Der Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera widmet sein neues Buch dem Dichter, Komponisten und unbequemen Freigeist E. T. A. Hoffmann, dessen 250. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird. Dabei schlägt er einen Bogen von der deutschen Romantik über die Evolutionsbiologie bis zu den gesellschaftspolitischen Konflikten unserer Gegenwart. Eine ebenso ungewöhnliche wie provokante Lektüre. – Ein Gastbeitrag von Dr. Klaus Rißler.
In der Flut der jährlich erscheinenden Bücher gehen manche Perlen beinahe unter. Während Schauspieler, Fußballstars und Politiker den Markt mit oft wenig gehaltvollen autobiografischen Veröffentlichungen überschwemmen, finden anspruchsvolle Werke nicht immer die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Zu den bemerkenswerten Neuerscheinungen des Jahres 2026 gehört für mich das reich bebilderte Buch des Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera: Die kreativen Querdenker – Freigeist E. T. A. Hoffmann und der biologisch-gesellschaftliche Niedergang heute. Kutschera widmet sein Werk dem vor 250 Jahren geborenen Universalgenie E. T. A. Hoffmann. Zugleich greift er gesellschaftliche Tabuthemen auf, darunter die genetischen Risiken von Verwandtenehen, die Folgen bestimmter Heiratspraktiken und die Frage, welche Bedeutung biologische Faktoren für gesellschaftliche Entwicklungen besitzen könnten.
Der aus Freiburg im Breisgau stammende Evolutionsbiologe hat Hunderte wissenschaftliche Fachartikel veröffentlicht und ist als Professor in Deutschland und den USA tätig, unter anderem an der Stanford University. Neben mehreren umfangreichen Sachbüchern veröffentlichte er eigene neoklassische Klavierkompositionen. Kutschera gehört damit zu jenen Wissenschaftlern, deren Interessen weit über die Grenzen des eigenen Fachgebiets hinausreichen. Sein jüngstes Werk umfasst 365 Seiten, rund 100 Abbildungen sowie zehn Kapitel mit ergänzenden Anhängen und einem Glossar.
- T. A. Hoffmann: Ein unbequemer Geist
Ernst Theodor Amadeus Hoffmann wurde am 24. Januar 1776 in Königsberg geboren. Er war Schriftsteller der Romantik, Komponist, Musiker, Zeichner, Karikaturist und Jurist. Sein Leben führte ihn unter anderem nach Posen und Berlin, wo er als Richter tätig war. Kutschera zeichnet den Lebensweg dieses außergewöhnlichen Mannes anhand umfangreicher Quellen nach. Dabei berücksichtigt er auch genealogische und biografische Aspekte, die in bisherigen Darstellungen weniger Beachtung gefunden haben. Hoffmann war ein kritischer Geist, der sich Autoritäten nicht ohne Weiteres unterordnete. Seine künstlerische Fantasie, seine satirische Begabung und seine Bereitschaft, gesellschaftliche Konventionen infrage zu stellen, machen ihn aus heutiger Sicht zu einem bemerkenswerten Vertreter unabhängigen Denkens.
Gerade darin liegt die Aktualität des Buches. Seit der Corona-Krise ist der Begriff „Querdenker“ für viele zum politischen Schimpfwort geworden. Wer staatliche Maßnahmen infrage stellte, musste damit rechnen, pauschal als Verschwörungstheoretiker oder gesellschaftlicher Außenseiter abgestempelt zu werden. Dabei gehört die Fähigkeit, vermeintliche Gewissheiten kritisch zu hinterfragen, zu den wichtigsten Voraussetzungen wissenschaftlichen und kulturellen Fortschritts. Hoffmann könnte insofern durchaus als historisches Vorbild eines selbstständigen, unbequemen Denkens gelten. Obwohl mir sein Name bereits aus dem Deutschunterricht vertraut war, wurde mir erst durch Kutscheras Buch bewusst, welche Fülle außergewöhnlicher Begabungen sich hinter dem äußerlich eher unscheinbaren Berliner Richter verbarg. In nur 46 Lebensjahren hinterließ Hoffmann ein beeindruckendes Werk als Schriftsteller, Komponist und bildender Künstler.
