Gotteshaus oder Museum? Eintritt für den Kölner Dom und die Krise der Kirche

(David Berger) Der Kölner Dom soll künftig Eintritt kosten. Das ist mehr als eine finanzielle Entscheidung: Es ist ein Symbol für die fortschreitende Verwandlung eines Gotteshauses in eine Touristenattraktion. Wer die Prioritäten der katholischen Kirche – auch im angeblich so „heiligen Köln“ – in den vergangenen Jahren beobachtet hat, wird darin kaum einen Einzelfall erkennen.

Der WDR berichtet, dass der Kölner Dom ab Juli 2026 für touristische Besucher zwölf Euro Eintritt kosten wird. Als Begründung nennt das Domkapitel die gestiegenen Kosten für Erhalt, Schutz und Betrieb des Bauwerks. Gottesdienstbesucher sollen weiterhin freien Zugang haben. Für Schüler, Auszubildende und Studierende sind Ermäßigungen vorgesehen, Kinder bis 13 Jahre bleiben ebenso wie bestimmte weitere Gruppen von der Gebühr befreit. Zudem soll es einzelne kostenfreie Besuchszeiten geben. Der Dom zählt mit rund sechs Millionen Besuchern jährlich zu den bekanntesten Kirchen der Welt.

Die Verantwortlichen betonen, dass nicht das Gebet, sondern der touristische Besuch kostenpflichtig werde. Formal mag das richtig sein. Doch die eigentliche Frage lautet: Welches Selbstverständnis einer Kirche offenbart sich hinter dieser Entscheidung?

Als der Dom zur Impfstraße wurde …

Wer sich an die Corona-Jahre erinnert, erkennt eine Entwicklung, die weit über eine Eintrittsgebühr hinausgeht. Ausgerechnet an Ostern, dem höchsten Fest der Christenheit, blieben vielerorts die Kirchentüren verschlossen. Gerade in einer Zeit der Angst, der Isolation und der existenziellen Verunsicherung wurde vielen Gläubigen der Zugang zu den Sakramenten und zum gemeinsamen Gottesdienst verwehrt. Der Kölner Dom war davon nicht ausgenommen. Kurz darauf konnte man in denselben Räumen jedoch eine Impfaktion durchführen. Das mag organisatorisch oder gesundheitspolitisch begründet worden sein. Symbolisch aber war die Botschaft verheerend: Für die Feier des Glaubens galten strengste Beschränkungen, für staatlich gewünschte Maßnahmen fand man Wege und Möglichkeiten.

Vor diesem Hintergrund erscheint die neue Eintrittsregelung nicht als isolierte Verwaltungsentscheidung, sondern als weiterer Schritt in einer Entwicklung, die viele gläubige Katholiken seit Jahren mit Sorge beobachten. Wo das Gotteshaus primär als Denkmal, Touristenattraktion oder Eventkulisse verstanden wird, verliert es seinen eigentlichen Charakter als Haus Gottes. Die Prioritäten verschieben sich: Verwaltung vor Verkündigung, Organisation vor Anbetung, Betrieb vor Glauben. Und über allem hängt wie ein Damoklesschwert der Vorwurf, wieder einmal gehe es der ohnehin extrem reichen Kölner Kirche nur um noch mehr Geld.

Steingewordenes Glaubensbekenntnis, nicht Museum

Natürlich kostet der Erhalt des Doms Geld. Niemand bestreitet das. Doch eine Kathedrale ist ihrem Wesen nach kein Museum. Sie wurde nicht gebaut, damit Besucher Eintrittskarten erwerben, sondern damit Menschen beten, Gott begegnen und die Liturgie feiern können. Die großen Kathedralen Europas sind steingewordene Glaubensbekenntnisse. Wenn sie zunehmend wie kulturelle Sehenswürdigkeiten verwaltet werden, ist das nicht nur ein finanzielles, sondern vor allem ein geistliches Problem.

Die Einführung eines Eintrittsgeldes ist deshalb weniger Ursache als Symptom. Sie verweist auf eine tiefere Krise: auf die fortschreitende Entfremdung kirchlicher Leitungen von der Tradition, aus der diese Bauwerke überhaupt erst hervorgegangen sind. Wer den Glauben nicht mehr als lebendige Wirklichkeit, nicht einmal mehr als kulturelles, lebendiges Erbe, sondern als Kirchensteuer gestütztes Unternehmen betrachtet, wird zwangsläufig auch eine Kathedrale eher wie ein Museum als wie ein Heiligtum behandeln.

Der Streit um zwölf Euro ist daher letztlich ein Streit um das Selbstverständnis der Kirche und ihrer wichtigsten sichtbaren Manifestationen, den Kirchenbauten und der christlichen Kunst. Die entscheidende Frage lautet nicht, was der Besuch des Doms kostet. Die entscheidende Frage lautet, ob die Verantwortlichen noch überzeugt sind, dass der Dom in erster Linie ein Ort ist – der Gegenwart Gottes, ja von Christus selbst, der im Tabernakel ganz real gegenwärtig ist – oder nur noch ein besonders eindrucksvolles Baudenkmal, dessen Betrieb wirtschaftlich organisiert werden muss.

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Bestseller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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