Rekord-Kirchensteuer finanziert den Niedergang der katholischen Kirche

(David Berger) Die katholische Kirche in Deutschland nimmt trotz Hunderttausender Kirchenaustritte so viel Kirchensteuer ein wie nie zuvor. Dass damit ein weitgehender Niedergang des Katholischen in Deutschland finanziert wird, betrachten praktizierende Katholiken mit wachsender Sorge. Und fragen sich, ob sie die Kirchensteuerzahlung noch mit ihrem Gewissen vereinbaren können.

Die jüngsten Zahlen überraschen auf den ersten Blick: Trotz des anhaltenden Mitgliederschwunds haben die beiden großen Kirchen in Deutschland im vergangenen Jahr mit rund 13 Milliarden Euro so hohe Kirchensteuereinnahmen erzielt wie nie zuvor. Während Jahr für Jahr Hunderttausende Menschen ihren Austritt erklären, sorgen steigende Löhne und Gehälter dafür, dass die Einnahmen dennoch neue Rekordwerte erreichen.

Vor diesem Hintergrund wirkt es fast wie eine Randnotiz, dass der Kölner Dom künftig für Touristen Eintritt verlangen will. Wenn selbst eine der finanzstärksten Ortskirchen der Welt zusätzliche Einnahmequellen erschließt, stellt sich zwangsläufig die Frage, wofür die ohnehin gewaltigen Mittel eigentlich verwendet werden.

Gelder für den Kampf gegen die katholische Tradition

Doch hier geht es um mehr als rein finanzielle Fragen. Nahezu zeitgleich mit der Freude über noch mehr Geld wurde bekannt, dass der bisherige Freiburger Weihbischof Christian Würtz neuer Bischof von Eichstätt wird. Für viele konservative Katholiken steht diese Personalentscheidung exemplarisch für den fatalen kirchenpolitischen Kurs der deutschen Bischofskonferenz – der offensichtlich von Papst Leo aus ganz entschieden gefördert wird.

Würtz hatte im Rahmen des Synodalen Weges für die Segnung homosexueller Paare gestimmt. Ebenso sprach er sich für eine Überprüfung der kirchlichen Lehre über homosexuelle Handlungen aus. Darüber hinaus unterstützte er Forderungen nach Frauen-Diakoninnen sowie eine erneute Diskussion von Ordinatio Sacerdotalis, mit dem Papst Johannes Paul II. bekräftigte, dass die Kirche keine Vollmacht besitzt, Frauen die Priesterweihe zu spenden.

Für viele gläubige Katholiken ist dies keine Randfrage, sondern eine Frage der Treue zur überlieferten Glaubenslehre. Sie erleben seit Jahren, dass Milliarden aus der Kirchensteuer in einen kirchlichen Verwaltungsapparat fließen, der einen Reformkurs verfolgt, den sie weder theologisch noch geistlich mittragen können.

Alternativen zur Kirchensteuer

Damit stellt sich eine unbequeme Gewissensfrage: Muss ein Katholik dieses System überhaupt finanziell unterstützen?

Die Antwort fällt differenzierter aus, als oft behauptet wird. Die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche gründet nach katholischem Verständnis auf Taufe und Glauben – nicht auf der Zahlung einer staatlich eingezogenen Kirchensteuer. Das deutsche Kirchensteuersystem ist eine historisch gewachsene Besonderheit und keineswegs Bestandteil des katholischen Glaubensgutes.

Wer den Eindruck gewinnt, dass seine Kirchensteuer vor allem Strukturen finanziert, die sich von der Lehre der Kirche entfernen, wird deshalb nach Alternativen suchen. An Möglichkeiten mangelt es nicht: Zahlreiche traditionstreue Priesterseminare, Ordensgemeinschaften, Hilfswerke und apostolische Initiativen sind auf freiwillige Spenden angewiesen und verwenden diese unmittelbar für Seelsorge, Mission oder die Ausbildung katholischer Priester.

Gerade die aktuellen Rekordeinnahmen zeigen zudem, dass es der Kirche in Deutschland keineswegs an Geld fehlt. Vielmehr geht es um die Frage, welche Kirche mit diesem Geld aufgebaut wird. Wer das gegenwärtige Anbiedern an den linksgrünen Zeitgeist als Irrweg betrachtet, wird sich kaum damit zufriedengeben, dass die deutschen Bistümer immer neue Milliarden einnehmen. Er wird vielmehr fragen, ob seine finanzielle Unterstützung nicht dort besser aufgehoben wäre, wo der katholische Glaube in Kontinuität mit der Überlieferung gelebt und weitergegeben wird.


Entdecke mehr von Philosophia Perennis

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Bestseller werdende Buch "Der heilige Schein". Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

Trending

VERWANDTE ARTIKEL