Querdenker als Motor des Fortschritts
Die Geschichte Europas wäre ohne ihre großen unabhängigen Denker kaum vorstellbar. Nikolaus Kopernikus, Galileo Galilei, Erasmus von Rotterdam, Isaac Newton, Ignaz Semmelweis, Louis Pasteur, Robert Koch, Marie Curie oder Albert Einstein: Sie alle stellten auf unterschiedliche Weise überkommene Vorstellungen infrage. Nicht jeder dieser Persönlichkeiten ist in seinen Überzeugungen oder seinem Wirken gleichermaßen zuzustimmen. Gemeinsam ist ihnen jedoch die Bereitschaft, bestehende Denkmuster zu überprüfen und neue Wege einzuschlagen. Auch Charles Darwin gehört für Kutschera in diese Reihe. Anlässlich des 150. Jahrestages von Darwins 1876 erschienener Untersuchung zur Selbst- und Kreuzbefruchtung im Pflanzenreich beschäftigt er sich unter anderem mit dessen Ehe mit seiner Cousine Emma Wedgwood und möglichen genetischen Folgen für die Nachkommen. Damit führt der Autor zu einem zentralen Thema seines Buches: den biologischen Konsequenzen von Verwandtenehen. Doch zunächst steht E. T. A. Hoffmann selbst im Mittelpunkt.
Eine außergewöhnliche Biografie
Kutschera zeichnet Hoffmanns Lebensgeschichte von dessen schwieriger Kindheit bis zu seinem frühen Tod nach. Die Eltern trennten sich bereits wenige Jahre nach seiner Geburt. Während der Vater nach Insterburg zog, blieb Hoffmann bei seiner Mutter in Königsberg und wuchs im Umfeld der mütterlichen Familie Doerffer auf. Mit 16 Jahren begann er sein Jurastudium an der Universität Königsberg. Seine eigentliche Leidenschaft galt jedoch der Musik, der Literatur und den bildenden Künsten. Ein besonderes Augenmerk richtet Kutschera auf Hoffmanns familiäre Herkunft. Dabei greift er auf genealogische Quellen zurück, darunter historische Kirchenbucheinträge. Unterstützung erhielt er unter anderem von Jörg Petzel, dem Vizepräsidenten der E. T. A. Hoffmann-Gesellschaft. Diese Gesellschaft hat sich um die Erforschung und Bewahrung des vielseitigen Lebenswerks Hoffmanns verdient gemacht. Dass Kutschera ihre Erkenntnisse für eine neue, naturwissenschaftlich geprägte Betrachtung nutzt, gehört zu den interessanten Besonderheiten seiner Veröffentlichung.
Erschütternd ist die Darstellung von Hoffmanns letzten Lebensmonaten. Der schwer erkrankte Künstler wurde unter anderem von dem Berliner Chirurgen Johann Nepomuk Rust behandelt, der das sogenannte Brenneisen-Verfahren anwendete. Bei dieser damals praktizierten Methode wurde mit erhitztem Metall auf den Körper eingewirkt, um vermeintliche Heilwirkungen zu erzielen. Hoffmann starb am 25. Juni 1822. Kutschera setzt sich kritisch mit den damaligen Behandlungsmethoden auseinander und erörtert, inwieweit sie das Leiden des Patienten verschlimmert haben könnten.
Zwischen staatlicher Autorität und persönlicher Freiheit
Hoffmann lebte in einer Epoche zunehmender politischer Repression. Nach den vergleichsweise aufgeklärten Regierungsjahren Friedrichs des Großen verstärkten sich in Preußen restaurative und autoritäre Tendenzen. Die Karlsbader Beschlüsse von 1819, maßgeblich auf Betreiben des österreichischen Staatskanzlers Klemens von Metternich zustande gekommen, schränkten die Presse- und Meinungsfreiheit erheblich ein. Auch Hoffmann geriet wegen seiner kritischen Haltung gegenüber staatlicher Willkür in Konflikt mit den Behörden. Seine satirische Auseinandersetzung mit der obrigkeitlichen Verfolgung vermeintlicher Demagogen brachte ihm ein Disziplinarverfahren ein, dessen Abschluss er wegen seines frühen Todes nicht mehr erlebte.
