(David Berger) Der Linksrutsch unseres Landes zeigt sich auch darin, dass sich die Grundsätze der Glaubens- und Sittenlehre, die bisher auf die kleine esoterische Gruppe der Antifa beschränk waren, nun in der ganzen Republik ausbreiten.

Neben einer Allergie gegen Diskussionen, in denen von der reinen Lehre abweichende Meinungen vorkommen, ist es vor allem die geradezu paranoide Vorstellung von lauter Nazis umgeben zu sein, die zunehmend das öffentliche Leben in unserem Land bestimmt.

Befeuert wird dieser „Überall-Nazis-hier“-Hype ganz entscheidend von jenen, die durch die Jagd nach Nazis ihren Lebensunterhalt bestreiten (Nanny-Journalisten, Stiftungsmitarbeiter, Strategieberater usw.) sowie den Politikern, die sich dadurch einen guten Stand bei eben jenen Journalisten versprechen. Heiko Maas‘ Kampf „gegen rechts“ war das Einfallstor, durch das auch unsere Regierung von dem Nazi-Hype gründlich infiziert wurde. Von der Leyens völlig hysterischer Entnazifizierungsfeldzug gegen die Bundeswehr steht aber ebenfalls geradezu paradigmatisch für diese Nazi-Hysterie.

Der antifantische Entnazifizierungsfeldzug unserer Journalisten und Politiker ist aber auch eine geschickte Ablenkungsstrategie von den Problemen, die wir in Deutschland wirklich haben. Ja noch besser: Diejenigen, die auf diese eigentlichen Probleme hinweisen, sollen über den Nazivorwurf still gestellt werden.

Perfekt beschreibt dies nun Alexander Wendt, seines Zeichens Buchautor und Politik-Redakteur beim „Focus“. Bereits vor einigen Monaten hatte er dadurch für Furore gesorgt, dass er Angela Merkel als „offene Feindin des Grundgesetzes“ bezeichnete:

„Zeit, einmal zu rekapitulieren, wer in diesem Land mittlerweile zur allumfassenden Großorganisation der Nazis gehört: Der grüne Oberbürgermeister von Tübingen Boris Palmer (nach Monitor-Aktivist Georg Hetzle: „tief im im tiefbrauen Sumpf“), der ehemalige Münchner OB Christian Ude, der schwule Publizist David Berger, selbstredend Henryk Broder, Jörg Baberowski, Michael Klonovsky, Christian Kracht (der besitzt immerhin eine niedrige Mitgliedsnummer, verliehen seinerzeit von Georg Diez).

Meine Wenigkeit auch, einmal weil ich Merkels in Trittins falsche Prognosen zur Energiewende in meinem Buch „Der grüne Blackout“ zitiert hatte (Ostthüringer Zeitung: „weit rechtsaußen“), außerdem wurde ich dem Nazipferch wegen ähnlich schwerer Vergehen auch von Jakob Augstein und der taz zugetrieben. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sollte ich einen Naz*i durch Nichtnennung gekränkt haben, bitte ich um Nachsicht.

Eine gewisse inhärente Logik ist schon zu erkennen.

Nachdem es selbst den trübsten journalistischen Aktivisten bei Monitor, Süddeutschen und anderswo dämmert, dass unter ihren krähenden Anfeuerungsrufen zehntausende Juden- und Schwulenfeinde und Frauenverächter zwecks allgemeiner Verbuntung ins Land marschiert sind, muss der Wächterrat jetzt geradezu zwingend die kompensatorische Kammerjagd nach Rudolf-Höß-Widergängern unter Grünen, Sozialdemokraten und nicht-linken Publizistern bis zum Exzess steigern, um noch den letzten aus seinem Versteck zu holen.

Das bis zur Abarbeitung der ganzen Liste durchgehalten und dabei bis auf wenige Fälle wenigstens nicht tiefer als Georg Restle gesunken zu sein, ist ein gerade im Entstehen befindliches Ruhmesblatt spätdeutscher Geschichte.“

***

Hier geht es zum Blog des Autors:

ALEXANDER WENDT