„Gar nicht katholisch“: Neue Bewegung stellt sich gegen den deutschen Irrweg

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(David Berger) Mit „Pro Fide Ecclesiae“ formiert sich eine neue Bewegung glaubenstreuer Katholiken, die sich weder vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken noch von der Deutschen Bischofskonferenz vertreten fühlen. Unterstützt von Bischof Marian Eleganti will sie häretischen Verfälschungen entgegentreten und der schweigenden katholischen Mehrheit wieder eine Stimme geben.

In der katholischen Kirche Deutschlands wird seit Jahren viel von „Vielfalt“, „Teilhabe“ und „Dialog“ gesprochen. Auffallend wenig Raum erhalten dabei allerdings jene Gläubigen, die schlicht katholisch bleiben wollen: die an der Heiligen Schrift, der überlieferten Glaubenslehre und dem verbindlichen Lehramt der Kirche festhalten.

Um dieser wachsenden Zahl heimatlos gewordener Katholiken eine Stimme zu geben, hat sich in Offenbach am Main die neue Vereinigung „Pro Fide Ecclesiae“ formiert. Sie versteht sich als wertkonservative und romtreue Alternative zu jenen kirchenpolitischen Gremien, die seit Jahren den Eindruck erwecken, der deutsche Katholizismus müsse in eine Art religiös verbrämte Nichtregierungsorganisation umgebaut werden.

Die Gründer wenden sich ausdrücklich an Katholiken, die sich vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken nicht vertreten und von der Deutschen Bischofskonferenz nicht mehr gehört fühlen. Dazu zählen Deutsche im In- und Ausland, in Deutschland lebende Katholiken ausländischer Herkunft und Gläubige in aller Welt, die sich der Kirche in Deutschland verbunden wissen.

Die Unsichtbaren werden sichtbar

Die Initiative geht von einer Beobachtung aus, die viele glaubenstreue Katholiken aus ihrem kirchlichen Alltag bestätigen können: Sie sind keineswegs eine verschwindend kleine Minderheit. Doch in den Medien, auf Katholikentagen und in den offiziellen Gesprächsformaten des deutschen Kirchenapparates kommen sie kaum vor.

Wer die kirchliche Berichterstattung verfolgt, könnte den Eindruck gewinnen, die deutschen Katholiken verlangten geschlossen nach Frauenordination, Abschaffung des Zölibats, Segensfeiern für alle denkbaren Lebensformen und einer grundlegenden Revision der katholischen Sexualmoral. Dass unzählige Gläubige weiterhin an dem festhalten, was die Kirche seit Jahrhunderten lehrt, wird dagegen gerne verschwiegen oder als rückwärtsgewandter Fundamentalismus abgetan.

„Pro Fide Ecclesiae“ will diese Repräsentationslücke schließen. Die Vereinigung steht sowohl Laien als auch Geistlichen offen, versteht sich kirchenrechtlich jedoch ausdrücklich als Laienbewegung im Sinne des Konzilsdekrets „Apostolicam Actuositatem“ über das Laienapostolat.

Damit erinnert die Neugründung zugleich an eine Wahrheit, die im deutschen Funktionärskatholizismus gerne vergessen wird: Das Apostolat der Laien besteht nicht darin, den Glauben dem jeweiligen Zeitgeist anzupassen. Es besteht vielmehr darin, die Wahrheit des Evangeliums in Kirche und Welt zu bezeugen.

Bischof Eleganti: Den Glauben verteidigen

Prominente Unterstützung erhält die Bewegung durch den Schweizer Weihbischof Marian Eleganti (Foto l.), der selbst zu den Gründungsmitgliedern gehört. Sein programmatischer Satz lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig:

„Wir wollen den Glauben verteidigen gegenüber häretischen Interpretationen und Verfälschungen.“

Schon die Verwendung des Wortes „häretisch“ dürfte in weiten Teilen des deutschen Kirchenestablishments Empörung hervorrufen. Denn dort spricht man lieber von „unterschiedlichen theologischen Perspektiven“, von „weiterentwickelter Lehre“ oder von einem angeblich notwendigen „Neu-Lesen“ der Tradition.

Eleganti benennt dagegen das eigentliche Problem: Nicht jede Behauptung, die von Theologen, Verbandsfunktionären oder sogar Bischöfen vorgetragen wird, ist schon deshalb katholisch. Auch ein kirchlicher Apparat kann irren. Und nicht jeder Bruch mit Schrift, Tradition und Lehramt wird dadurch legitim, dass man ihn als „Reform“ bezeichnet.