Die Parallelen zur Gegenwart liegen für Kutschera auf der Hand. Auch heute erleben wir Bestrebungen, die Grenzen zulässiger Meinungsäußerungen immer enger zu ziehen. Staatliche Eingriffe in die Privatsphäre, digitale Überwachungsmöglichkeiten und politische Maßnahmen gegen sogenannte Desinformation werfen grundsätzliche Fragen nach dem Verhältnis zwischen Bürger und Staat auf. Das chinesische Sozialkreditsystem steht dabei beispielhaft für die Gefahren einer umfassenden staatlichen Kontrolle. Eine freie Gesellschaft braucht Menschen, die widersprechen, nachfragen und sich weigern, jede offizielle Verlautbarung ungeprüft zu übernehmen. Ohne solche Freigeister drohen Wissenschaft, Kultur und Politik in Konformismus zu erstarren.
Von der Medizin des 19. Jahrhunderts zur Corona-Politik
Besonders provokant ist das vierte Kapitel, in dem Kutschera eine Verbindung zwischen den fragwürdigen Heilmethoden des 19. Jahrhunderts und dem Umgang mit der Corona-Pandemie herstellt. Die Behandlung Hoffmanns mit dem Brenneisen erscheint aus heutiger Sicht als erschreckendes Beispiel dafür, wie medizinische Autorität und wissenschaftlicher Irrtum zusammenwirken können. Auch andere damals verbreitete Verfahren, etwa der sogenannte tierische Magnetismus, fanden zahlreiche Anhänger, obwohl ihre behaupteten Wirkungen einer kritischen Überprüfung nicht standhielten. Kutschera nimmt diese historischen Erfahrungen zum Anlass, die staatliche Corona-Politik und insbesondere den gesellschaftlichen Umgang mit ihren Kritikern zu hinterfragen.
Der Vergleich zwischen damaligen Heilmethoden und der modernen Impfmedizin ist wissenschaftlich allerdings nur begrenzt tragfähig. Die Wirksamkeit und die Risiken der COVID-19-Impfstoffe wurden in klinischen Studien und durch umfangreiche Sicherheitsüberwachung untersucht. Berechtigte Kritik an einzelnen politischen Maßnahmen oder am öffentlichen Umgang mit abweichenden Meinungen sollte deshalb nicht mit einer pauschalen Gleichsetzung unterschiedlicher medizinischer Verfahren verwechselt werden. Unabhängig davon bleibt die Frage berechtigt, ob während der Pandemie wissenschaftlicher Widerspruch stets mit der notwendigen Offenheit behandelt wurde. Gerade eine freiheitliche Gesellschaft muss auch unbequeme Kritik aushalten können. Kutschera vertritt die These, Hoffmann hätte sich angesichts der damaligen gesellschaftlichen Konflikte wahrscheinlich auf die Seite der kritischen Querdenker gestellt. Ob sich eine historische Persönlichkeit tatsächlich so verhalten hätte, bleibt naturgemäß Spekulation. Als gedankliche Provokation ist dieser Vergleich jedoch durchaus reizvoll.
Verwandtenehen und ihre genetischen Risiken
Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Frage nach den biologischen Folgen von Ehen zwischen nahen Verwandten. Kutschera beschäftigt sich dabei zunächst mit Hoffmanns eigener Familiengeschichte. Nach seiner Darstellung bestanden innerhalb der Familie enge verwandtschaftliche Verbindungen, deren mögliche genetische Konsequenzen er untersucht. Hoffmann war zeitweise mit einer Cousine verlobt, löste diese Verbindung jedoch und heiratete später die Polin Maria Thekla Michalina Rorer-Trzcińska. Kutschera bringt verschiedene körperliche Besonderheiten Hoffmanns mit dessen familiärer Abstammung in Verbindung. Solche rückblickenden genetischen Diagnosen sind allerdings mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Ohne entsprechende medizinische und genetische Nachweise lässt sich nicht zuverlässig feststellen, ob einzelne körperliche Merkmale tatsächlich auf Verwandtenehen zurückzuführen waren. Das gilt ebenso für den frühen Tod von Hoffmanns einziger Tochter im Kindesalter und die Tatsache, dass das Ehepaar keine weiteren Kinder bekam.
