
(David Berger) Während die traditionelle Liturgie in Teilen der katholischen Kirche noch immer unter Rechtfertigungsdruck steht, setzt ausgerechnet der US-Vizepräsident ein wichtiges Zeichen: J. D. Vance besuchte am Sonntag gemeinsam mit seiner Familie eine Missa Cantata im klassischen römischen Ritus in Cincinnati. Und offenbar handelt es sich keineswegs um seinen ersten Besuch der Alten Messe.
US-Vizepräsident J. D. Vance hat am Sonntag, dem 23. August, gemeinsam mit seiner Familie eine traditionelle lateinische Messe in Cincinnati besucht. Wie das katholische Portal InfoVaticana berichtet, machte Eric Sammons, Herausgeber des traditionsverbundenen amerikanischen Crisis Magazine, den Besuch öffentlich. Auf die ausdrückliche Nachfrage, ob es sich tatsächlich um die traditionelle Liturgie gehandelt habe, antwortete Sammons unmissverständlich: „Yes. Missa Cantata.“
Damit dürfte Vance einmal mehr jene immer zahlreicher werdenden Katholiken aufhorchen lassen, denen die Bewahrung der überlieferten Liturgie am Herzen liegt. Denn hier besuchte nicht irgendein Politiker aus taktischen Gründen einen katholischen Gottesdienst. Der amtierende Vizepräsident der Vereinigten Staaten ging gemeinsam mit seiner Familie zu jener Form der römischen Liturgie, die unter Papst Franziskus mit Traditionis custodes erheblichen Einschränkungen unterworfen worden war.
Kein einmaliger PR-Termin
Besonders interessant: Vieles spricht dafür, dass der Besuch keineswegs als öffentlichkeitswirksame Geste geplant war. Sammons hatte bereits im Februar berichtet, Vance besuche gelegentlich seine Pfarrei und dort auch die traditionelle Messe. Der genaue Ort des jetzigen Gottesdienstbesuchs wurde nicht offiziell bestätigt. InfoVaticana hält es für möglich, dass es sich um Old St. Mary’s in Cincinnati gehandelt habe. Als gesichert sollte dies allerdings nicht gelten. Vance selbst hat zudem bereits erkennen lassen, dass die besonderen Sicherheitsmaßnahmen rund um einen US-Vizepräsidenten für kleinere Gemeinden eine erhebliche Belastung darstellen können. Gerade deshalb versucht seine Familie offenbar, Orte und Messzeiten zu variieren.
Der Gottesdienstbesuch passt zur persönlichen Glaubensgeschichte des Republikaners. Vance konvertierte 2019 zur katholischen Kirche. Seine Taufe und Erstkommunion empfing er bei den Dominikanern von St. Gertrude in Cincinnati. Als Taufpatron wählte er den heiligen Augustinus. Seither hat Vance wiederholt deutlich gemacht, dass sein Katholizismus für ihn mehr ist als eine konfessionelle Etikette. Auch mit der traditionellen Liturgie hat er sich schon vor seinem Aufstieg zum Vizepräsidenten beschäftigt. Die unter Franziskus erfolgten Beschränkungen der Alten Messe, die auch unter Papst Leo gerade in den USA weiterhin zur Zerstörung sehr junger und lebendiger Gemeinden führen, betrachtete er kritisch.
Deshalb ist dieser Besuch so wichtig: Während kirchliche Funktionäre noch immer darüber diskutieren, wie viel Raum man den Katholiken, die am über 1500 Jahre geltenden, überlieferten römischen Ritus festhalten wollen, erscheint einer der mächtigsten Politiker der Welt mit seiner Familie bei jener Messe, die für alle Heiligen und alle großen Päpste der Mittel- und Höhepunkt ihres irdischen Lebens war. Ohne große Erklärung, ohne liturgiepolitisches Manifest – und offenbar ohne daraus überhaupt einen politischen Termin machen zu wollen.
Ein starkes Signal für die Tradition
Für die Freunde der klassischen Liturgie dürfte das Bild dennoch schwer zu übersehen sein. Die Alte Messe ist keineswegs das Refugium einiger weniger nostalgischer Katholiken. Sie zieht Familien, junge Menschen und Konvertiten an – und offensichtlich auch einen Mann, der es bis ins zweithöchste Staatsamt der Vereinigten Staaten gebracht hat. Rorate Caeli bezeichnet Vance sogar als den ersten amtierenden katholischen US-Präsidenten oder Vizepräsidenten seit John F. Kennedy, von dem ein Besuch der traditionellen lateinischen Messe bekannt geworden sei. Während nach dem verheerenden Pontifikat von Papst Franziskus und ohne dass Papst Leo daran etwas richtungsweisendes geändert hätte, weltweit traditionelle Messorte um ihre Zukunft kämpfen, kniet in Cincinnati der amerikanische Vizepräsident mit seiner Familie in einer Missa Cantata. Ein sonntäglicher Kirchgang, der mehr sagt als eine lange Rede.
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