorgt: Der reformierte Theologe Ryan M. Hurd ist gemeinsam mit seiner Frau in die katholische Kirche eingetreten. Besonders bemerkenswert ist die Begründung seines Schrittes: Entscheidend für seinen Weg nach Rom sei das intensive Studium des heiligen Thomas von Aquin gewesen.

Hurd war über Jahre hinweg eine bekannte Stimme innerhalb der reformierten Welt. Als Dozent am Davenant Institute und Autor zahlreicher Beiträge setzte er sich intensiv mit der klassischen Theologie auseinander. Gerade seine Beschäftigung mit dem „Doctor Angelicus“ machte ihn auch unter Protestanten zu einem gefragten Kenner des Thomismus.
In seinem persönlichen Konversionsbericht nennt Hurd viele Faktoren, die seinen Weg beeinflusst hätten. Einen einzigen bezeichnet er jedoch ausdrücklich als den ausschlaggebenden Grund: „Der Grund für meinen Übertritt ist Thomas von Aquin – genauer gesagt seine auctoritas.“ Mit auctoritas meint Hurd nicht bloß die wissenschaftliche Brillanz des Aquinaten. Gemeint ist vielmehr jene Verbindung von theologischer Erkenntnis und persönlicher Heiligkeit, die Thomas für Generationen von Christen zu einer einzigartigen Autorität gemacht hat.
Je tiefer Hurd sich in die Schriften des großen Dominikaners vertiefte, desto stärker wuchs seine Überzeugung, dass dessen Denken letztlich auf die katholische Kirche verweist. Irgendwann, so beschreibt er es selbst, sei es für ihn intellektuell nicht mehr redlich gewesen, den Konsequenzen dieser Einsicht auszuweichen.
Der Schritt ist bemerkenswert, weil Hurd keineswegs aus einer oberflächlichen Frömmigkeit heraus handelte. Vielmehr führte ihn gerade sein wissenschaftliches Arbeiten zu einer Neubewertung der Fragen nach Kirche, Autorität und Lehramt.
Sein Fall erinnert an andere bekannte Konvertiten wie den heiligen John Henry Newman oder Scott Hahn: Auch bei ihnen war es das ernsthafte Studium der Quellen, das schließlich in die katholische Kirche führte.
Der bleibende Einfluss des Aquinaten
Die Nachricht dürfte auch viele Katholiken freuen, die seit Jahren beobachten, dass das Interesse an Thomas von Aquin im protestantischen Raum deutlich zunimmt. Während manche evangelische Theologen seine Metaphysik, Gotteslehre oder Ethik übernehmen, stellt sich früher oder später auch die Frage nach den kirchlichen Konsequenzen seines Denkens. Ryan Hurd hat darauf nun eine persönliche Antwort gegeben.
Thomas von Aquin war für ihn nicht lediglich ein bedeutender Philosoph oder Theologe des Mittelalters. Er wurde zu einem geistlichen Lehrer, dessen Denken ihn Schritt für Schritt in jene Kirche führte, der Thomas selbst sein ganzes Leben gedient hatte. Die Konversion von Ryan und seiner Frau zeigt einmal mehr, dass der heilige Thomas von Aquin auch im 21. Jahrhundert nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat. Sein Werk ist keine museale Gelehrsamkeit, sondern besitzt die Kraft, Menschen auf die Suche nach der Wahrheit zu führen.
Nicht zufällig nannte Papst Leo XIII. Thomas den „Fürsten und Meister aller scholastischen Lehrer“. Und Benedikt XVI. würdigte ihn als einen Denker, bei dem sich Glaube und Vernunft in einzigartiger Weise ergänzen. Dass ein protestantischer Theologe nach jahrelangem Studium gerade durch Thomas von Aquin den Weg in die katholische Kirche findet, ist deshalb weit mehr als eine persönliche Lebensentscheidung. Es ist ein eindrucksvolles Zeugnis für die bleibende Aktualität jenes Heiligen, den die Kirche seit Jahrhunderten mit Recht den Doctor Angelicus nennt.