Unbestritten ist dagegen, dass Ehen zwischen nahen biologischen Verwandten das Risiko bestimmter rezessiv vererbter Erkrankungen bei gemeinsamen Kindern erhöhen können. Dieses Risiko ist in der Humangenetik gut dokumentiert. Als historisches Beispiel verweist Kutschera auf die spanische Linie der Habsburger. Dort hatten wiederholte Eheschließungen innerhalb der Dynastie zu einer starken Verwandtschaftsverdichtung geführt. Mit dem kinderlosen Tod Karls II. im Jahr 1700 endete die spanische Linie der Habsburger. Der anschließende Streit um die Thronfolge mündete in den Spanischen Erbfolgekrieg von 1701 bis 1714. Die biologischen Risiken dynastischer Heiratspolitik sind somit keineswegs nur ein theoretisches Problem.
Ein gesellschaftspolitisch brisantes Thema
Kutschera erweitert seine Betrachtung auf die Gegenwart und verweist auf die in verschiedenen Weltregionen unterschiedlich verbreitete Praxis der Verwandtenehe. Besonders hohe Anteile finden sich nach den von ihm angeführten Zahlen unter anderem in Pakistan, Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Afghanistan und mehreren weiteren Staaten des Nahen und Mittleren Ostens. Die genannten Werte reichen teilweise bis über 50 Prozent. Allerdings unterscheiden sich die wissenschaftlichen Erhebungen hinsichtlich Untersuchungszeitraum, Region und Definition des Verwandtschaftsgrades. Die Angaben sollten deshalb nicht als zeitlos gültige oder unmittelbar vergleichbare nationale Kennzahlen verstanden werden. Aus medizinischer Sicht ist das Thema zweifellos relevant. Wo Ehen zwischen nahen Verwandten über mehrere Generationen hinweg verbreitet sind, können bestimmte Erbkrankheiten häufiger auftreten. Das stellt die betroffenen Familien und Gesundheitssysteme vor besondere Herausforderungen.
Wesentlich problematischer erscheint mir dagegen die weitergehende These, aus hohen Verwandtenehequoten ließen sich unmittelbar Rückschlüsse auf Gewaltkriminalität oder das gesellschaftliche Verhalten ganzer Bevölkerungsgruppen ziehen. Ein solcher Zusammenhang wäre nur durch sorgfältige empirische Untersuchungen nachzuweisen, die unter anderem soziale, wirtschaftliche, demografische und kulturelle Einflussfaktoren berücksichtigen. Aus genetischen Risiken für einzelne Nachkommen lässt sich jedenfalls keine pauschale Aussage über die Intelligenz oder Gewaltbereitschaft einer Bevölkerung ableiten. Gerade bei einem derart sensiblen Thema sollte die wissenschaftliche Argumentation präzise bleiben. Die medizinischen Folgen von Verwandtenehen sind ernst genug, um ohne zusätzliche Verallgemeinerungen diskutiert zu werden.
Migration und die Folgen politischer Entscheidungen
Von diesen biologischen Fragestellungen führt Kutschera seine Überlegungen zur Migrationspolitik. Die Grenzentscheidungen der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel im Herbst 2015 haben Deutschland tiefgreifend verändert. Ihre langfristigen Folgen für öffentliche Haushalte, Bildungssystem, Wohnungsmarkt, innere Sicherheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt sind bis heute Gegenstand kontroverser Debatten. Dabei gehört auch die Frage auf den Tisch, welche Herausforderungen entstehen, wenn Menschen aus Gesellschaften zuwandern, in denen Verwandtenehen, traditionelle Familienstrukturen oder Zwangsverheiratungen stärker verbreitet sind. Insbesondere Zwangs- und Kinderehen stehen im Widerspruch zu grundlegenden Freiheitsrechten und müssen konsequent bekämpft werden. Ebenso sind medizinische Aufklärung und genetische Beratung dort sinnvoll, wo erhöhte gesundheitliche Risiken bestehen. Allerdings dürfen kulturelle Praktiken und medizinische Risiken nicht pauschal allen Angehörigen bestimmter Herkunftsgruppen zugeschrieben werden.
