(David Berger) Wie die „Welt“ gestern berichtete, muss ein von zwei Israelis geführter Buchladen in Berlin Neukölln schließen. Die Ursache: Die Bedrohungen der Antifa wurden zu gefährlich, deren Boykottaufrufe waren zu erfolgreich.

Kurz fasst die „Welt“ den Vorgang zusammen:

„Ein Konzeptbuchladen, den zwei junge Israelis betreiben, macht dicht, weil er Anfeindungen von der Antifa ausgesetzt ist. Weil er finanzielle Einbußen hat, die er nicht mehr auffangen kann. Und wohl auch, weil die Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Die Besitzer des Topics wurden, vor allem im Internet, monatelang bedroht, beschimpft und in die Nähe von Nazis gerückt.“

Und weiter: „Die Enkel von Holocaustüberlebenden werden in Berlin von wild gewordenen Antideutschen vertrieben …“

Woher kommt der Nazivorwurf denn nun genau? Der Buchladen war schlicht zu freigeistig und zu sehr auf Kommunikation bedacht.

Freiheit, Diskurs, humanistische Bildung, Debatte, Alteritätskompetenz: Alles Eigenschaften, die einem in den Augen der Antifa und ihrer heimlichen Sympathisanten heute in Deutschland zum „Nazi“ machen.

Konkret: Die Besitzer des Buchladens hatten eine Veranstaltung geplant, bei der es um das Werk des Kulturphilosophen Julius Evola gehen sollte. Ähnlich wie Pierre Paolo Passolini war der italienische Kulturphilosoph ein Kulturpessimist und in keine jener schwarzen oder weißen Schubladen einzuordnen, von denen das manichäische Weltbild der Antifa lebt. Durch seine Werke, die unter anderem die katholische Kirche hart angreifen, wurde er zum Vordenker nicht nur der Rechten in Italien, sondern in ganz Europa. Auch antisemitische Aspekte lassen sich in seinem Werk ausmachen. Jüngst soll ihn Steve Bannon, der Denker an Donald Trumps Seite als wichtigen Inspirator genannt haben.

Das war nun auch der Anlass der jüdischen Buchhändler sich mit ihm auseinanderzusetzen. Die „Welt“ dazu weiter:

„Amir schrieb in seinem Aufruf auf Facebook, man müsse die intellektuellen Wurzeln des Faschismus doch verstehen, um ihn zu vermeiden. Aber nachdem sie das Event angekündigt hatten, hatte das Topics keine Ruhe mehr. Die Antifa löste einen Shitstorm im Internet aus, es kamen keine Kunden mehr, Doron kann den Laden nicht mehr finanzieren.“

Das, was die Antifa also so in Rage brachte hat in keiner Weise etwas damit zu tun, dass es sich bei den jungen Israelis, die den Buchladen betreuten, um Nazis oder Faschisten handeln könnte. Schön beschreibt die „Welt“, worum es ihnen ging:

„Man hat das Gefühl, sich mit Leuten zu unterhalten, die nach dem suchen, was intellektuell stimulierend ist, und die nicht in den langweiligen Bahnen vorgeformten Diskurshipstertums bleiben, das leider vielfach das weltanschauliche Milieu junger, linker Akademiker ausmacht.“

In der durch und durch spießigen Atmosphäre der Berliner linken Intellektuellen, die sich irgendwo zwischen Antifa, Drogendealern und dem implizit anti-israelischen Islam-Appeasement verpflichteten linken Politikern, Marketingexperten und Sozialarbeitern zusammengebraut hat, haben solche Menschen, mit dem Mut zu denken, sich mit dem Anderen auseinanderzusetzen, sich auf Debatten und Kontroversen einzulassen, keinen Platz.