In der spanischen Exklave Ceuta entlädt sich der wachsende Unmut über die Migrationskrise. Tausende Einwohner zogen mit spanischen Fahnen durch die Straßen und forderten sichere Grenzen und Abschiebungen. Am Strand El Trampolín eskalierte schließlich die Situation – die Polizei setzte Tränengas ein, um eine direkte Konfrontation zwischen Spaniern und Migranten zu verhindern.
Was sich am Mittwochabend in Ceuta abspielte, dürfte auch in Madrid aufmerksam verfolgt worden sein. In der spanischen Exklave an der nordafrikanischen Küste gingen Tausende Menschen auf die Straße. Ihr Protest richtete sich gegen die Folgen der anhaltenden Migrationskrise – und gegen eine Regierung, von der sich viele Einwohner offenbar im Stich gelassen fühlen.
Allein vor der Regierungsvertretung versammelten sich nach Angaben von Cadena SER mehr als 2.000 Menschen; andere Berichte sprechen für den gesamten Demonstrationszug von Tausenden Teilnehmern. Spanische Fahnen und die Flagge Ceutas bestimmten das Bild. Immer wieder erschallte der Ruf: „Ceuta no se vende, Ceuta se defiende!“ – „Ceuta wird nicht verkauft, Ceuta wird verteidigt!“ Auch „Migranten raus!“, „Invasoren – Abschiebung!“ und Rücktrittsforderungen gegen den sozialistischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez waren zu hören. Die Lokalzeitung El Faro de Ceuta sprach angesichts der Beteiligung von einer „historischen“ Demonstration.
Eine kleine Stadt unter enormem Druck
Der Protest kommt nicht aus dem Nichts. Seit der massenhaften Grenzüberquerung Ende Juli befindet sich die nur rund 84.000 Einwohner zählende Stadt in einer Ausnahmesituation. Die Lage hat sich keineswegs beruhigt, wie uns Mainstreammedien in aller Welt glauben machen wollen- Weiterhin halten sich mehrere Tausend Migranten in Ceuta auf. Für zusätzlichen Unmut sorgten Pläne, weitere öffentliche Einrichtungen für die Unterbringung zu verwenden. Der Protestzug begann demonstrativ vor dem ehemaligen Militärhospital, das als möglicher Unterbringungsort im Gespräch war.
Selbst El País spricht inzwischen vom wachsenden „hartazgo“ in Ceuta – einem Überdruss, der längst in offenen Zorn umgeschlagen ist. Der öffentliche Druck zeigte bereits Wirkung: Pläne zur Nutzung von Sporthallen als zusätzliche Unterkünfte wurden zurückgenommen. Doch für einen Teil der Demonstranten war die Kundgebung damit nicht beendet. Nach Abschluss des Protestzuges begab sich eine Gruppe zur Playa del Trampolín, wo sich weiterhin Migranten in einem improvisierten Lager aufhalten. Dort wurde aus politischem Protest plötzlich eine hochgefährliche Situation.
Die Polizei riegelte das Gebiet mit Einheiten der Bereitschaftspolizei ab, um ein direktes Aufeinandertreffen zu verhindern. Einrichtungen am Strand wurden beschädigt beziehungsweise zerstört, Steine flogen. Nach einem Bericht von El País wurden auch aus der Gruppe der Migranten Steine geworfen. Schließlich setzte die Polizei Tränengas ein, um die Gruppen auseinanderzuhalten. Berichte über Warnschüsse, die in sozialen Netzwerken kursieren, sind bislang dagegen nicht ausreichend durch verlässliche Quellen bestätigt.
Ceuta wird zum Warnsignal
Die Ereignisse von Ceuta besitzen eine Bedeutung, die weit über die kleine spanische Exklave hinausreicht. Denn hier wird sichtbar, was geschieht, wenn eine relativ kleine Stadt innerhalb kürzester Zeit eine Migrationsbewegung bewältigen soll, deren Größenordnung für die Bevölkerung unmittelbar spürbar wird. Die Menschen, die am Mittwoch auf die Straße gingen, wollen offenkundig nicht mehr hören, dass die Situation irgendwie verwaltet werden müsse. Sie verlangen, dass der spanische Staat seine elementarste Aufgabe erfüllt: die eigenen Grenzen zu schützen, illegale Einreisen zu verhindern und diejenigen zurückzuführen, die kein Aufenthaltsrecht besitzen.
Die Migrationsfrage wird in Ceuta nicht mehr nur in Parlamenten, Redaktionen und Behörden diskutiert. Sie ist auf der Straße angekommen. Und die Parole des Abends bringt die Stimmung vieler Einwohner auf einen einzigen Satz: „Ceuta wird nicht verkauft. Ceuta wird verteidigt.“
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