Die Kritik an der Migrationspolitik der vergangenen Jahre braucht solche Verallgemeinerungen auch gar nicht. Es gibt genügend konkrete politische Fragen, die eine sachliche und durchaus scharfe Auseinandersetzung rechtfertigen. Dazu zählen die Kosten der Aufnahme und Integration, die Belastungen von Kommunen und Schulen, Probleme bei der Durchsetzung des Aufenthaltsrechts sowie die Frage, wie illegale Migration wirksam begrenzt werden kann. Die jährlichen Gesamtkosten der Migrationspolitik werden politisch sehr unterschiedlich beziffert. Pauschale Summen von bis zu 100 Milliarden Euro sind ohne genaue Definition der berücksichtigten Ausgaben und eine nachvollziehbare Berechnungsgrundlage jedoch nicht belastbar. Entscheidend bleibt für mich die Frage, ob die deutsche Politik seit 2015 die tatsächlichen Integrationsmöglichkeiten des Landes ausreichend berücksichtigt hat. Daran sind erhebliche Zweifel erlaubt. Deutschland steht zugleich vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen. Fachkräftemangel, nachlassende Wettbewerbsfähigkeit, hohe Energiepreise, Bürokratie und Defizite im Bildungssystem gefährden den Wohlstand. Umso wichtiger wäre eine Migrationspolitik, die zwischen Schutzbedürftigkeit, Arbeitsmigration und fehlendem Aufenthaltsrecht klar unterscheidet.
Fazit: Mehr Mut zum unabhängigen Denken
Ulrich Kutscheras Buch ist weit mehr als eine weitere Biografie E. T. A. Hoffmanns. Es verbindet die Lebensgeschichte eines außergewöhnlichen Künstlers und Juristen mit evolutionsbiologischen Fragestellungen und einer streitbaren Kritik an gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen. Besonders interessant ist die Verbindung von Kulturgeschichte und Naturwissenschaft. Kutscheras genealogische Untersuchungen eröffnen eine ungewöhnliche Perspektive auf Hoffmanns Leben. Zugleich regen seine Überlegungen zu grundsätzlichen Fragen über die Bedeutung wissenschaftlicher Erkenntnisse für politische Entscheidungen an. Nicht jeder Schlussfolgerung muss man folgen. Manche Thesen verlangen eine sorgfältigere empirische Absicherung, andere dürften Widerspruch hervorrufen. Doch gerade darin liegt ein wesentlicher Wert des Buches: Es fordert zur Auseinandersetzung heraus.
- T. A. Hoffmann verkörperte den Typus eines Menschen, der sich weder künstlerisch noch geistig in enge Grenzen zwängen ließ. Er war Jurist und Fantast, Komponist und Satiriker, ein scharfer Beobachter menschlicher Schwächen und ein unbequemer Kritiker staatlicher Willkür. Eine Gesellschaft, die solche Persönlichkeiten nicht mehr erträgt, verliert einen Teil ihrer geistigen Lebenskraft. In diesem Sinne lässt sich Kutscheras zentrale Botschaft auf eine einfache Formel bringen: Wir sollten wieder etwas mehr Hoffmann wagen.
Dr. Klaus Rißler ist Chemiker und Publizist.
Informationen zum Buch:
Ulrich Kutschera: Die kreativen Querdenker – Freigeist E. T. A. Hoffmann und der biologisch-gesellschaftliche Niedergang heute.
https://www.evolutionsbiologen.de/media/files/die-kreativen-querdenker-flyer-kurz.pdf
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