(David Berger) Heute (bzw. am kommenden Sonntag) feiern Katholiken in aller Welt das Fronleichnamsfest. Fronleichnam, das ist ein leuchtender Strom aus Gold, Glockenklang und Weihrauchduft, der durch die Straßen zieht wie ein himmlischer Gesang. Wie ein kostbares Mosaik aus Glauben, Freude und uralter Tradition entfaltet sich das Fest in leuchtender Pracht, und jede Prozession wirkt, als trüge sie einen Funken Ewigkeit durch die Herzen der Menschen und über die sommerlichen Wege hinweg.
Vorveröffentlichung eines Textes aus meinem Buch „Von der Freude katholisch zu sein“ (erscheint Ende des Jahres).
Wegen der zentralen Stellung der Eucharistie wird das Fronleichnamsfest, als Hochfest des Leibes und Blutes Jesu, in der katholischen Kirche mit außergewöhnlich großer Feierlichkeit begangen. In ihm verdichten sich mittelalterliche Mystik, barocke Festkultur und lebendige Volksfrömmigkeit zu einer eindrucksvollen Einheit. Um es vorwegzunehmen: Fronleichnam hat nichts mit Leichen oder katholischen Friedhofsbesuchen zu tun, wie vor einiger Zeit das „Zweite Deutsche Fernsehen“ berichtete. Der Name kommt vom mittelhochdeutschen vron lîcham – „des Herrn Leib“.
Thomas von Aquin als Dichter der Fronleichnamshymnen
Gefeiert wird die wahrhaftige, reale Gegenwart Christi im Sakrament der Eucharistie. Die Entstehung des Festes ist eng verbunden mit den Visionen der Mystikerin Juliana von Lüttich († 1258), in denen Christus selbst die Einführung eines eigenen Festes zu Ehren der Eucharistie wünschte. Im Jahr 1264 erhob Papst Urban IV. das Fest mit der Bulle „Transiturus de hoc mundo“ für die ganze Kirche zum verbindlichen Feiertag. Theologisch vertieft und liturgisch ausgestaltet wurde es von Thomas von Aquin, dessen Hymnen bis zur Stunde zum festen Bestandteil katholischen Lebens gehören – darunter das bis heute gesungene Pange lingua und das feierliche Tantum ergo.
Seit dem 14. Jahrhundert verbreitete sich Fronleichnam in ganz Europa. Besonders im Heiligen Römischen Reich gewann das Fest einen öffentlichen, repräsentativen Charakter: Die Eucharistie wurde nicht nur im Kirchenraum verehrt, sondern in feierlicher Prozession durch Städte und Dörfer getragen – als sichtbares Zeichen des Glaubens mitten in der Welt.
Ecce panis Angelorum
Kaum ein Fest dürfte den Katholiken so tief bewegen wie dieses, keines katholischer sein: Im Mittelpunkt des ganzen Festes die Monstranz mit der Hostie, dem Leib Christ, dem Allerheiligsten, vom Priester getragen, seine Hände verhüllt in ein Velum, das in seinem Faltenwurf an die Flügel der Seraphim erinnert, die vor dem Thron Gottes damit ihr Gesicht aus Ehrfurcht verhüllen. Über dem Allerheiligsten wird ein „Himmel“, ein Baldachin aus Brokat getragen. Seit der Antike ist der Baldachin ein Ehrenzeichen für Könige und Herrscher. I
ndem Christus in der Monstranz unter einem „Himmel“ getragen wird, ruft die Kirche unaufhörlich: Jesus Christus ist der wahre König, beuget die Knie, betet ihn an! Eingehüllt ist das Allerheiligste in dichte Wolken von Weihrauch, Zeichen dieser Anbetung. Das unaufhörliche Läuten der Altarglöckchen, das die dem Allerheiligsten vorangehenden Ministranten erklingen lassen, zeigt den am Weg stehenden Gläubigen an, dass nun Chritus selbst vorüberzieht und lädt sie ein, ihre Knie voller Ehrfurcht und als Akt der Anbetung zu beugen: „Ecce panis angelorum“ –Siehe, das Brot der Engel.“
Fronleichnam, das ist der leuchtende, einmalig kostbare Edelstein im Leben der Catholica, in dem sich das übernatürliche Licht, das vom real gegenwärtigen Leib Christi ausgeht und jenes der Gnade zu seinem mystischen Leib, der Kirche zu gehören, auf einmalige Weise brechen.
Vorgeschmack des Himmels
So wird Fronleichnam zu einem wunderbaren Vorgeschmack der himmlischen Herrlichkeit. Wenn dann unsere Augen ganz vom übernatürlichen Licht durchflutet sein werden, werden wir den Leib Christi, das Angesicht Gottes, nicht mehr verhüllt, sondern in seiner ganzen Realität schauen. Oder um es mit den Worten des Fronleichnamshymnus „Adoro te devote“ auszudrücken:
“Jesu, quem velatum nunc aspicio,
oro, fiat illud quod tam sitio:
Ut te revelata cernens facie,
visu sim beátus tuae gloriae.
Jesus, den verborgen jetzt mein Auge sieht,
stille mein Verlangen, das mich heiß durchglüht:
lass die Schleier fallen einst in deinem Licht,
dass ich selig schaue, Herr, dein Angesicht.
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