Schmutzkampagne gegen Ulrich Siegmund gescheitert – aus dem vermeintlichen Skandal wurde ein Eigentor

(David Berger) Je näher der Wahltag in Sachsen-Anhalt rückt, desto hektischer scheinen die Versuche zu werden, den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund doch noch zu beschädigen. Doch ausgerechnet die jüngste Kampagne um seinen Studienabschluss entwickelte sich binnen weniger Stunden zu einem spektakulären Fehlschlag – und wirft nun vor allem Fragen an die Medien selbst auf.

Dass die etablierten Parteien und große Teile der ihnen wohlgesonnenen Medien alles daransetzen würden, einen möglichen Wahlsieg Ulrich Siegmunds noch zu verhindern, war absehbar. Schließlich geht es in Sachsen-Anhalt längst nicht mehr nur um einen Regierungswechsel, sondern um die reale Möglichkeit, dass erstmals ein AfD-Politiker Ministerpräsident eines Bundeslandes werden könnte. Entsprechend groß scheint die Nervosität. Doch Nervosität ist ein schlechter Ratgeber. Die jüngste Aufregung um Siegmunds Hochschulabschluss zeigt dies eindrucksvoll.

Vom vermeintlichen Skandal zum peinlichen Eigentor

Innerhalb weniger Stunden wurde aus einigen Fragen in den sozialen Netzwerken ein vermeintlicher Medienskandal konstruiert. Plötzlich ging es um angeblich fehlende Studiennachweise, um Zweifel an akademischen Abschlüssen und schließlich sogar um den unterschwelligen Verdacht einer Urkundenfälschung. Die Springermedien von „Bild“ bis „Welt“ machte eifrig mit. Auch Wikipedia übernahm Formulierungen, die diesen Eindruck zumindest nahelegten. Medien griffen das Thema auf und vermittelten den Eindruck, hier könnte sich eine schwerwiegende Affäre anbahnen. Ausgegangen war die Kampagne vermutlich von einem wegen Betrugs, Urkundenfälschung und missbräuchlichen Führens akademischer Titel verurteilten Hochstapler wie Gert Postel, der sich über Jahre mit gefälschten Dokumenten als Arzt ausgab und später zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Ausgerechnet dieser Mann wirft ausgerechnet Ulrich Siegmund mangelnde Transparenz bei seiner akademischen Vita vor. Und die Bildzeitung greift das auf …

Doch dann kam die Ernüchterung. Die Junge Freiheit veröffentlichte Siegmunds Bachelorurkunde, das Abschlusszeugnis und das Zertifikat. Schwarz auf weiß dokumentieren die Unterlagen den erfolgreichen Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaft und Wirtschaftspsychologie an der Europäischen Fernhochschule Hamburg. Verliehen wurde ihm am 4. Mai 2016 der akademische Grad Bachelor of Arts (B.A.), Gesamtnote 2,3.

Damit war der Kern der Vorwürfe praktisch erledigt. Besonders peinlich wurde es bei der Behauptung, die Hochschule vergebe für diesen Studiengang ausschließlich den Abschluss „Bachelor of Science“. Ein kurzer Blick in die Entwicklung der Studiengänge zeigt nämlich, dass diese Umstellung erst Jahre nach Siegmunds Abschluss erfolgte. Zum Zeitpunkt seines Studiums wurde tatsächlich der Grad „Bachelor of Arts“ verliehen. Aus einem angeblichen Widerspruch wurde damit ein Beleg dafür, wie oberflächlich manche Vorwürfe recherchiert worden waren.

Was als große Enthüllung gedacht gewesen sein dürfte, verpuffte deshalb innerhalb kürzester Zeit. In den sozialen Netzwerken machte sich entsprechend Spott breit. Viele Nutzer bemerkten, Ulrich Siegmund habe seine Unterlagen schneller öffentlich gemacht als so mancher Spitzenpolitiker anderer Parteien jemals bereit gewesen sei, offene Fragen zu seinem eigenen Lebenslauf zu beantworten.

Zweierlei Maß? Der Vergleich mit Baerbock drängt sich auf

Damit drängt sich zwangsläufig ein Vergleich auf. Als Annalena Baerbock 2021 wegen zahlreicher Ungereimtheiten in ihrem Lebenslauf und später wegen umfangreicher Plagiatsvorwürfe gegen ihr Buch in die Schlagzeilen geriet, war die mediale Empörung deutlich zurückhaltender. Die abgebrochene Promotion, mehrfach geänderte Lebenslaufangaben und die Diskussion um wissenschaftliche Standards führten zwar zu Kritik, doch längst nicht zu jener Intensität, mit der heute jeder noch so kleine Verdacht gegen einen AfD-Politiker verfolgt wird. Ganz zu schweigen von Dr. Mettbrötchen aus Thüringen…

Genau diese unterschiedlichen Maßstäbe empfinden viele Bürger inzwischen als das eigentliche Problem. Während bei AfD-Politikern jedes Detail unter das Mikroskop gelegt wird, scheinen vergleichbare oder schwerwiegendere Fragen bei Vertretern anderer Parteien häufig erstaunlich schnell erledigt zu sein. Diese unterschiedliche Behandlung trägt erheblich zum Vertrauensverlust gegenüber großen Medien bei.

„Was wollt ihr noch wissen? Grundschulzeugnis? Lieblingsessen? Schuhgröße?“

Der eigentliche Gewinner dieser Affäre ist nun ausgerechnet Ulrich Siegmund selbst. Denn wer einen politischen Gegner kurz vor einer Wahl diskreditieren möchte, sollte sich seiner Fakten sicher sein. Andernfalls entsteht genau der gegenteilige Eindruck: Nicht der Angegriffene verliert an Glaubwürdigkeit, sondern diejenigen, die mit halbgaren Verdachtsmomenten arbeiten. So bleibt von der groß angekündigten Bachelor-Affäre wenig übrig. Die veröffentlichten Dokumente sprechen für sich. Der Vorwurf, Siegmund habe seinen Abschluss verschleiert oder gar falsche Angaben gemacht, hat sich nach dem derzeit bekannten Sachstand nicht bestätigt.

Wer keine politischen Argumente mehr hat, versucht den Gegner persönlich zu diskreditieren. Scheitert auch das, bleibt nur die Erkenntnis: Nicht jede Schmutzkampagne erreicht ihr Ziel – manche macht den Angegriffenen am Ende sogar stärker. Die Wähler werden dies am 6. September auf kluge Weise zu würdigen wissen. Und Ulrich Siegmund hat gut lachen. Heute Morgen hat er auf X die Kampagnenmacher und ihre Gläubigen auf den Arm genommen und gefragt: „Was wollt ihr noch wissen? Grundschulzeugnis? Lieblingsessen? Schuhgröße?“

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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