Diskriminierung in der Kirche: Wo ist eure Barmherzigkeit?

Die Kirche spricht unablässig von Vielfalt, Teilhabe und Inklusion. Doch ausgerechnet jene Gläubigen, die sich offen zu ihrem konservativen Glauben bekennen oder politisch nicht auf der Linie des kirchlichen Mainstreams liegen, erleben immer häufiger Ausgrenzung und Misstrauen. Warum gelten Barmherzigkeit und Dialog offenbar nur für bestimmte Gruppen – und wo bleibt die christliche Nächstenliebe gegenüber den eigenen Brüdern und Schwestern im Glauben? Gastbeitrag von Felix Wachter.

Ausgrenzung zu erfahren ist für niemanden einfach. Besonders schmerzhaft ist es aber, wenn man auch noch von der Kirche ausgegrenzt wird. Sollte die Kirche nicht so etwas wie ein letzter Zufluchtsort für jeden Menschen sein?

Wir alle kennen es: Kirchliche Amtsträger reden heute viel von Inklusion, Gleichberechtigung und Teilhabe. Wie in Dauerschleife hört man diese Schlagworte im Synodalen Weg. Man will eine Kirche, die niemanden zurücklässt, alle aufnimmt. „Todos, todos, todos!“ (Alle, alle, alle!) war hier der Aufruf von Papst Franziskus.

Gesinnungs-TÜV vor der Kirchentüre?

Bei der AfD und deren Sympathisanten gehen bei der selbsternannten „Inklusionskirche“ jedoch die schnell die Rollläden herunter: AfDler sind nicht Brüder und Schwester im Glauben, sondern Menschenfeinde. Ein Dialog erübrigt sich hier natürlich. Auch das 8. Gebot („Du sollst kein falsches Zeugnis reden wieder deinen Nächsten!“) scheint in Bezug auf AfD-Mitglieder nicht zu gelten. Sie sind quasi Freiwild. Man darf sie mit ungeprüften Vorwürfen überziehen und ihnen den christlichen Glauben pauschal absprechen. AfD-Mitglieder dürfen keine kirchlichen Ämter übernehmen – Kirchensteuer sollen sie aber selbstverständlich trotzdem zahlen. Mitten in der Kirche herrscht Apartheid und Zweiklassengesellschaft, kaum jemand stört sich jedoch daran oder spricht auch nur darüber.

In den Vorgängen rund um die Hochzeit des IB-Sprechers Maximilian Märkl wurde erst kürzlich wieder einmal das hartherzige Vorgehen deutscher Kirchenfunktionäre deutlich. Anscheinend ist es bereits problematisch, wenn Mitglieder der Identitären Bewegung kirchlich heiraten wollen. Manch einer wünscht sich wohl insgeheim einen Gesinnungs-TÜV vor der Kirchentür oder dem Sakramentenempfang.

Angeblich ist Märkls Trauung im alten Ritus nun kirchenrechtlich nicht in Ordnung gewesen. Man will hier in Zukunft stärker prüfen. Für junge Katholiken und Anhänger der tridentinischen Messe ist das gleichermaßen ein weiterer Schlag ins Gesicht.

 Ausgrenzung junger Menschen in der Kirche

Neben AfD-Mitgliedern sind besonders junge Menschen eine weitere diskriminierte Gruppe innerhalb der Kirche. Das hat einen einfachen Grund: Junge Leute wollen kein Evangelium zum Schleuderpreis, sondern eine Kirche, die Zeichen des Widerspruchs ist. Die Jugend, die sich heute für den Glauben entscheidet ist voll und ganz katholisch und bringt das auch in ihrem Verhalten in der Kirche zum Ausdruck. Genau deshalb ist diese Jugend der Stachel im Fleisch einer opportunistisch und träge gewordenen „Synodalkirche“. Junge Konvertiten erfahren in der Kirche leider keine Willkommenskultur, sondern werden misstrauisch beäugt. Konversionen stehen im Verdacht, Ausdruck „identitärer Selbstvergewisserung“ zu sein. Glaubensveranstaltungen für die Jugend werden von Bistümern blockiert und in Misskredit gebracht. Seit Jahrzehnten erlebt die Kirche in Deutschland massiven Mitgliederschwund und einen demographischen Winter – viele scheinen sich damit jedoch gar nicht unwohl zu fühlen.

Inklusion im Sinne des Evangeliums

Die reale Ausgrenzungspraxis in der Kirche zeigt, dass die vielen Worte von Inklusion und Teilhabe nicht ehrlich sind. Die Kirche in Deutschland grenzt aus, und zwar gerade diejenigen, die ohne Abstriche und faule Kompromisse für den Glauben einstehen. Benedikt XVI. hat diese innerkirchliche Verfolgung einmal als „gruseliges“ neues Phänomen bezeichnet. Das Evangelium selbst gibt uns das Beispiel wahrer Inklusion: Der Heiland hat die Ehebrecherin nicht verurteilt und aufgenommen. Aber er sagte auch: „Geh, und sündige fortan nicht mehr!“ Wahrheit und Barmherzigkeit gehören zusammen. Barmherzigkeit ohne Wahrheit wird in ihr Gegenteil umschlagen, wie das Beispiel der Kirche in Deutschland zeigt.

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PP-Redaktion
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