Rote Merkel: Altkanzlerin entdeckt ihre Sympathie für die SED-Erben neu

(David Berger) Angela Merkel hat wieder einmal, nun aber besonders unmissverständlich deutlich gemacht, wo ihre politischen Sympathien liegen. Während sie die AfD selbst bei parlamentarischen Personalentscheidungen kategorisch ausgrenzt, stellt sie der Linkspartei ein politisches Unbedenklichkeitszeugnis aus. Dass ausgerechnet die frühere Vorsitzende einer christlich-konservativen Partei gegenüber den Erben der SED so viel Nachsicht zeigt, wirft ein bezeichnendes Licht auf ihr politisches Selbstverständnis – und auf das Erbe ihrer sechzehnjährigen Kanzlerschaft.

Die von Antisemiten und kriminellen Islam-Clans unterwanderte Linkspartei richte sich „im Großen und Ganzen“ nicht gegen das Grundgesetz, erklärte die frühere Bundeskanzlerin bei einer Veranstaltung in Berlin. Ganz anders ihr Urteil über die AfD, der sie Deutschland keinesfalls überlassen möchte. Dass die Linkspartei aus jener SED hervorgegangen ist, die für vier Jahrzehnte kommunistische Diktatur, politische Verfolgung und die tödliche Sicherung der innerdeutschen Grenze verantwortlich war, steht ihrer großzügigen Beurteilung offenbar nicht im Wege. Merkel begründet diese unterschiedliche Behandlung mit ihrer Einschätzung der jeweiligen Haltung zum Grundgesetz. Weshalb die historische Belastung der Linkspartei dabei so wenig Gewicht erhält, bleibt eine berechtigte Frage. Und auch die jüngsten Skandale rund um die Linke in Berlin scheinen sie nicht zu stören.

Die Tochter des „roten Kasner“

Merkels Verhältnis zur politischen Linken lässt sich nicht ohne einen Blick auf ihre Herkunft betrachten. Ihr Vater, der evangelische Pfarrer Horst Kasner, übersiedelte 1954 mit seiner Familie freiwillig aus Hamburg in die DDR, während Hunderttausende Deutsche in den Westen flohen. Kasner galt als vergleichsweise staatsnah und erhielt den Spitznamen „der rote Kasner“. Seine Tochter wuchs im sozialistischen Staat auf, engagierte sich in der Freien Deutschen Jugend und fand erst während des Zusammenbruchs der DDR ihren Weg in die bundesdeutsche Parteipolitik. Welche Spuren diese Sozialisation in ihrem politischen Denken hinterließ, ist eine offene biografische Frage.

Auch die Auseinandersetzung um mögliche Stasi-Unterlagen hält an. Im März 2026 entschied das Verwaltungsgericht Berlin, dass das Bundesarchiv einem Autor keine entsprechenden Unterlagen herausgeben muss. Das Archiv bestreitet, über herausgabefähige Akten zu verfügen; das Gericht stellte keine gezielte Begünstigung Merkels durch die Staatssicherheit fest. Ein Nachweis für eine geheim gehaltene persönliche Stasi-Akte liegt damit nicht vor.

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Für die Beurteilung Merkels sind ohnehin ihre politischen Entscheidungen entscheidend. Unter ihrer Führung verlor die CDU wesentliche Teile ihres konservativen Profils. Der 2011 beschlossene beschleunigte Atomausstieg verringerte Deutschlands gesicherte Stromerzeugung und schränkte den energiepolitischen Handlungsspielraum ein. Hohe Energiepreise und industrielle Standortprobleme haben mehrere Ursachen, doch diese Entscheidung gehört zu den langfristigen Belastungen der deutschen Energiepolitik.

Nicht minder folgenreich war Merkels Migrationspolitik von 2015. Die Aufnahme zahlreicher über Ungarn kommender Schutzsuchender wurde zum Symbol einer Politik, deren Konsequenzen Deutschland weiterhin beschäftigen: hohe Integrationskosten, überlastete kommunale Strukturen, Konflikte um die Steuerung der Zuwanderung, eine extrem angestiegene Kriminalität und eine tiefgreifende gesellschaftliche Polarisierung. Zugleich rückte Merkel die CDU gesellschaftspolitisch näher an SPD und Grüne und entfremdete damit einen Teil ihrer konservativen Wählerschaft.

Vor diesem Hintergrund erhält Merkels jüngste Stellungnahme ihre eigentliche Bedeutung. Die frühere CDU-Vorsitzende, die weitreichende energie-, migrations- und gesellschaftspolitische Kurswechsel verantwortete, zeigt sich gegenüber der aus der SED hervorgegangenen Linkspartei aufgeschlossen, während sie eine Zusammenarbeit mit der AfD grundsätzlich ablehnt. Beide Parteien unterscheiden sich in Geschichte und Programmatik. Auch ihre Kritik ausgerechnet an Friedrich Merz wegen dessen „Stadtbild“-Äußerung zeigt, dass sie an wesentlichen Positionen ihrer Kanzlerschaft festhält. Die Verantwortung für deren langfristige Folgen wird dadurch nicht geringer.

AfD: Jetzt ist sie halt da, Frau Merkel

Angela Merkel erklärt, sie wolle Deutschland nicht der AfD überlassen. Doch Deutschland gehört keiner Partei und keiner ehemaligen Bundeskanzlerin. Es gehört auch nicht zu Merkels fatalem politischen Nachlass, über dessen künftige Verwendung sie zu entscheiden hätte. In einer parlamentarischen Demokratie bestimmen die Wähler über die Zusammensetzung des Bundestages; die gewählten Abgeordneten entscheiden über die Regierungsbildung.

Für die CDU aber bleibt eine grundsätzliche Frage offen: Will sie die unter Merkel vollzogene programmatische Verschiebung fortsetzen und bis in den einstelligen Bereich abstürzen oder wieder deutlicher an ihre konservativen Traditionen anknüpfen? Der Atomausstieg, die Migrationsentscheidungen von 2015 und die veränderte politische Identität der Union gehören zu den folgenreichsten Hinterlassenschaften ihrer Kanzlerschaft. Bislang ist keine Tendenz zu einer Befreiung aus der gemerkelten babylonischen Gefangenschaft dieses Parte zu sehen. Und vermutlich werden auch Merkles jüngste Sympathiebekundungen für die Mauermörderpartei daran nichts ändern.

Merkels Kurs selbst war und ist es, der in nicht allzu langer Zeit dazu führen wird, dass die Wähler ihr Land der AfD anvertrauen… Und sie werden Merkels Wut dann nur mit einem Schulterzucken quittieren und in Hinblick auf die AfD-Regierung verkünden: „Jetzt sind sie halt da!“

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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