Neues Feindbild: Konservative Christen unter Generalverdacht

(David Berger) Mit einem aktuellen Statement warnt der Publizist und Lebensrechtler Mathias von Gersdorff vor einer zunehmenden gesellschaftlichen und medialen Stigmatisierung konservativer Christen in Deutschland. Seine Diagnose ist eindeutig: Wer sich heute öffentlich zu klassischen christlichen Überzeugungen über Ehe, Familie oder den Schutz ungeborenen Lebens bekenne, gerate immer häufiger unter Extremismusverdacht. Tatsächlich haben sich in den vergangenen Wochen mehrere Vorgänge ereignet, die diese Debatte neu entfacht haben.

In den vergangenen Tagen häuften sich entsprechende Beispiele. Das ZDF strahlte am 11. Juli die Sendung „Exorzismus in Deutschland: Sie jagen den Teufel“ aus und zeichnete ein bis zur Unkenntlichkeit verzerrtes Bild konservativer Frömmigkeit. Bereits einen Tag zuvor widmete der WDR in seiner Sendung Monitor dem Nationalspieler Felix Nmecha einen Beitrag mit dem Titel „Das Netzwerk um Felix Nmecha: Fußball-WM zwischen Gott und Satan“. Anlass war unter anderem, dass der gläubige Christ nach einem WM-Spiel öffentlich auf dem Rasen betete – eine Geste, die in anderen Teilen der Welt als selbstverständlicher Ausdruck persönlicher Religiosität gilt.

Schon Anfang Juni hatte der WDR mit der Dokumentation „Heilige Krieger – Christfluencer und die Neue Rechte“ konservative Christen porträtiert, die sich für Ehe, Familie und den Schutz ungeborenen Lebens engagieren. Legitime christliche Positionen wurden dabei in die Nähe extremistischer Milieus gerückt und damit ganz gezielt der Eindruck erweckt, traditionelle Glaubensüberzeugungen seien grundsätzlich politisch verdächtig.

Alle Nazis, die nicht linksgrün sind

Parallel dazu wächst auch auf politischer Ebene der Druck. Ende Mai richtete die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen eine Anfrage an die Bundesregierung zu möglichen Verbindungen zwischen „christlichem Fundamentalismus“ und Rechtsextremismus. Der verwendete Begriff wird dabei außerordentlich weit gefasst. Unter ihm finden sich höchst unterschiedliche Positionen wieder – von konservativen Wertvorstellungen über Kritik an Gender-Ideologien bis hin zu klassischem Lebensschutz. Hier wird der Versuch deutlich, sehr verschiedene gesellschaftliche Gruppen unter einem politisch belasteten Etikett zusammenzufassen und dadurch zu delegitimieren.

Besonders problematisch wird diese Entwicklung dort, wo öffentliche Stigmatisierung in konkrete Einschüchterung oder Gewalt umschlägt. In den vergangenen Monaten kam es mehrfach zu Angriffen auf christliche Einrichtungen und Initiativen. Teilnehmer der SOS-Leben-Pro-Life-Tour wurden von linksextremen Gegendemonstranten körperlich attackiert; mehrere Beteiligte mussten medizinisch behandelt werden. Die christliche Schwangerschaftsberatungsstelle KALEB wurde wiederholt Ziel großflächiger Farbanschläge. Auch Kirchen, Wegkreuze und andere christliche Denkmäler sind in vielen Regionen Deutschlands immer häufiger von Vandalismus betroffen. In Leipzig musste das christliche Café „Zeal Church“ nach zahlreichen Angriffen und daraus resultierender erheblicher wirtschaftlicher Belastung schließlich seinen Betrieb einstellen.

Unabhängig davon, ob man selbst gläubig ist oder nicht oder wie einzelne Positionen konservativer Christen bewertet, sollte eine demokratische Gesellschaft wachsam werden, wenn religiöse Überzeugungen pauschal unter Extremismusverdacht geraten. Wer Millionen gläubiger Christen aufgrund ihrer ethischen Überzeugungen, die auch die Grundlagen für die Erstellung unseres Grundgesetzes waren, in die Nähe demokratiefeindlicher Bestrebungen rückt, verfehlt nicht nur komplett das Thema, er verschärft ein von Seinesgleichen geschaffenes Klima, in dem Ausgrenzung und Feindseligkeit als moralisch gerechtfertigt, ja geboten erscheinen.

Religionsfreiheit muss auch gläubige Christen schützen

Religionsfreiheit bedeutet nicht lediglich die Freiheit, im Privaten zu glauben. Sie umfasst ebenso das Recht, christliche Überzeugungen öffentlich zu vertreten – auch dann, wenn sie dem Zeitgeist widersprechen. Gerade ein pluralistischer Rechtsstaat muss diese Freiheit schützen. Und alle, die sich sagen: Ich bin sowieso nicht gläubig, seien daran erinnert: Wo konservative Christen heute unter Generalverdacht gestellt werden, könnte morgen jede andere Minderheit zum nächsten ideologischen Feindbild werden.

Vor diesem Hintergrund hat die von Mathias von Gersdorff geleitete Initiative „Aktion Kinder in Gefahr“ eine Petition unter dem Titel „Hass gegen Christen“ gestartet. Darin wird gefordert, dass die öffentliche Diffamierung und gesellschaftliche Ausgrenzung bekennender Christen nicht länger hingenommen werden. Nach Ansicht der Initiatoren müsse die Religionsfreiheit auch jene Christen schützen, die an den klassischen Lehren ihrer Kirche zu Fragen von Ehe, Familie und Lebensschutz festhalten.

Wer die Petition einsehen oder unterzeichnen möchte, findet sie hier:

Petition „Hass gegen Christen“

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Bestseller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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