Gegen die Regenbogen-Kirche

Der Initiator und neu gewählte Vorsitzende der Bewegung, der Rechtsanwalt Thommy Schott, verweist auf den Katholikentag in Würzburg. Dort habe sich gezeigt, wie weit die Verwirrung bereits fortgeschritten sei. Viele Gläubige glaubten inzwischen, „die Reformen aus der Regenbogenwelt seien das, was jetzt römisch-katholisch sei“.

Verantwortlich dafür seien nicht zuletzt die sprachlichen Verschleierungen sogenannter Reformhirten sowie eine Presse, die immer weniger informiere und stattdessen bestimmte kirchenpolitische Haltungen vermittle.

Schott zieht deshalb eine notwendige Grenze:

„Wir meinen jedoch, dass die Abschaffung des Zölibats, die Weiheämter für Frauen und eine Sexualmoral wider der Heiligen Schrift nicht ‚anders-katholisch‘ sind, sondern gar nicht katholisch.“

Genau diese Klarheit fehlte bislang. Der Begriff „anders-katholisch“ soll den Eindruck erwecken, innerhalb der Kirche könne es mehrere einander widersprechende Wahrheiten geben: eine römisch-katholische Lehre und daneben eine deutsche Sonderlehre, die sich in entscheidenden Fragen von Schrift und Tradition verabschiedet, aber weiterhin das Etikett „katholisch“ beansprucht.

Doch katholische Glaubenswahrheiten werden weder durch Mehrheitsbeschlüsse noch durch ZdK-Abstimmungen verändert. Auch eine mit Kirchensteuermillionen finanzierte Kampagne kann aus einem Widerspruch zum Glauben keine legitime Spielart des Katholischen machen.

Keine deutsche Nationalkirche

Die Initiative richtet sich deshalb nicht allein gegen einzelne Reformforderungen. Sie wendet sich gegen die schleichende Errichtung einer deutschen Nationalkirche, die zwar noch organisatorisch mit Rom verbunden ist, in Verkündigung und Praxis jedoch zunehmend eigene Wege geht.

Schott warnt zu Recht vor den Folgen:

„Eine Spaltung der Kirche in Deutschland aber ist eine Spaltung der Weltkirche, denn wir sind eins.“

Die Kirche ist kein föderaler Interessenverband, in dem jede nationale Sektion ihre eigene Moral und Sakramentenordnung beschließen darf. Ihre Einheit gründet in Christus, im gemeinsamen Glauben, in den Sakramenten und in der Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri. Wer diese Einheit zugunsten eines deutschen Sonderweges aufs Spiel setzt, handelt nicht fortschrittlich, sondern verantwortungslos.

„Pro Fide Ecclesiae“ setzt dem ein eindeutiges Bekenntnis entgegen: „Wir werden zeigen, dass der Glaube unserer Väter der wahre Glaube ist“, kündigt Schott an.

Eine überfällige Initiative

Die Gründung dieser Bewegung ist daher ausdrücklich zu begrüßen. Viel zu lange haben glaubenstreue Katholiken den Eindruck erweckt, sie müssten sich für ihre Treue zur Kirche entschuldigen. Viel zu lange überließen sie den professionellen Funktionären, Reformtheologen und Medienvertretern die öffentliche Deutungshoheit.

Dabei sind nicht jene erklärungsbedürftig, die an der katholischen Lehre festhalten. Erklärungsbedürftig sind vielmehr jene, die zentrale Glaubensinhalte ablehnen und dennoch beanspruchen, im Namen der katholischen Kirche zu sprechen.

Eine solche Bewegung wird allerdings nur dann Wirkung entfalten, wenn sie über unverbindliche Absichtserklärungen hinausgeht: Sie muss öffentlich sichtbar werden, Irrlehren konkret benennen, glaubenstreue Priester und Gemeinden vernetzen und jene Katholiken stärken, die in ihren Pfarreien zunehmend vereinsamen.

Dass sich Laien und Geistliche nun zusammenschließen, um den überlieferten Glauben selbstbewusst zu verteidigen, ist ein ermutigendes Zeichen. Vielleicht beginnt damit endlich das Ende jener fatalen Sprachlosigkeit, von der die kirchlichen Irrwege der vergangenen Jahre profitieren konnten.

Weitere Informationen zur Initiative finden sich auf der Internetseite von Pro Fide Ecclesiae


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