JU-Landesvorsitzende Laura Strohschneider tritt zurück – und verlässt die CDU

Die Vorsitzende der Jungen Union Brandenburg, Laura Strohschneider, hat mit sofortiger Wirkung ihren Rücktritt als Landesvorsitzende erklärt und zugleich ihren Austritt aus der CDU bekanntgegeben. Als Begründung nennt die 1996 geborene Juristin scharfe Kritik am derzeitigen Kurs der Partei sowie am Führungspersonal der CDU und der Bundesregierung.

Strohschneider stand seit 2023 an der Spitze der JU Brandenburg. Zugleich gehörte sie als Beisitzerin dem Landesvorstand der CDU Brandenburg an und war Beauftragte für Ostdeutschland und Strukturwandel der Jungen Union Deutschlands. Die promovierende Juristin war erst Ende 2025 mit rund 73 Prozent der Stimmen als JU-Landesvorsitzende bestätigt worden und galt als eine der profiliertesten Nachwuchspolitikerinnen der CDU im Osten.

In einer Mitteilung an die Mitglieder, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, begründet sie ihren Schritt mit einer grundlegenden Entfremdung von der politischen Ausrichtung der Partei. Nach ihrer Auffassung habe sich die CDU „aus ideologischen Gründen in eine Lage manövriert“, in der notwendige Reformen aus Rücksicht auf den Koalitionspartner nicht mehr umgesetzt würden. Stattdessen würden sogar neue Fehlentwicklungen in Kauf genommen.

Shooting-Star der Union

Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt ihres Rückzugs. Als Landesvorsitzende der Jungen Union und Mitglied des CDU-Landesvorstandes galt Strohschneider als politische Nachwuchshoffnung ihrer Partei. Beobachter weisen darauf hin, dass eine Politikerin mit ihrer Position grundsätzlich gute Aussichten auf weitere politische Mandate und Ämter innerhalb der Union gehabt hätte. Mit ihrem Austritt verzichtet sie bewusst auf diesen Karriereweg.

Aus der CDU Brandenburg gab es zunächst keine inhaltliche Reaktion auf ihre Kritik. Bekannt wurde bislang lediglich, dass der Rücktritt und Parteiaustritt zur Kenntnis genommen wurden.

Der Fall dürfte über Brandenburg hinaus Aufmerksamkeit erregen. Der Austritt einer amtierenden JU-Landesvorsitzenden aus Protest gegen den politischen Kurs der eigenen Partei gehört zu den ungewöhnlichen Vorgängen innerhalb der Union. Er fällt in eine Zeit, in der die CDU nach mehreren parteiinternen Konflikten und personellen Turbulenzen erneut unter erheblichem inneren Druck steht.

Und in Berlin?

Der Schritt von Laura Strohschneider dürfte auch in anderen Landesverbänden für Diskussionen sorgen. Wer – wie sie – aus Gewissensgründen bereit ist, auf eine aussichtsreiche politische Karriere zu verzichten, setzt einen Maßstab, an dem sich andere Funktionsträger der Jungen Union messen lassen müssen. Gerade in Berlin wäre eine ehrliche Debatte über die politische Verantwortung der eigenen Führung überfällig.

Wenn führende JU-Vertreter den Kurs der Bundespartei oder zum Beispiel des Systems Wegner in Berlin schon lange nur noch unter großen Verbiegungen, inzwischen gar nicht mehr überzeugend vertreten können oder ihn innerlich selbst für falsch halten, wäre Konsequenz das Gebot der Stunde. Ein personeller Neuanfang oder der Wechsel zu einer Partei, die die ursprünglichen Werte der Union weiter vertritt, könnte der diesen Jungpolitikern mehr Glaubwürdigkeit verschaffen als das bloße Festhalten an Ämtern und eine paar kaum wahrgenommene, von der Parteiführung mit Desinteresse abgehakte Auftritte in den Medien.

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David Berger
David Bergerhttps://philosophia-perennis.com/
David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophie und Theologie des Mittelalters. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European).

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